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Woche 1

Tag 1


Eine Handvoll Java

Dies stellt das Ergebnis des fast 15 Jahre dauernden Versuchs dar, eine bessere Programmiersprache bzw. eine bessere Programmierumgebung zu schaffen, um einfachere und verläßlichere Software zu erzeugen.

Bill Joy, Mitbegründer von Sun Microsystems

Der verrückte Glöckner hatte recht. An einem Ort wie diesem gibt es Geld zu verdienen.

Der Mann ohne Namen aus »Für eine Hand voll Dollars«

Als die Programmiersprache Java im November 1995 das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde, hatte dies viel Ähnlichkeit mit einem Revolverhelden à la Clint Eastwood , der in eine unfreundliche Westernstadt kommt.

Wie Clint war auch Java etwas, was die Bewohner der Stadt noch nie zuvor gesehen hatten. Java war eine Programmiersprache, die auf Webseiten lief und einen eigenen Platz neben Grafiken, Text, Audio und den allgengenwärtigen »Under construction«- Zeichen beanspruchte. Die Leute kamen von weit her ins Silicon Valley - meistens über Internet-Verbindungen, manche aber auch persönlich -, um einen Blick auf die Sprache zu werfen.

Die Legenden um Java überholten allerdings manchmal die Wirklichkeit ein wenig...

In ähnlicher Weise haftete den Revolverhelden, die Clint spielte, schnell eine Legende an ...

Java hat in den letzten drei Jahren viele der Erwartungen des anfänglichen Hypes erfüllt. Das Release 1.2 ist ein weiterer Beweis des anhaltenden Erfolges und Wachstums der Programmiersprache.

Beginnend mit dem heutigen Tag werden Sie viel über die Sprache Java lernen und warum sie so schnell in der Computerindustrie prominent wurde. Sie werden mit Java 1.2 - der aktuellsten Version - Applikationen erstellen, die sowohl auf Ihrem PC laufen, als auch über ein Netzwerk wie das Internet ausgeführt werden können. Außerdem werden Sie mit Java 1.0.2 Programme erstellen, die auf Webseiten ausgeführt werden. Dies war die Java-Version, mit der Java bekannt wurde. Sie wird auch heute noch von den meisten Browsern unterstützt.

Wenn Sie das Ende des Buches so bei Seite 17.228 erreicht haben, dann werden Sie wahrscheinlich eine weitere Gemeinsamkeit von Java und Clint Eastwood erkannt haben ...

Java ist cool.

Nicht in dem Sinne »aus der Dusche kommend fluchen: Wo zum Henker ist mein Handtuch? « und auch nicht im Sinne »Ich bin ein Rap-Star und kann 75 frauenfeindliche Bemerkungen in einer Minute murmeln«.

Java ist cool, weil es eine bemerkenswerte Programmiersprache ist, die es vielen Programmieren leichter macht, bemerkenswerte Dinge zu tun. Java ist cool, da es sichtweisenverändernde Konzepte wie die objektorientierte Programmierung verständlicher macht.

Wie das Wort »Salsa« ist Java cool, weil es einfach Spaß macht, das Wort laut auszusprechen. Java auszusprechen ist wesentlich schöner als »Visual Basic«, »C plus plus«, »Algol« oder »Mumps«.

(»Mumps!« zu sagen macht in gewisser Weise auch Spaß; gegenüber den anderen Begriffen ist Java allerdings wesentlich cooler.)

Wenn Sie sich durch die 21 Tage dieses Buches gearbeitet haben, werden Sie ein Experte für die gesamte Bandbreite der Möglichkeiten von Java sein. Dies schließt Grafik, Dateiein- und ausgaben, den Entwurf von Benutzerschnittstellen, die Ereignisbehandlung, die Datenbankprogrammierung und Animation mit ein. Sie werden Programme schreiben, die in Webseiten laufen, und andere, die auf Ihrem PC ausgeführt werden.

Die Ziele des heutigen Tages sind dagegen ziemlich bescheiden. Sie lernen etwas über die folgenden Themen:

Was ist Java?

Ausgehend von dem riesigen Presserummel, den es um Java in den letzten paar Jahren gab, und der großen Zahl von Büchern zu Java (1.054 laut der aktuellsten Zählung von JavaWorld), werden Sie eventuell einen etwas übertriebenen Eindruck davon haben, was Java zu leisten imstande ist.

Java ist eine Programmiersprache, die sehr gut dafür ausgerüstet ist, Software zu entwerfen, die in Verbindung mit dem Internet läuft. Java ist aber auch eine objektorientierte Sprache, die von einer Methode Gebrauch macht, die in der Welt des Software- Design immer nützlicher wird. Außerdem ist Java eine plattformübergreifende Sprache. Das heißt, Java-Programme können so entwickelt werden, daß Sie in gleicher Weise auf Microsoft Windows, Apple Macintosh und Solaris-Maschinen - um nur einige zu nennen - laufen.

Java ist wesentlich näher an beliebten Programmiersprachen, wie z. B. C, C++, Visual Basic und Delphi, als HTML oder eine simple Skriptsprache wie JavaScript.

Lebensraum: Web

Java ist bekannt für seine Fähigkeit, in Webseiten zu laufen. Sowohl der Netscape Navigator als auch der Microsoft Internet Explorer können ein Java-Programm herunterladen und es lokal auf dem System des Benutzers ausführen.

Diese Programme, die Applets genannt werden, werden in Webseiten auf ähnliche Weise wie Bilder eingebunden. Im Gegensatz zu Bildern können Applets interaktiv sein - sie können Eingaben des Benutzers entgegennehmen, darauf reagieren und sich ständig verändernde Inhalte präsentieren.

Applets können zur Erzeugung von Animationen, Grafiken, Formularen, die sofort auf die Eingaben des Lesers reagieren, Spielen oder anderen interaktiven Effekte auf einer Webseite neben Text und Bildern verwendet werden. Abbildung 1.1 zeigt ein Applet, das im Netscape Navigator 4.04 läuft. Java wird hier dazu verwendet, einen Spieler gegen drei Gegner aus dem Computer-Domino zu spielen.


Das Domino-Applet wurde von Eric Carroll geschrieben, einem Java-Programmierer und Comic-Zeichner. Er ist auch der Gegner aus dem Computer mit der Igelfrisur in Abbildung 1.1. Sie finden das Domino-Applet und seine Homepage unter: http:// www.void.org/~eric/domino.html.

Applets werden über das World Wide Web heruntergeladen, wie das auch bei HTML- Seiten, Grafiken bzw. beliebigen anderen Elementen einer Website der Fall ist. In einem Browser, der für die Verarbeitung von Java ausgelegt ist, startet die Ausführung des Applets, nachdem es heruntergeladen ist.

