Galileo Computing < openbook > Galileo Computing - Professionelle Bücher. Auch für Einsteiger.
Professionelle Bücher. Auch für Einsteiger.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Leitfaden
1 Die Wurzeln von Ubuntu
2 Was ist Ubuntu?
3 Die Versionen im Detail
4 Die Möglichkeiten der beiliegenden DVDs
5 Daten aus Windows sichern
6 Die Installation
7 Erste Schritte
8 Kubuntu und Xubuntu
9 Ubuntu mobil
10 Programme und Pakete installieren
11 Internet und E-Mail
12 Office
13 Grafik und Bildbearbeitung
14 Multimedia
15 Das Terminal
16 Programmierung und Design
17 Einrichtung der grundlegenden Hardware
18 Software- und Paketverwaltung
19 Architektur
20 Backup und Sicherheit
21 Desktop-Virtualisierung
22 Server-Installation
23 Sicherheit und Monitoring
24 Netzwerke
25 Server im Heim- und Firmennetzwerk
26 Der Server im Internet
27 Server-Virtualisierung mit KVM
28 Server-Virtualisierung mit Xen
29 Hilfe
30 Befehlsreferenz
Mark Shuttleworth
Glossar
Stichwort

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Ubuntu GNU/Linux von Marcus Fischer
Das umfassende Handbuch, aktuell zu Ubuntu 10.04 LTS "Lucid Lynx"
Buch: Ubuntu GNU/Linux

Ubuntu GNU/Linux
5., aktualisierte und erweiterte Auflage, gebunden, mit 2 DVDs
1.104 S., 39,90 Euro
Galileo Computing
ISBN 978-3-8362-1654-8
Pfeil 17 Einrichtung der grundlegenden Hardware
Pfeil 17.1 Treiber
Pfeil 17.2 Einrichtung der Internetverbindung
Pfeil 17.2.1 DSL
Pfeil 17.2.2 Modem
Pfeil 17.2.3 WLAN
Pfeil 17.2.4 UMTS
Pfeil 17.3 Grafikkarten einrichten
Pfeil 17.3.1 3dfx und Matrox
Pfeil 17.3.2 Intel
Pfeil 17.3.3 NVIDIA
Pfeil 17.3.4 ATI
Pfeil 17.3.5 Desktop-Effekte
Pfeil 17.4 Das Sound-System einrichten
Pfeil 17.4.1 Phonon für KDE
Pfeil 17.4.2 ALSA und PulseAudio – das Soundsystem
Pfeil 17.5 Digital-TV unter Ubuntu (DVB)
Pfeil 17.5.1 Die TV-Karte einrichten
Pfeil 17.5.2 Die Senderliste erstellen
Pfeil 17.5.3 Analoge TV-Karten nutzen
Pfeil 17.6 Drucker einrichten
Pfeil 17.6.1 Welcher Drucker ist geeignet?
Pfeil 17.6.2 Druckerkonfiguration unter GNOME
Pfeil 17.6.3 Druckerkonfiguration unter KDE
Pfeil 17.6.4 Netzwerk- und Wireless-Drucker
Pfeil 17.7 Scannen
Pfeil 17.8 Bluetooth-Verbindungen


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17.3 Grafikkarten einrichten Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

Grafikkarten steuern in Ihrem Computer die Bildschirmanzeige. Sie sind entweder als Erweiterungskarten oder als Chipsatz auf der Hauptplatine (Mainboard) des Computers vorhanden. Auch wenn Sie bei Ubuntu sofort nach der Installation eine grafische Oberfläche zur Verfügung haben, so kann es doch sein, dass Sie mit der Bildschirmanzeige nicht zufrieden sind. Mehrere Situationen können dazu Anlass geben:

  • Sie möchten gerne eine Auflösung von 1600 x 1200 Pixel haben, Ubuntu lässt aber nur 1280 x 1024 als Maximum zu?
  • Sie haben störende Artefakte auf Ihrem Desktop?
  • Sie können keine 3D-Spiele spielen, weil die Darstellung nur ruckelt?

Für einige dieser Probleme gibt es leider nur eine Lösung: Sie brauchen proprietäre Grafikkartentreiber. Ich werde im Folgenden beschreiben, wie Sie diese Treiber installieren.

Welche Grafikkarte besitzen Sie?