Applets werden mit Java geschrieben, anschließend werden sie in eine Form kompiliert, die es erlaubt, das Programm auszuführen. Zu guter Letzt werden sie auf einem Web-Server abgelegt. Die meisten Web-Server sind in der Lage, Java-Dateien zu übertragen, ohne daß etwas an deren Konfiguration geändert werden müßte.


Fast alle Applets werden heute mit Java 1.0.2, der ersten verbreiteten Java-Version, geschrieben, da die meisten führenden Browser-Hersteller langsam bei der Integration von Java 1.1 und 1.2 sind. Netscape hat einen Softwarepatch veröffentlicht, der den Navigator um die Unterstützung von Java 1.1 erweitert. Microsoft hat hingegen keinerlei Pläne bezüglich der Java-1.1- Unterstützung im Internet Explorer 4 veröffentlicht.


Abbildung 1.1:
Ein Applet im Netscape Navigator 4.04

Web-User mit einem Browser, der Java nicht unterstützt, sehen statt des Applets eventuell einen Text, eine Grafik oder gar nichts - abhängig davon, ob der Designer der Seite eine Alternative zu dem Java-Applet vorgesehen hat. Sie lernen im Laufe des Buches mehr über die Zusammenarbeit zwischen Applets, Browsern und dem World Wide Web.

Obwohl Applets die beliebteste Anwendung für Java darstellen, sind sie nur eine Möglichkeit, die Sprache zu verwenden. Wie bei Visual C++, Visual Basic und Delphi handelt es sich bei Java um eine robuste Sprache, mit der sich die unterschiedlichste Software entwickeln läßt. Diese Software kann grafische Benutzeroberflächen, Netzwerke, Datenbankanbindungen und andere sehr ausgefeilte Funktionalitäten unterstützen. Zur Unterscheidung von Applets werden Java-Programme, die nicht über das Web ausgeführt werden, Applikationen genannt.

Die inoffizielle Biographie von Java

Die Programmiersprache Java wurde 1991 bei Sun Microsystems als Teil des Green- Projekts entwickelt. Das Green-Projekt war eine Forschungsgruppe, die Software zur Steuerung von Konsumelektronikgeräten entwickelte. Die Wissenschaftler hofften, die Programmiersprache zu entwickeln, die die intelligenten Anwendungen der Zukunft steuert - interaktive Fernseher, interaktive Toaster usw. Suns Wissenschaftler wollten außerdem, daß die einzelnen Geräte miteinander kommunizieren können. Auf diese Weise sollte der Rasenmäher den Mixer anweisen können, Ihnen mitzuteilen, daß Ihre Nachbarn wieder zu Hause sind und nackt in der Sonne baden.

Um ihre Forschungen voranzutreiben, entwickelten die Green-Wissenschaftler einen Geräteprototypen mit dem Namen Star7 - ein ferngesteuertes Gerät, das in der Lage war, mit Angehörigen seiner Art zu kommunizieren. Die ursprüngliche Idee war es, das Betriebssystem des Star7 in C++ zu entwickeln, der extrem beliebten, von Bjarne Stroustrup entwickelten objektorientierten Programmiersprache. Allerdings hatte James Gosling vom Green-Projekt bald genug von C++ in bezug auf diese Aufgabenstellung. Aus diesem Grund verbarrikadierte er sich in seinem Büro und schrieb eine neue Programmiersprache, um den Star7 besser steuern zu können. Die Sprache nannte Gosling Oak - zu deutsch: Eiche - zu ehren eines Baumes, den er von seinem Bürofenster aus sehen konnte.


Sun stellte später fest, daß der Name Oak bereits vergeben war, hielt sich allerdings bei der Neubennenung der Sprache nicht an Goslings Blick-aus- dem-Fenster-Methode. Wäre dem so gewesen, hätten Sie vielleicht eine Sprache mit einem der folgenden Namen in 21 Tagen durcharbeiten müssen:

  • Shrubbery (Gebüsch)
  • OfficeBuildingNextDoor (Bürogebäude gegenüber)
  • LightPole (Laterne)
  • WindowWasher (Fensterwäscher)
  • SecretaryLeavingForLunch (Sekretärin geht zum Mittagessen)

  • WeirdSecurityGuard (Seltsamer Wachmann)
  • FatGuyMowing (Dicker Mann beim Mähen)

Da bei der Entwicklung von Java andere Anwendungen als der Standard-PC im Vordergrund standen, mußte Java klein, effizient und leicht auf eine ganze Reihe von Hardware-Plattformen und -Geräten portierbar sein. Außerdem mußte Java zuverlässig sein. Man hat gelernt, mit den gelegentlichen Systemcrashs und Störungen einer 5-Mbyte-Applikation zu leben. Allerdings läßt sich über einen schlecht programmierten Toaster, dessen unangenehme Angewohnheit sich in Form einer Stichflamme äußert, nicht so einfach hinwegsehen.

Obwohl Java sich nicht als Entwicklungstool für die Steuerung von Geräten und interaktiven Fernsehern hervorgetan hat, erwiesen sich die Eigenschaften, die gut für den Star7 waren, auch als gut für das Web:

Zusätzlich konnte Java als allgemeine Programmiersprache für die Entwicklung von Programmen, die auf verschiedenen Plattformen ausgeführt werden können, verwendet werden.

Um das Potential von Java zu demonstrieren und das Forschungsprojekt vor der Zurückstellung zu bewahren, wurde 1994 ein Web-Browser entwickelt, der Java-Applets ausführen konnte. Der Browser zeigte zwei elementare Dinge von Java: Zum einen die Möglichkeiten in bezug auf das World Wide Web und zum anderen, welche Programme mit Java erstellt werden können. Die Programmierer Patrick Naughton und Jonathan Payne entwickelten den Browser, der ursprünglich WebRunner hieß, aber dann in HotJava umgetauft wurde.

Obwohl Java und der Browser HotJava sehr viel Aufmerksamkeit in der Web-Gemeinde auf sich zogen, trat die Sprache ihren eigentlichen Höhenflug erst an, als Netscape als erste Firma im August 1995 die Sprache lizenzierte. Der Netscape-Chef und Jungmillionär Marc Andreesen war einer der ersten außerhalb von Sun, die das Potential von Java erkannten. Auf der JavaOne-Konfernz im Mai 1996 war er ein großer Befürworter der Sprache. »Java ist eine große Chance für uns alle«, teilte er den Anwesenden mit. Kurz nach Javas erstem öffentlichen Release gliederte Sun seine Java- Entwicklung in eine neue Tochtergesellschaft mit dem Namen JavaSoft aus. Hunderte von Mitarbeitern wurden bereitgestellt, um die Sprache weiter voranzubringen.

Die verschiedenen Versionen der Sprache

JavaSoft hat bisher drei Hauptversionen der Sprache Java veröffentlicht:

Die Versionsnummern von Java entsprechen immer der Versionsnummer von Suns primärem Java-Entwicklungstool - dem Java Developer's Kit. Im allgemeinen wird es als JDK bezeichnet. Momentan ist das Kit in den Versionen 1.0.2, 1.1.5 und 1.2 verfügbar.


In Verbindung mit dem JDK 1.2 wurde auch der Begriff »Java 2« eingeführt. Die exakte neue Bezeichnung für das bisherige JDK 1.2 ist jetzt Java 2 SDK v1.2. Der Einfachheit halber soll aber in diesem Buch weiterhin vom JDK 1.2 die Rede sein. Nähere Informationen zu den genauen Bezeichnungen in Verbindung mit »Java 2« finden Sie auf der Webseite:

http://java.sun.com/products/jdk/1.2/java2.html

Das JDK war immer schon kostenlos auf der Website von JavaSoft unter http://java.sun.com verfügbar. Diese Verfügbarkeit ist einer der Faktoren für das rapide Wachstum von Java. Es ist immer das erste Entwicklungstool, das eine neue Java-Version unterstützt, wenn diese veröffentlicht wird - oftmals sechs Monate, bevor andere Entwicklungswerkzeuge diese Version unterstützen.

Neben dem JDK gibt es mehr als ein Dutzend kommerzieller Java-Entwicklungstools für Java-Programmierer. Drunter die folgenden:

Momentan ist das JDK immer noch das einzige Tool, das die Version 1.2 der Sprache voll unterstützt.


Die Programme in diesem Buch wurden mit dem JDK 1.2 Release Version, der aktuellsten Version des JDK, die beim Schreiben des Buches verfügbar war, getestet. Wenn Sie etwas anderes als das JDK beim Durcharbeiten des Buches verwenden, sollten Sie als erstes sicherstellen, daß es das JDK 1.2 voll unterstützt.

Spieglein, Spieglein an der Wand ...

Jeder, der die genaue Zukunft von Java kennt, sollte sich lieber um Venture-Kapital bemühen, als ein Buch zu schreiben. Die Technologie-Firma Kleiner, Perkins, Caufield and Byers (KPCB) hat $100 Millionen bereitgestellt, um Start-up-Firmen zu unterstützen, deren Betätigungsfeld Java-bezogene Themen sind.

Die Erweiterungen in Java 1.2 bereiten Java gut auf seine Zukunft als ausgefeilte Sprache für unterschiedlichste Anwendungsgebiete vor. Frühe Versionen von Java waren besser für kleine webbasierte Software als für vollwertige Applikationen, wie Groupware-Anwendungen, Office-Suites und Netzwerk-Multiplayer-Spiele geeignet.

Das kann man von Java um 1.2 herum nicht mehr behaupten. Die folgende Liste beschreibt einige der fortgeschritteneren Features, die mit der aktuellen Version eingeführt wurden:

Sie bekommen in den nächsten drei Wochen die Möglichkeit, mit diesen und anderen neuen Features zu arbeiten.

Warum lesen Sie dieses Buch?

Früher war es einfacher, auszumachen, warum Leute ein Buch dieser Art wählten. Die meisten Leser wollten Java für die Erstellung von Applets verwenden.

Heute ist das nicht mehr so klar. Jede neue Version von Java führt Features ein, die Java über seine Wurzeln als interessante Web-Technologie hinaus erweitern.

Allerdings bleiben die Stärken von Java bestehen: Plattformunabhängigkeit, Objektorientierung und die einfache Erlernbarkeit.

Java ist plattformunabhängig

Plattformunabhängigkeit - die Fähigkeit, daß ein und dasselbe Programm auf unterschiedlichen Plattformen und unter verschiedenen Betriebssystemen läuft - ist einer der bedeutendsten Vorteile, die Java gegenüber anderen Programmiersprachen zu bieten hat.

Wenn Sie z.B. ein Programm, in C oder einer der meisten anderen Programmiersprachen kompilieren, dann übersetzt der Compiler Ihre Quelldateien in Maschinensprache - Befehle, die für den Prozessor in Ihrem System spezifisch sind. Wenn Sie Ihren Code auf einer Maschine mit Intel-Prozessor kompilieren, dann wird das Programm auf anderen Maschinen mit Intel-Prozessor laufen, auf Macs, Commodore VIC-20 oder anderen Maschinen dagegen nicht. Wenn Sie dasselbe Programm auf einer anderen Plattform verwenden wollen, müssen Sie Ihren Quellcode auf diese Plattform transferieren und dort neu kompilieren, um den für dieses System spezifischen Maschinencode zu erhalten. In vielen Fällen sind, auf Grund von Unterschieden innerhalb der Prozessoren und anderer Faktoren, Änderungen an dem Quellcode des Programms nötig, bevor es sich auf der neuen Maschine kompilieren läßt.

Die Abbildung 1.2 zeigt das Ergebnis eines plattformabhängigen Systems: Viele ausführbare Programme müssen für viele Systeme erzeugt werden.


Abbildung 1.2:
Herkömmlich kompilierte Programme

Java-Programme erreichen die Plattformunabhängigkeit über eine virtuelle Maschine - eine Art Computer im Computer. Die virtuelle Maschine nimmt das Java-Programm und konvertiert die Anweisungen darin in Kommandos, die das jeweilige Betriebssystem verarbeiten kann. Dasselbe kompilierte Programm, das in einem Format namens Bytecode vorliegt, kann so auf jeder beliebigen Plattform bzw. unter jedem beliebigen Betriebssystem ausgeführt werden, das über eine Java Virtual Machine (die amerikanische Bezeichnung, Abk.: JVM)

Die virtuelle Maschine wird auch als Java Interpreter oder Java Runtime Environment (Java-Laufzeitumgebung) bezeichnet.

Wenn es Ihnen Probleme bereitet, die Rolle der virtuellen Maschine zu verstehen, dann hilft vielleicht die folgende Metapher: In der Originalserie von Star Trek (in Deutschland Raumschiff Enterprise) gab es ein Gerät, das Englisch (bzw. Deutsch) in die Sprache der Außerirdischen übersetzte, wenn sich diese mit der Crew der Enterprise unterhielten. Captain James T. Kirk mußte nicht bei jeder Landung auf einem neuen Planeten eine neue Sprache lernen, da der Universalübersetzer seine Worte so umsetzte, daß die Aliens ihn verstehen konnten. In gleicher Weise müssen Java-Programmierer nicht verschiedene Versionen eines Programms für jede Plattform erstellen, auf der dieses landet, da die virtuelle Maschine sich um die notwendige Übersetzung kümmert. (Natürlich setzte Kirk den Übersetzer dazu ein, mit den Frauen der anderen Welten zu flirten. Wir können allerdings weder ausdrücklich noch implizit eine Garantie dafür geben, daß Sie über Java eine Verabredung bekommen.)