Es gibt viele verschiedene Hersteller von Grafikkarten, und fast jeder von ihnen hat eigene Treiber. Wenn Sie nicht genau wissen, welche Grafikkarte in Ihrem Computer verbaut ist, so können Sie dies mit dem Befehl lspci | grep VGA im Terminal herausfinden. Sie erhalten dann eine Meldung ähnlich der folgenden:

00:02.0 VGA compatible controller: Intel
Corporation 82915G/GV/910GL Express
Chipset Family Graphics Controller (rev 04)

Fähigkeiten der Grafikkarte testen

Um sich einen Eindruck von der aktuellen Leistungsfähigkeit Ihres Grafiksystems zu verschaffen, können Sie die im Paket mesa-utils enthaltenen Werkzeuge nutzen. Starten Sie am besten einmal das Tool glxgears aus einem Konsolenfenster heraus. Es erscheinen rotierende Zahnräder, die ausgiebig Gebrauch von der 3D-Hardware-Beschleunigung machen. Durch Aufruf aus dem Terminal heraus lässt sich diese Applikation auch als Grafikkarten-Benchmark missbrauchen: glxgears. Dadurch werden die aktuellen FPS-(Frames per Second-)Werte im Terminal ausgegeben (siehe Abbildung 17.12). Eine Aktivierung der 3D-Treiber kann teilweise zu zehnfach höheren FPS-Werten führen.

Das Vorhandensein der 3D-Beschleunigung können Sie mit dem Befehl

glxinfo | grep rendering

überprüfen. Wenn eine Antwort wie direct rendering: Yes erscheint, dann haben Sie bereits die 3D-Beschleunigung aktiviert.


Abbildung 17.12 »glxgears« als Grafik-Benchmark-Test


Tastenkombination zum Neustart des X-Servers reaktivieren

Seit Ubuntu 9.04 ist die Tastenkombination Taste Strg + Taste Alt + Taste Backspace standardmäßig deaktiviert. Dies ist die Voreinstellung des neuen X-Servers und nicht bei allen Anwendern beliebt. Sie können bei Nichtgefallen sehr schnell den alten Zustand wiederherstellen. Als GNOME-Nutzer finden Sie unter System · Einstellungen · Tastatur den Reiter Belegungen. Dort klicken Sie auf den Button Optionen und aktivieren im folgenden Dialogfenster die Option Tastenkombination zum erzwungenen Beenden des X-Servers.

KDE bietet ebenfalls eine Option zur Wiederherstellung der gewohnten Tastenkombination. Dazu aktivieren Sie einfach die Option Tastenkombination zum erzwungenen Beenden des X-Servers unter Systemeinstellungen · Land/Region & Sprache · Tastaturlayout · Erweitert.



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17.3.1 3dfx und Matrox Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

Die 3dfx-Grafikkarten werden von Xorg bei der Installation erkannt und funktionieren normalerweise »out of the box«. Aber auch hier bringt die Aktivierung der 3D-Unterstützung einen merklichen Qualitätszuwachs. Für die Karten mit den Bezeichnungen »Banshee«, »Voodoo Graphics« und »Voodoo 2« wird die Bibliothek libglide2 benötigt, für die »Voodoo 3, 4 und 5« die libglide3.

Fehlende Bibliotheken installieren

Installieren Sie hierzu in einem Terminal die nötigen Bibliotheken libglide2 oder libglide3. Für Grafikkarten des Herstellers Matrox ist ein entsprechender Treiber bereits in Ubuntu implementiert. Trotz allem ist auch hier eine Leistungssteigerung möglich, wenn Sie inoffizielle Treiber benutzen. Für weitere Informationen empfehle ich Ihnen folgende Seiten:

Im genannten Wiki erhalten Sie auch eine Installationsanleitung für diese Treiber.

Höheres Risiko

Bei der Verwendung von inoffiziellen Treibern kann (muss aber nicht) ein höheres Risiko für den Ausfall der grafischen Oberfläche entstehen. Ubuntu besitzt aber für diesen Fall eine »Sicherungsleine«, die dann eine Minimalkonfiguration des X-Servers startet. So kann die Installation des richtigen Treibers unter einer grafischen Oberfläche erfolgen.