Java ist auch auf Quellebene plattformunabhängig. Java-Programme werden vor der Kompilierung als Textdateien gespeichert. Diese Dateien können auf jeder Plattform erzeugt werden, die Java unterstützt. Sie könnten z.B. ein Java-Programm auf einem Mac schreiben und dieses anschließend unter Windows 95 kompilieren.

Bytecode ähnelt dem Maschinencode, der von anderen Sprachen erzeugt wird. Allerdings ist dieser nicht für einen bestimmten Prozessor spezifisch. Er führt eine zusätzliche Schicht zwischen dem Quellcode und dem Maschinencode ein (siehe auch Abbildung 1.3).


Abbildung 1.3:
Java erzeugt Multiplattform-Programme

Die Java Virtual Machine kann sich an unterschiedlichen Orten befinden. Für die Ausführung von Applets ist die virtuelle Maschine in die einzelnen Browser integriert, die Java unterstützen. Deshalb müssen Sie sich keine Gedanken darüber machen, ob sich die virtuelle Maschine auf dem System des Benutzers befindet.


So ganz sorglos kann man die Sache allerdings dann doch nicht angehen. Sie müssen sich Gedanken darüber machen, welche Java Virtual Machine der Browser unterstützt. Wenn Sie ein Applet erstellen, das neue Features von Java 1.2 verwendet, dann wird der Bytecode dieses Applets in einem Browser, der lediglich die virtuelle Maschine von Java 1.0.2 unterstützt, nicht funktionieren. Java Plug-In, eine Browsererweiterung, die von JavaSoft entwickelt wurde, ermöglicht es Entwicklern, eine andere virtuelle Maschine festzulegen, als eigentlich in dem Netscape Navigator oder dem Microsoft Internet Explorer integriert ist. Dies ermöglicht es Java-1.1- und 1.2- Applets, zu laufen, wenn die entsprechende virtuelle Maschine festgelegt wurde. Das JDK 1.2 enthält das Java Plug-In in der Version 1.2. Mehr Informationen über Java Plug-In finden Sie auf der folgenden Webseite:

http://java.sun.com/products/plugin/index.html

Java-Applikationen können dagegen nur auf Systemen ausgeführt werden, auf denen die entsprechende virtuelle Maschine installiert wurde. Wenn Sie Java-1.2-Applikationen auf Ihrem Computer ausführen wollen, müssen Sie als erstes die virtuelle Maschine installieren.

Wenn Sie an die Art gewöhnt sind, mit der Sprachen wie Visual Basic und Delphi plattformabhängigen Code erzeugen, dann werden Sie vielleicht denken, daß der Bytecode-Interpreter eine unnötige Schicht zwischen Ihrem Code und dem Maschinencode darstellt.

Dies wirft natürlich einige Performance-Fragen auf - Java-Programme werden langsamer ausgeführt als Programme von plattformabhängig kompilierten Sprachen wie C. Und der Geschwindigkeitsunterschied ist der wesentliche Kritikpunkt an Java. Manche Entwicklungstools beinhalten Just-In-Time-Compiler, die den Java-Bytecode mit größerer Geschwindigkeit ausführen können.

Die Möglichkeit, daß eine einzige Bytecode-Datei auf unterschiedlichsten Plattformen ausgeführt werden kann, ist entscheidend dafür, daß Java im World Wide Web funktioniert, da das Web ebenfalls plattformunabhängig ist.

Für viele einfache Java-Programme ist die Geschwindigkeit kein Thema. Wenn Sie Programme schreiben, die eine höhere Ausführungsgeschwindigkeit benötigen, als die virtuelle Maschine bietet, bieten sich mehrere Lösungen an:

Egal welche der beiden Lösungen Sie verwenden, Sie gewinnen Geschwindigkeit auf Kosten der Portabilität von Java. Eine Java-Applikation, die z. B. Windows-Funktionsaufrufe für den Zugriff auf die Festplatte verwendet, läuft ohne Änderung nicht auf einem Macintosh.

Java ist objektorientiert

Wenn Sie mit der objektorientierten Programmierung bis jetzt noch nicht vertraut sind, dann werden Sie in den nächsten sechs Tagen reichlich Gelegenheit erhalten, um dies zu ändern.

Als objektorientierte Programmierung - auch OOP genannt - wird eine Methode bezeichnet, bei der Computerprogramme als eine Reihe von Objekten aufgebaut werden, die miteinander interagieren. Für andere ist es im wesentlichen eine Art, Programme zu organisieren. Jede Programmiersprache kann dazu verwendet werden, objektorientierte Programme zu erstellen.

Allerdings ziehen Sie den größten Nutzen aus der objektorientierten Programmierung, wenn Sie eine Sprache verwenden, die dafür entworfen wurde. Java erbte viele seiner OOP-Konzepte von C++, der Sprache, auf der Java zu einem großen Teil basiert. Java entleiht auch Konzepte aus anderen objektorientierten Sprachen.

Am Tag 2 lernen Sie mehr über objektorientierte Programmierung und Java.

Java ist leicht zu erlernen

Neben seiner Portabilität und der Objektorientierung ist Java kleiner und einfacher als andere vergleichbare Sprachen. Dies rührt von dem ursprünglichen Ziel für Java her, eine Sprache zu sein, die weniger Computermuskeln für die Ausführung benötigt - niemand wird $3.000 für einen Pentium-II-Toaster mit MMX-Technologie ausgeben.

Java sollte einfacher zu schreiben, kompilieren, debuggen und zu lernen sein. Die Sprache wurde sehr stark nach dem Vorbild von C++ modelliert, und vieles von der Syntax und der objektorientierten Struktur kommt direkt von dieser Sprache. Wenn Sie C++- Programmierer sind, dann werden Sie in der Lage sein, Java wesentlich schneller zu lernen, und können einiges in der ersten Woche dieses Buches überspringen.