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17.3.2 Intel Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

Wenn Sie in Ihrem Computer einen Grafikchip von Intel haben, dann gehören Sie zu der glücklichen Sorte von Benutzern, für die es einen freien 3D-beschleunigten Treiber gibt. Intel hat seinen Treiber offengelegt, und somit ist die Entwicklung eines freien Treibers möglich. Der 3D-Treiber wird normalerweise automatisch während der Installation des Systems installiert, und somit stehen Ihnen sofort nach dem Start beispielsweise die Desktop-Effekte zur Verfügung.

Widescreen

Leider hat dieser Treiber, zumindest in älteren Versionen einen, kleinen Makel. Er kennt nur eine begrenzte Zahl von Auflösungen, darunter vor allem 4:3-Auflösungen. Heutige Notebooks haben aber häufig eine Widescreen-Auflösung. Um diese Widescreen-Auflösungen korrekt einrichten zu können, brauchen Sie ein zusätzliches Paket aus den Ubuntu-Quellen (Universe). Installieren Sie bitte dieses Paket:

sudo apt-get install 915resolution

Das Paket 915resolution ist ein Werkzeug, um das Video-BIOS der Serie 800 und 900 zu modifizieren. Dies gilt sowohl für die Chipsätze 845G, 855G und 865G als auch für 915G, 915GM und 945G.


Der Grafikkartentreiber von Intel unterlag in den letzten Jahren einer sehr starken Entwicklung und wurde komplett erneuert. Aktuelle Treiber, wie sie beispielsweise in Ubuntu 9.10 enthalten sind, sollten inzwischen keine Probleme mehr bei der Erkennung von Widescreen-Bildschirmen haben. Aus diesem Grund ist das hier vorgestellte Paket 915resolution in allen aktuellen Ubuntu-Versionen nicht mehr enthalten. Die Entwicklung dieses Pakets scheint inzwischen eingestellt worden zu sein (http://www.geocities.com/stomljen/).


Durch den Aufruf von sudo 915resolution -l im Terminal werden alle zur Verfügung stehenden Videomodi angezeigt. Sie brauchen sich jetzt nur noch den gewünschten Modus auszusuchen, also z. B. »3c«. Mit dem Befehl

sudo 915resolution 3c 1400 1050

wird der benötigte Eintrag im BIOS erzeugt. Durch einen erneuten Aufruf von

sudo 915resolution -l

können Sie das leicht überprüfen.

Melden Sie sich ab und wieder an, um den X-Server neu zu starten. Wenn die Modifikation des BIOS-Eintrags funktioniert hat, dann müsste nun die volle Auflösung von 1400 x 1050 Bildpunkten verwendet werden. Falls Sie durch die oben beschriebene Modifikation kein vernünftiges Bild erhalten, sollten Sie sich mit Taste Strg + Taste Alt + Taste F1 in einer Konsole anmelden und dort mit sudo reboot einen Neustart durchführen.

Wenn alles funktioniert hat und die volle Auflösung von 1400 x 1050 Bildpunkten genutzt wird, muss nur noch die Modifikation des BIOS-Eintrags automatisch durchgeführt werden. Dafür ist ein Eintrag in einer Datei nötig, die nicht bei jedem PC-Start, aber vor dem Start des X-Servers ausgeführt wird.

Diese Änderung am Video-BIOS ist nicht permanent, d. h., nach jedem Neustart ist diese Änderung wieder verloren. Um diesen unbefriedigenden Zustand zu ändern, müssen Sie ein kleines Startskript erstellen. Dazu öffnen Sie einen Editor (z. B. gedit) mit Root-Rechten:

sudo gedit

und fügen folgenden Text ein:

#!/bin/bash
915resolution 3c 1400 1050

Diese Datei speichern Sie nun im Verzeichnis /etc/init.d/ unter einem beliebigen Namen, z. B. resolutionfix.sh.