Trotz Javas Ähnlichkeiten mit C++ wurden die komplexesten und fehlerträchtigsten Aspekte der Sprache nicht in Java aufgenommen. Sie werden z. B. keine Zeiger oder Zeigerarithmetik in Java finden, da diese Features in einem Programm leicht zu Fehlern führen und sie schwerer als andere zu beheben sind. Strings und Arrays sind Java- Objekte, und das Speichermanagement wird von Java automatisiert, anstatt dies dem Programmierer zu übertragen. Erfahrene Programmierer werden diese Punkte vielleicht vermissen, wenn sie beginnen, mit Java zu programmieren, andere werden allerdings durch das Weglassen Java wesentlich schneller lernen.

Obwohl Java leichter zu lernen ist als viele andere Programmiersprachen, stellt Java für jemanden ohne Programmiererfahrung eine große Herausforderung dar. Der Umgang mit Java ist komplexer als der mit HTML oder etwa JavaScript - allerdings gibt es nichts, was ein Anfänger nicht meistern könnte.

Eintauchen in die Java-Programmierung

Lassen wir nun die Geschichtsstunde enden, und widmen wir uns der zweiten Hälfte des heutigen Tages. Sie erhalten Gelegenheit, Java in Aktion zu erleben, während Sie Ihr erstes Java-Programm - eine Applikation - erstellen.

Bevor Sie allerdings beginnen können, müssen Sie ein Java-1.2-Entwicklungstool auf Ihrem System installieren.

Ein Entwicklungstool auswählen

Um Java-Programme zu schreiben, benötigen Sie eine Entwicklungssoftware für Java. Falls Ihr System bereits in der Lage ist, Applets auszuführen, wenn Sie im Internet surfen, werden Sie vielleicht denken, daß damit schon alles für die Entwicklung vorbereitet ist. Dies ist allerdings nicht der Fall - Sie brauchen noch eine Entwicklungssoftware, um eigene Java-Programme zu erstellen und auszuführen.

Wenn Sie dieses Buch voll ausschöpfen wollen, benötigen Sie ein Entwicklungstool, das Java 1.2 komplett unterstützt. Momentan kommt nur das Java Developer's Kit (JDK) in Frage. Das JDK ist immer das erste Tool, das eine neue Java-Version unterstützt, und das JDK 1.2 Release Version ist, während ich dieses Buch schreibe, die aktuellste Version.

Das JDK besteht aus einer Reihe kommandozeilenorientierter Programme. Diese Programme sind rein textorientiert und besitzen keine grafische Benutzeroberfläche. Als Programmierer führt man die einzelnen Programme aus, indem man an der Eingabeaufforderung Befehle wie den folgenden eingibt:

java GetFunky.class

Dieses Kommando weist das Programm java - den Bytecode-Interpreter - an, eine Datei mit dem Namen GetFunky.class auszuführen. (Wie Sie noch zu einem späteren Zeitpunkt am heutigen Tag sehen werden, tragen alle kompilierten Java-Programme die Erweiterung .class.)

Anwender von Windows 95 müssen die MS-DOS-Eingabeaufforderung verwenden (Start | Programme | MS-DOS-Eingabeaufforderung in der Taskleiste), um ein Fenster zu öffnen, in das Befehle eingegeben werden können.

Dies ist natürlich weit entfernt von den modernen Entwicklungstools, die eine grafische Benutzeroberfläche, Debugger, Quellcode-Editoren und andere nette Details bieten.

Wenn Sie ein anderes Java-Entwicklungstool haben und sicher sind, daß es Java 1.2 unterstützt, dann können Sie es verwenden, um die Programme in diesem Buch zu erstellen. Andernfalls sollten Sie das JDK verwenden.

Die Installation des JDK

Die Version 1.2 des Java Developer's Kit ist momentan für die folgenden Plattformen verfügbar:

Wenn Sie auf einer anderen Plattform arbeiten, wie z. B. dem Apple Macintosh, dann können Sie durch einen Besuch der offiziellen Java-Site von Sun (http://java.sun.com) feststellen, ob es dort inzwischen eine 1.2-Version des JDK für diese Plattform gibt. Aktuell finden Sie eine Liste aller bekannten Versionen des JDK für die verschiedenen Plattformen auf der folgenden Seite:

http://java.sun.com:80/cgi-bin/java-ports.cgi

Wenn Sie das JDK von einer CD mit Varianten für verschiedene Betriebssysteme installieren, müssen Sie die Datei entsprechend Ihrer Computerplattform auswählen:

Wenn Sie keinen Zugriff auf ein CD-ROM-Laufwerk haben, dann können Sie sich das JDK auch aus dem World Wide Web herunterladen. Suns offizielle Windows- und Solaris-Versionen finden Sie auf der folgenden Webseite:

http://www.javasoft.com/products/JDK/1.2/index.html

Diese Seite beinhaltet Informationen zur Installation und einen Link, um das JDK für Ihre Plattform herunterzuladen und es in einem Ordner auf Ihrem System zu speichern.

Nachdem Sie die Datei heruntergeladen haben, sollten Sie prüfen, ob die gesamte Datei heruntergeladen wurde. Bei den Installationsanweisungen im Web ist auch die Größe der JDK-Datei für Ihre Plattform aufgeführt.

Um die Größe der Datei unter Windows 95 oder NT zu prüfen, wechseln Sie zu dem Ordner, der die Datei enthält, und klicken mit der rechten Maustaste auf die Datei. Es erscheint ein Kontextmenü. Wählen Sie in diesem Menü den Eintrag Eigenschaften. In dem Dialog, der sich öffnet, wird neben anderen relevanten Informationen die Größe der Datei angezeigt.

Die Installation unter Windows 95 und NT

Bevor Sie das JDK auf Ihrem System installieren, sollten Sie sicherstellen, daß keine anderen Java-Entwicklungstools installiert sind. Wenn mehr als ein Java-Entwicklungstool installiert ist, kann das zu Konfigurationsproblemen führen, wenn Sie versuchen, das JDK zu verwenden.

Um das JDK unter Windows 95 oder NT zu installieren, klicken Sie doppelt auf die Installationsdatei oder verwenden das Kommando Start | Ausführen, um die Datei zu lokalisieren und auszuführen.

Im Anschluß an den Dialog, der Sie fragt, ob Sie das JDK 1.2 installieren wollen, wird der Installationsassistent (siehe auch Abbildung 1.4) angezeigt. Sie können in diesem Fenster festlegen, wie das JDK auf Ihrem System installiert werden soll.

Die Standardeinstellungen in diesem Assistenten sollten in der Regel für die meisten Anwender zutreffend sein. Das JDK wird im Ordner \jdk1.2 auf Ihrem C:-Laufwerk installiert, solange Sie nicht auf die Schaltfläche Browse... klicken, um einen anderen Ordner zu wählen.


Probleme, die Sie eventuell mit der Konfiguration des JDK haben, lassen sich leichter beheben, wenn Sie den Standardordner \jdk1.2 verwenden.


Abbildung 1.4:
Der Installationsassistent des JDK

Der Assistent installiert drei Komponenten des JDK:

Wenn Sie die Standardinstallation akzeptieren, benötigen Sie 23 Mbyte auf Ihrer Festplatte. Falls Sie alle Optionen außer den Programmdateien weglassen, spart Ihnen das 2,4 Mbyte - für den Fall, daß Sie Platz sparen müssen, um das JDK auf eine überfüllte Platte zu quetschen.

Zusätzlich können Sie die Quelldateien installieren - der Quelltext der Sprache Java selbst ist öffentlich verfügbar. Allerdings benötigen diese Dateien mehr als 11 Mbyte und werden in diesem Buch nicht benötigt.


Nachdem Sie das JDK installiert haben, werden Sie vielleicht bemerken, daß zwei der installierten Dateien in den Unterordnern JDK\lib bzw. JDK\jre\lib den Namen tools.jar bzw. rt.jar tragen. Obwohl diese Dateien JAR-Archive sind, sollten Sie sie nicht entpacken. Das JDK kann sie in diesen Ordnern in dem Archiv-Format lesen.

Die Installation unter Solaris

Die Solaris-Version des JDK von Sun kann auf den folgenden Plattformen installiert werden:

Das JDK-Installationsarchiv sollte in ein Verzeichnis entpackt werden, in dem noch kein Unterverzeichnis mit dem Namen jdk1.2 existiert, da Sie ansonsten bereits vorhandene Dateien auf Ihrem System überschreiben.

Wenn Sie die Installationsdatei heruntergeladen haben, sollten Sie sicherstellen, daß Sie auf die Datei über das Shell-Kommando chmod a+x korrekt zugreifen können.

SPARC-Anwender würden z. B. das folgende Kommando verwenden:

% chmod a+x jdk12-solaris2-sparc.bin

Um das JDK zu installieren, nachdem Sie chmod ausgeführt haben, verwenden Sie das Shell-Fenster und geben das Kommando ./ gefolgt von dem Namen der Archivdatei ein, wie das im folgenden der Fall ist:

% ./jdk12-solaris2-sparc.bin

Die Installation testen

In einer idealen Welt sollte das JDK nach der Installation richtig funktionieren. Käse sollte fettfrei sein, Präsidenten sollten tugendhaft sein, und Jimmy Johnson sollte der Trainer der Dallas Cowboys sein.

Die größten Probleme beim Erlernen von Java ergeben sich aus Fehlern bei der Konfiguration des JDK.

Windows-Anwender können Ihre Installation des JDK testen, indem Sie die MS-DOS- Eingabeaufforderung verwenden (Start | Programme | MS-DOS-Eingabeaufforderung in der Taskleiste). Dies öffnet ein Fenster, in dem Sie Befehle unter MS-DOS (dem Betriebssystem, das Windows 3.1 vorausging) eingeben können.

Die MS-DOS-Eingabeaufforderung wird auch einfach Eingabeaufforderung, Kommandozeile oder Prompt genannt. Diese Namen sollen zum Ausdruck bringen, daß Sie hier Befehle eingeben können, die das Betriebssystem ausführt.


MS-DOS kann für Leute, die an grafische Benutzeroberflächen wie Windows 95 gewöhnt sind, einschüchternd sein. Allerdings können Sie das JDK, ohne ein bißchen MS-DOS zu lernen, nicht einsetzen. Dieses Buch wird Ihnen diverse Tips geben, damit Sie so wenig MS-DOS wie möglich lernen müssen.

Um zu testen, ob Ihr System die richtige Version des JDK finden kann, geben Sie an der Eingabeaufforderung das folgende Kommando ein:

java -version

Sie sollten als Reaktion die folgende Meldung erhalten:

java version "1.2"

Wenn Sie die falsche Versionsnummer an dieser Stelle sehen oder die Meldung Befehl oder Dateiname nicht gefunden, dann kann Ihr System die richtige Version der Datei java.exe (die Datei, die Java-Programme ausführt) nicht finden.

Dieser Fehler muß korrigiert werden, bevor Sie damit beginnen, Java-Programme zu schreiben. In Anhang D finden Sie Informationen zur Konfiguration des JDK.

Die erste Java-Applikation

Lassen Sie uns nun mit der eigentlichen Arbeit beginnen. Starten Sie mit einer Applikation: ein Programm, das mit das Seltsamste, was einer Berühmtheit von jemandem aus der Menge entgegengebrüllt wurde, auf dem Bildschirm anzeigt: What's the frequency, Kenneth?


Am 4. Oktober 1986 schrie ein Mann »What's the frequency, Kenneth?« Fernsehkoordinator Dan Rather entgegen, kurz bevor er ihn auf einer öffentlichen Straße in New York City zusammenschlug. Jahrelang verstand niemand das Motiv für diesen Angriff, und die Pop-Gruppe R.E.M. machte diesen Ausspruch in einem Song unsterblich. Der Mann wurde später verhaftet, nachdem er 1994 einen Techniker von NBC niedergeschossen hatte. Er erzählte einem Psychiater, daß die TV-Sender ihn verfolgen würden.

Java-Applikationen sind alleinstehende Programme, die keinen Web-Browser zur Ausführung benötigen. Sie sind fast wie die Programme, die Sie hauptsächlich auf Ihrem System verwenden: Sie starten diese lokal über die Maus oder über einen Befehl an der Eingabeaufforderung.

Obwohl ein Java-Programm so entworfen werden kann, daß es sowohl ein Applet als auch eine Applikation ist, werden die meisten Programme, auf die Sie stoßen, entweder das eine oder das andere sein.

In der gesamten ersten Woche, in der Sie die Sprache Java lernen, werden Sie Applikationen schreiben. Dieses Wissen wird in der zweiten Woche um die Applet-Programmierung erweitert. Wenn Sie einer der Leser sein sollten, die nur an der Applet- Programmierung interessiert sind, sollten Sie trotzdem nicht versuchen, direkt zur zweiten Woche zu springen. Alles, was Sie bei der Erstellung einfacher Java-Applikationen lernen, ist ebenso für die Erstellung von Applets gültig, und bei den Grundlagen zu beginnen, ist das beste. Sie werden in den Tagen 8 bis 14 eine ganze Menge Applets erstellen.