An dieser Stelle können Sie auch ein »Bonbon« der Konsolenarbeit erlernen, das Ihnen die Arbeit erheblich vereinfachen kann. Sie brauchen im Terminal nicht durch unzählige Ordner zu »browsen«, um ein Verzeichnis oder eine Datei zu erstellen. Sie können diese Datei auch bequem direkt im gewünschten Verzeichnis erstellen, egal wo Sie sich gerade befinden. Dazu geben Sie einfach den Pfad dieser Datei, also den Ort, an dem sie erstellt werden soll, mit

sudo gedit /etc/init.d/resolutionfix.sh

in einer Konsole ein. Damit die eben erstellte Skriptdatei auch ausführbar ist, muss sie nun mit chmod verändert werden:

sudo chmod +rx resolutionfix.sh

Sie können das Skript mit folgender Eingabe testen:

sudo ./resolutionfix.sh

Das Skript sollte dann 915resolution aufrufen und dessen Ausgabe anzeigen. Zuletzt müssen Sie das Skript noch in die Startsequenz von Ubuntu einbinden. Dies erreichen Sie durch die Eingabe von:

sudo update-rc.d resolutionfix.sh defaults

Nun sollte bei jedem Start automatisch die volle Bildschirmauflösung verwendet werden. Ist dies nicht der Fall, können Sie versuchen, im Anmeldungsbildschirm den X-Server mit der Tastenkombination Taste Alt + Taste Druck + Taste K neu zu starten.

Ubuntu 10.04 und Intel

In Ubuntu 10.04 gibt es leider zurzeit ein Problem, das im Zusammenhang mit Chipsätzen der Reihe 8xx zu gravierenden Stabilitätsproblemen führt, sodass die Ubuntu-Entwickler das Kernelmode-Setting im Kernel deaktiviert haben. Allerdings führt das bei einigen Intel-Grafikchips dazu, dass man im UMS-Modus (dem Standardmodus der Live-CD) nur einen schwarzen Bildschirm sieht. Die Lösung ist, den KMS-Modus vor Beginn der Installation einzustellen. Drücken Sie nach dem Start der Installations-CD die Taste Shift-Taste. Daraufhin erscheint das Bootmenü von dem aus Sie durch Drücken der Taste F7-Taste auf eine Kommandozeile gelangen. Diese erlaubt das Setzen verschiedener Kerneloptionen. Tippen Sie einfach

i915.modeset=1

und drücken Sie anschließend die Taste Enter-Taste. Sie haben nun im Live-Modus ein Bild und können testen, ob Sie die Einstellungen nach der Installation übernehmen sollen. Bei den meisten Nutzern funktioniert auch die Installation per Alternate-CD.

Änderungen dauerhaft übernehmen

Um diese Änderungen dauerhaft zu übernehmen, müssen Sie Ihr System im Wiederherstellungsmodus (im GRUB-Menü einzustellen; falls dieses nicht angezeigt wird, halten Sie beim Startvorgang die Taste Shift-Taste gedrückt) starten. Wählen Sie danach den Menüpunkt root – Zur rootBefehlszeile (Shell) wechseln aus. Per

sudo nano /etc/default/grub

gelangen Sie in einen Konsoleneditor, mit dem Sie die schon zur Installation verwendete Option

i915.modeset=1

in die Zeile

"GRUB_CMDLINE_LINUX"

einfügen müssen. Damit GRUB diese Änderungen übernimmt, muss anschließend der Befehl sudo update-grub ausgeführt werden.


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17.3.3 NVIDIA Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

Besitzer einer Grafikkarte mit NVIDIA-Chip haben prinzipiell zwei Möglichkeiten, um die 3D-Beschleunigung ihrer Karte auszureizen: Entweder Sie nutzen die Ubuntu-Pakete für diesen Zweck, oder Sie kompilieren Ihren eigenen Treiber.

In 99 % aller Fälle erkennt Ubuntu Ihre Grafikkarte automatisch und installiert den passenden proprietären Treiber auf Wunsch. Hier hilft ein Blick in die Liste der eingeschränkten Treiber unter System · Systemverwaltung · Hardware-Treiber. Hier sehen Sie eine Auflistung aller verfügbaren proprietären Treiber für Ihre Hardware. Neben eventuell anderen Treibern ist hier auch eine Auflistung passender NVIDIA-Grafikkartentreiber enthalten, wobei hinter den von Ubuntu empfohlenen Versionen in Klammern ein Empfohlen steht (siehe Abbildung 17.13).

Wenn Sie den entsprechenden Treiber markieren, erhalten Sie am unteren Ende des Fensters eine Information, ob der Treiber installiert ist, und sehen gegebenenfalls den Button Aktivieren. Nach einem Klick auf diesen Button wird der Treiber heruntergeladen und installiert.