Die Erstellung des Quellcodes

Wie das bei den meisten Programmiersprachen der Fall ist, werden Ihre Java-Quelldateien als reine Textdateien gespeichert. Sie können diese mit jedem beliebigen Editor oder Textverarbeitungsprogramm erstellen, der/das reinen Text speichern kann - einem Format, das auch ASCII- oder DOS-Text genannt wird. Windows-95-Anwender können Java-Programme mit Notepad, DOS Edit bzw. WordPad oder WinWord erstellen - vorausgesetzt sie achten darauf, daß sie die Dateien im Text-Format abspeichern anstatt in dem jeweiligen WinWord-Format. Unix-Anwender können Programme mit emacs, pico und vi erstellen. Den Mac-Anwendern steht SimpleText für die Erstellung von Java-Quelldateien zur Verfügung.

Das Java Developer's Kit beinhaltet keinen Texteditor. Die meisten anderen Entwicklungstools verfügen aber über Ihren eigenen Editor, um die Quelltexte zu erstellen.

Wenn Sie Windows 95 oder NT verwenden, dann fügt ein Texteditor wie Notepad eventuell .txt als zusätzliche Erweiterung an den Dateinamen einer Java-Datei an, die Sie speichern. Dies hätte zur Folge, daß z. B. aus dem Dateinamen GetFunky.java GetFunky.java.txt wird. Um dieses Problem zu vermeiden, sollten Sie den Dateinamen beim Speichern in Anführungszeichen einschließen - Abbildung 1.5 zeigt diese Technik beim Speichern der Quelltext-Datei »Craps.java« mit Notepad von Windows.


Abbildung 1.5:
Das Speichern einer Quelldatei


Eine wesentlich bessere Lösung ist es, die .java-Dateien fest mit dem Texteditor, den Sie verwenden, zu verknüpfen. Dies ermöglicht es Ihnen über einen Doppelklick auf den Namen, eine Quelltextdatei in einem Ordner zur Bearbeitung zu öffnen. Wie Sie eine solche Verknüpfung einrichten, erfahren Sie in Anhang E.

Das Programm schreiben

Starten Sie den Editor Ihrer Wahl, und geben Sie das Java-Programm ein, das in Listing 1.1 aufgeführt ist. Achten Sie darauf, daß Sie alle geschweiften Klammern, eckigen Klammern und Anführungszeichen genauso wie in dem Listing eingeben. Achten Sie außerdem darauf, daß Sie die Groß- und Kleinschreibung richtig aus dem Text übernehmen.

Listing 1.1: Der Quellcode der HalloDan-Applikation

1: class HelloDan {
2:     public static void main (String[] arguments) {
3:         System.out.println("What's the frequency, Kenneth?");
4:     }
5: }

Die Zeilennummern und die Doppelpunkte an der linken Seite im Listing 1.1 sind nicht Teil des Programms - sie wurden eingefügt, damit man sich im Buch auf bestimmte Zeilen in einem Programm beziehen kann. Sollten Sie sich bei einem Quelltext in diesem Buch einmal nicht ganz sicher sein, dann können Sie diesen mit der entsprechenden Kopie auf der CD des Buches vergleichen.

Nachdem Sie das Programm abgetippt haben, sichern Sie die Datei irgendwo auf Ihrer Platte unter dem Namen HelloDan.java.


Wenn Sie Anwender des JDK unter Windows 95 sind und versuchen, so wenig wie irgendmöglich über MS-DOS zu lernen, dann öffnen Sie auf Ihrem System den Stammordner und legen einen neuen Unterordner mit dem Namen J21Work an. Speichern Sie HelloDan.java und alle anderen Java-Quelldateien aus diesem Buch in dieses Verzeichnis. Sie werden bald verstehen, warum.

Dieser Dateiname ist sehr wichtig. Java-Quelldateien müssen mit der Erweiterung .java gesichert werden, und der Name muß demjenigen in dem Haupt-class-Statement in der Quelldatei entsprechen. Die Groß-/Kleinschreibung spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle, diese muß nämlich ebenfalls übereinstimmen.

Java-Quelldateien werden in Bytecode kompiliert. Die entstehenden Dateien tragen die Erweiterung .class. In manchen Beziehungen ist der Begriff Klasse synonym mit Programm (in den nächsten drei Tagen werden Sie mehr über Klassen lernen).

In der zweiten Zeile von Listing 1.1 wird festgelegt, daß das Java-Programm aus der Klasse HelloDan besteht, was wiederum bedeutet, daß der Dateiname HelloDan.java sein muß. Wenn Sie Ihre Quelldatei anders benennen (dazu zählt sogar hellodan.java oder Hellodan.java), werden Sie nicht in der Lage sein, das Programm zu kompilieren.

Kompilierung und Ausführung unter Windows

Jetzt sind Sie bereit, die Datei zu kompilieren. Wenn Sie ein anderes Entwicklungswerkzeug als das JDK verwenden, sollten Sie in der Dokumentation der Software nachsehen, wie die Kompilierung von Java-Programmen im Detail funktioniert. Es wird wahrscheinlich eine sehr einfache Operation sein, wie z. B. ein Klick auf eine Schaltfläche oder ein Kommando in einem Menü.

Beim JDK verwenden Sie das Kommandozeilen-Tool javac, den Java-Compiler. Der Compiler liest eine .java-Quelldatei und erzeugt ein oder mehrere .class-Dateien, die von der Java Virtual Machine ausgeführt werden können.

Windows-95-Anwender sollten die MS-DOS-Eingabeaufforderung starten (Start | Programme | MS-DOS-Eingabeaufforderung) und in den Ordner wechseln, der HelloDan.java enthält.

Wenn Sie die Datei in den neu erstellten Ordner J21Work direkt unterhalb des Stammverzeichnisses gespeichert haben, dann ist dafür das folgende MS-DOS-Kommando nötig:

cd \J21Work

cd ist die Abkürzung für »change Directory« (engl. »Wechsle das Verzeichnis«) - die Begriffe Ordner und Verzeichnis sind gleichbedeutend.

Wenn Sie sich in dem richtigen Ordner befinden, können Sie HelloDan.java kompilieren, indem Sie folgendes an der Eingabeaufforderung eingeben:

javac HelloDan.java

Wenn Sie das dir-Kommando verwenden, um unter MS-DOS alle Dateien in einem Ordner anzeigen zu lassen, werden Sie mit Sicherheit bemerken, daß die Datei zwei Namen hat - den einen, den Sie ihr gegeben haben, und eine verkürzte Version wie z. B. HELLOD~1.JAV. Diese Abkürzung rührt von der Art her, wie Windows 95 Dateinamen mit mehr als acht Zeichen als Namen und mehr als drei Zeichen für die Erweiterung verwaltet. Wenn Sie mit den JDK-Tools arbeiten, verwenden Sie bei den Kommandos immer den Dateinamen, die Sie einer Datei gegeben haben, und nicht die verkürzte Version.

Abbildung 1.6 zeigt die MS-DOS-Kommandos, mit denen in den Ordner \J21Work gewechselt, die Dateien in dem Ordner aufgelistet und die Datei HelloDan.java kompiliert werden. Auf diesen Weg können Sie sicherstellen, daß Sie die richtigen Kommandos verwenden.


Abbildung 1.6:
Java-Programme im MS-DOS-Fenster kompilieren

Der Compiler des JDK gibt keinerlei Meldung aus, wenn das Programm erfolgreich kompiliert wurde. Wenn das Programm ohne Fehler kompiliert werden konnte, dann befindet sich in dem Ordner, der auch HelloDan.java beinhaltet, eine Datei mit dem Namen HelloDan.class. Diese .class-Datei stellt den Bytecode dar, der von der Java Virtual Machine ausgeführt werden kann. Wenn Sie irgendwelche Fehlermeldungen erhalten, sollten Sie noch einmal zu der Quelldatei zurückkehren und prüfen, ob Sie wirklich alles so abgetippt haben, wie es in Listing 1.1 steht.

Sobald Sie eine .class-Datei haben, können Sie diese mit dem Bytecode-Interpreter ausführen. Die JDK-Version des Interpreters hat den Namen java und wird auch von der Eingabeaufforderung aus aufgerufen. Starten Sie HelloDan, indem Sie in den Ordner wechseln, der HelloDan.class beinhaltet, und geben Sie anschließend folgendes Kommando ein:

java HelloDan

Wenn die Meldung »Class Not Found« angezeigt wird und Sie sich in dem Ordner befinden, in dem sich auch HelloDan.class befindet, dann müssen Sie eventuell eine Einstellung in Ihrer autoexec.bat verändern (siehe Anhang D).

Abbildung 1.7 zeigt die Ausgabe, wenn das Programm erfolgreich ausgeführt werden konnte, und die Kommandos, um zu diesem Punkt zu gelangen.


Abbildung 1.7:
Eine Java-Applikation im MS-DOS-Fenster

Kompilierung und Ausführung unter Solaris

Um die Java-Quelldatei auf einem Solaris-System auszuführen, verwenden Sie den Kommandozeilen-Compiler, der mit dem JDK geliefert wird. Von der Unix-Kommandozeile aus wechseln Sie mit cd zu dem Verzeichnis, das die Quelldatei HelloDan.java beinhaltet. Wenn Sie das Verzeichnis J21Work, das den Windows-Anwendern empfohlen wurde, verwenden, dann benutzen Sie das folgende Kommando:

cd ~/J21Work

Nachdem Sie sich in dem richtigen Verzeichnis befinden, verwenden Sie das javac- Kommando zusammen mit dem Namen der Datei:

javac HelloDan.java

Solange es keine Fehler gibt, erhalten Sie eine Datei mit dem Namen HelloDan.class . Dabei handelt es sich um die Datei mit dem Java-Bytecode, der von der Virtual Machine ausgeführt werden kann. Wenn Sie irgendwelche Fehlermeldungen erhalten, dann sollten Sie noch einmal zu der Quelldatei zurückkehren und prüfen, ob Sie wirklich alles so abgetippt haben, wie es in Listing 1.1 steht.

Sobald Sie eine .class-Datei haben, können Sie diese Datei mit dem Bytecode-Interpreter ausführen.

Die JDK-Version der Java-Interpreters heißt java und wird ebenfalls von der Kommandozeile aus aufgerufen. Führen Sie HelloDan aus, indem Sie in das Verzeichnis wechseln, in dem sich die Datei HelloDan.class befindet und folgendes eingeben:

java HelloDan

Wenn Ihr Programm richtig getippt war und fehlerlos kompiliert wurde, dann sollten Sie den Ausdruck What's the frequency, Kenneth? auf dem Bildschirm angezeigt bekommen.


Wenn die Meldung »Class Not Found« angezeigt wird und Sie sich in dem Ordner befinden, in dem sich auch HelloDan.class befindet, dann müssen Sie eventuell die Einstellung verändern, wie Ihr System versucht, das JDK zu finden (siehe Anhang D).

Zusammenfassung

Nun da Sie ein Java-Entwicklungstool installiert und es bereits für Ihr erstes Java-Programm verwendet haben, dürfen Sie den Titel »Java-Programmierer« tragen.

Das ist keine Unwahrheit, nach all dem, was Sie am heutigen Tag getan haben. Sie haben nicht nur eine funktionierende Java-Applikation erstellt, sondern auch eine Tour durch die Geschichte von Java mitgemacht und die Stärken, Schwächen und die Zukunft der Sprache kennengelernt.

Java ist eine objektorientierte Programmiersprache, die viel Ähnlichkeit mit C++ besitzt. Sie wurde so entworfen, daß sie einfacher, weniger fehlerträchtig und leichter zu erlernen ist als C++. Sie ist plattformunabhängig und klein, zwei Features, die sie ideal für die Ausführung in World-Wide-Webseiten machen.

Applets sind Programme, die im Web laufen. Applikationen sind hingegen alle anderen Arten von Software, die mit Java geschrieben werden können.

Das ist eine ganze Menge zum Verdauen. Sie sollten jetzt aber die Grundlagen besitzen, um komplexere Applikationen und Ihr erstes Applet zu erstellen. Nach dem morgigen Tag werden Sie auch den Titel »Objektorientierter Programmierer« tragen dürfen.

Fragen und Antworten

Frage:
Welche Beziehung besteht zwischen JavaScript und Java?

Antwort:
Beide haben die ersten vier Buchstaben des Namens gemeinsam. Ein weitverbreitetes Mißverständnis im Web ist, daß JavaScript und Java mehr gemeinsam haben, als das wirklich der Fall ist. Java ist die vielseitige Programmiersprache, die Sie in diesem Buch lernen; Sie verwenden sie, um Applets zu erstellen. JavaScript ist eine von Netscape entwickelte Script-Sprache, die gewisse Ähnlichkeiten mit Java aufweist; mit dieser Sprache können Sie einige schmucke Sachen auf Webseiten veranstalten. Es handelt sich um völlig unabhängige Sprachen, die für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden.

Frage:
Wo kann ich mehr über Java lernen, und wo finde ich Applets und Applikationen, um ein bißchen herumzuspielen?

Antwort:
Sie können den Rest dieses Buches lesen! Im Anschluß an diesen Absatz finden Sie noch einige andere Quellen für Informationen zu Java und Java-Applets:



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Ein Imprint des Markt&Technik Buch- und Software-Verlag GmbH.
Elektronische Fassung des Titels: Java 2 in 21 Tagen, ISBN: 3-8272-5578-3