In einzelnen Fällen kann der empfohlene Treiber dennoch zu Darstellungsfehlern führen. In einem solchen Fall sollten Sie den aktiven Treiber deaktivieren und stattdessen einen anderen Treiber (mit einer geringeren Versionsnummer) auswählen. Im Übrigen finden Sie über Synaptic auch noch ältere Treiber, wenn Sie nach nvidia-glx suchen.

Treiber selbst kompilieren

Sie können selbstverständlich auch den Treiber von der NVIDIA-Homepage selbst herunterladen und kompilieren. Dies kann unter Umständen sinnvoll sein, wenn keiner der von Ubuntu mitgelieferten Treiber funktioniert.

Abbildung 17.13 Verwaltung proprietärer Hardware-Treiber

Gehen Sie wie folgt vor:

1. Zunächst sollten Sie (sofern es installiert ist) das Paket nvidia-glx vollständig vom Rechner entfernen. Dazu gehört auch das Entfernen eines eventuell übrig gebliebenen Skripts mit folgendem Befehl:
sudo rm /etc/init.d/nvidia-glx
2. Laden Sie sich von www.nvidia.com über das Menü Download Drivers, Sektion Linux, FreeBSD and Solaris den zu Ihrer Rechnerarchitektur (Intel 32 Bit, Intel 64 Bit, AMD 64 Bit) passenden Treiber herunter. Das Paket heißt <Version>-pkg1.run.
3. Das Paket benötigt zur Installation folgende Ubuntu-Pakete:
  • build-essential: Hierbei handelt es sich um den C-System-Compiler und einige Pakete zum Selbstkompilieren.
  • linux-headers-generic: Das sind die Kernel-Header-Dateien, die zur Kompilierung der Grafiktreiber benötigt werden.
4. Wechseln Sie mit Taste Strg + Taste Alt + Taste F1 in eine Textkonsole, und beenden Sie zunächst den Login-Manager gdm bzw. kdm:
sudo /etc/init.d/gdm stop
5. Wechseln Sie in das Verzeichnis der Installationsdatei, und starten Sie mit sudo sh <Version>-pkg1.run die NVIDIA-Installationsroutine.
6. Der Verlauf der Installationsroutine ist selbsterklärend. Das Programm erstellt nun die zu Ihrem Kernel passenden Module. Dazu werden, wie oben schon erwähnt, die Kernel-Header benötigt.
7. Nach Fertigstellung können Sie den Desktop-Manager wieder starten:
sudo /etc/init.d/gdm start

Wenn bei Ihnen nach der manuellen Installation des NVIDIA-Treibers das WLAN oder die ISDN-Verbindung nicht mehr funktioniert, ist die Deinstallation der linux-restricted-modules dafür verantwortlich. In diesem Paket ist nämlich nicht nur der Treiber nvidia-glx enthalten, sondern es sind auch die avm-Treiber für viele Fritz-ISDN-Modems sowie madwifi für viele WLAN-Chipsätze vorhanden. Mit einem kleinen Trick können Sie dieses Paket trotz des zu installierenden NVIDIA-Treibers behalten. Hierzu fügen Sie lediglich folgende Zeile in der Datei /etc/default/linux-restricted-modules-common ein:

Bei Laptops entstehen manchmal Schwierigkeiten, wenn diese über ungewöhnliche DisplayAbmessungen verfügen. Ein Beispiel wäre ein Breitbild-Laptop mit einer nativen Auflösung von 1440 x 900 Pixeln. Hier können Sie entweder im Internet nachforschen, ob jemand für die entsprechende Auflösung bereits einen Modeline-Eintrag für die Xorg-Konfigurationsdatei generiert hat, oder Sie erzeugen diesen rasch selbst mithilfe von Internetseiten wie beispielsweisextiming.sourceforge.net.

Ein typischer Konfigurationseintrag für ein Breitbild-Display der oben genannten Dimension könnte wie folgt aussehen:

Section "Monitor"
Identifier   "Monitor0"
Option  "DPMS"   "true"
HorizSync    30.0 – 64.0
VertRefresh  50.0 – 100.0
# in eine Zeile schreiben:
ModeLine  "1440x900" 97.54 1440 1472 1840
    1872 900 919 927 946
EndSection
...
Section "Screen"
SubSection "Display"
Depth     24
Modes "1440x900" "1024x768" "800x600" "640x480"
EndSubSection
EndSection

Bitte beachten Sie, dass dieser Eintrag ausschließlich für ein bestimmtes Display (im vorliegenden Fall mit der Auflösung 1440 x 900) gültig ist.

Testen Sie außerdem, ob sich das Grafiksystem nun via Taste Strg + Taste Alt + Taste F1 »flimmerfrei« in den Konsolenmodus schalten lässt. Damit hätten Sie die wesentlichen Komponenten Ihres Laptops konfiguriert. Zum Einbinden der restlichen Peripherie (Ethernet, WLAN, Modem etc.) verfahren Sie so, wie in den entsprechenden Abschnitten dieses Buchs beschrieben.


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17.3.4 ATI Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

Bei der Installation der passenden 3D-Treiber entspricht die Vorgehensweise der eben beschriebenen. In 99 % aller Fälle erkennt Ubuntu Ihre Grafikkarte automatisch und installiert den passenden proprietären Treiber, wenn Sie dies wünschen. Hier hilft ein Blick in System · Systemverwaltung · Hardware Treiber. Achtung: der fglrx-Treiber wird dort nicht mehr vorgeschlagen! Wenn diese Art der Installation zu unbefriedigenden Ergebnissen führt oder Sie eine ältere Ubuntu-Version verwenden, kann das manuelle Einrichten (das im Folgenden beschrieben wird) Erfolg versprechend sein.

Karten vom Typ Radeon

Für die älteren Radeon-Karten genügt ein einziger Eingriff in die Datei xorg.conf, um das System 3D-tauglich zu machen. Bitte stellen Sie zuvor sicher, dass der neuere FireGLX-Treiber aus dem System entfernt wird:

sudo apt-get remove --purge xorg-driver-fglrx

Nun ändern Sie in der xorg.conf folgende Zeile:

Section "Device"
#    Driver "ati" wurde geändert in
Driver "radeon"

Starten Sie nun den X-Server neu oder melden Sie sich ab und wieder an.


ATI-Grafikkarten beschleunigen

Bei Ubuntu 9.04 fand bei dem Open-Source-ATI-Treiber ein Wechsel von XAA auf EXA statt. Bei einigen wenigen Computern kann dies zu Problemen führen. Falls Probleme auftreten, fügen Sie in der Datei /etc/X11/xorg.conf in dem Abschnitt Device den Eintrag

Option    "AccelMethod"      "XAA"

hinzu. Im Falle der Radeon-Treiber führen folgende Optionen in der Device-Sektion zu einer merklichen Beschleunigung der Grafikleistung:

Option    "EnablePageFlip"   "true"
Option    "DynamicClocks"    "true"

Mit dem letzten Befehl wird die dynamische Chip-Taktung des Radeon-Chips aktiviert, was insbesondere bei Laptops eine deutliche Steigerung der Akkulaufzeit bringt.

Außerdem kommt es bei einigen ATI-Grafikkarten und der Verwendung des von Ubuntu bereitgestellten Radeon-Treibers beim Ansehen von Flash-Videos zu einer sehr hohen CPU-Last, die das ganze System ausbremst. Abhilfe schafft das Einfügen folgender Zeilen im Device-Abschnitt der xorg.conf:

Section "Device"
 Identifier "Configured Video Device"
 Option          "AccelMethod" "XAA"

Karten vom Typ FireGL

sudo apt-get install xorg-driver-fglrx

Nun müssen Sie noch das zu ladende Modul in die Datei /etc/modules eintragen:

# Letzte Zeile in /etc/modules:
fglrx

Zusätzlich ist die Datei xorg.conf zu editieren:

Section "Device"
#    Driver "ati" wurde geändert in
     Driver "fglrx"

Nehmen Sie zusätzlich folgende Optionen in die Sektion Device auf:

Option "backingstore" "true"
Option "UseInternalAGPGART" "no"

Abschließend müssen Sie den X-Server neu starten, nun aber am besten per Reboot, da eine Änderung in der Datei /etc/modules vorgenommen wurde.

Manuelle Installation von ATI-Treibern

Es steht Ihnen natürlich frei, bei Problemen die Original-ATI-Treiber nach dem Download von der ATI-Website zu installieren. Entfernen Sie zuvor die folgenden Ubuntu-Pakete aus dem System:

  • xorg-driver-fglrx
  • %fglrx-control

Ersetzen Sie in der Datei /etc/X11/xorg.conf in der Device-Sektion den »Driver« fglrx durch ati, da das System sonst nicht mehr mit einer grafischen Oberfläche starten kann.

Stellen Sie sicher, dass die Pakete build-essential, fakeroot, module-assistant, dh-make und debconf installiert sind. Nun können die Sie heruntergeladenen Treiber folgendermaßen kompilieren:

sudo sh ./ati-driver-installer-<Version>.run --buildpkg Ubuntu/dapper

Den Befehl müssen Sie mithilfe des Parameters buildpkg an das jeweilige Release anpassen. Die erstellten Pakete müssen manuell installiert werden (bei älteren Treiberversionen liegen diese im Vezeichnis /tmp, bei der aktuellen Version im Quellverzeichnis):

sudo dpkg -i fglrx-kernel-source_<Version>.deb
sudo dpkg -i xorg-driver-fglrx_<Version>.deb
sudo dpkg -i fglrx-control_<Version>.deb

Nun müssen die Kernel-Module eingebunden werden. Dies geschieht mittels:

sudo module-assistant prepare
sudo module-assistant update
sudo module-assistant a-i fglrx

Anschließend teilen Sie dem Module-Loader mit, dass es neue Module gibt:

sudo depmod -a

Schließlich müssen Sie die Datei /etc/X11/xorg.conf mit Root-Rechten in einem Editor öffnen und den Treiber in der Device-Sektion in fglrx ändern.

Alternativ können Sie hierfür auch das ATI-Config-Tool verwenden:

user$ sudo aticonfig --initial

Nach einem Neustart des X-Servers stehen Ihnen die neu installierten Treiber zur Verfügung.


Schnelles Wechseln der Auflösung

Unter dem X-Window-System ist es stets möglich, mit mehreren Auflösungen parallel zu arbeiten und zwischen diesen per Hotkey-Kombination umzuschalten. Die möglichen Auflösungen definieren Sie in der Datei xorg.conf/ in der Sektion Screen.

Ein Beispiel:

Section "Screen"
DefaultColorDepth 16
     ...
     Depth     16
     Modes "1024x768" "800x600" "640x480"
     ...
     EndSubSection

In diesem Fall wurde die Default-Farbtiefe auf 16 Bit gesetzt; die für diese Farbtiefe verfügbaren Auflösungen umfassen 1024 x 768, 800 x 600 und 640 x 480 Pixel. Ubuntu-Nutzer verwenden bequemer das GNOME-Applet zur Einstellung der Auflösung über das Menü System · Einstellungen · Bildschirmauflösung, und Kubuntu-Nutzer wählen den Weg über K-Menü · Systemeinstellungen · Anzeige.

Sie können im laufenden Betrieb zwischen verschiedenen Bildschirmauflösungen mit der Tastaturkombination Taste Strg + Taste Alt + Taste Plus bzw. Taste Strg + Taste Alt + Taste Minus wechseln.



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17.3.5 Desktop-Effekte topZur vorigen Überschrift

Die Meinungen über dreidimensionale Desktops sind weit gefächert, aber im Großen und Ganzen ist man sich einig, dass der Benutzer von einem dreidimensionalen Desktop profitieren kann, weil die Darstellung von Fenstern und Programmen wesentlich natürlicher erfolgen kann. Ich sage hier bewusst »kann«, weil die Implementierung dieser Technik selbstverständlich auch völlig sinnlose (aber zugegebenermaßen hübsche) Funktionen mit sich bringt.

Der Nutzen von transparenten und wabernden Fenstern, Regentropfen auf dem Desktop oder einer Darstellung der Arbeitsflächen auf der Oberfläche eines Würfels (siehe Abbildung 17.15) erschließt sich einem nicht sofort, wohingegen die räumliche Darstellung von Fenstern mit den dazugehörigen Schatteneffekten nicht nur hübsch aussieht, sondern die Realität auch ein wenig besser abbildet. Wir sind räumlich sehende Wesen, alles Zweidimensionale wirkt fremd und unnatürlich auf uns. Bei Computern haben wir uns zwar an diese zweidimensionale Darstellung gewöhnt, aber nicht zuletzt aufgrund dieses Mangels versuchen viele von uns, ihrem Desktop durch aufwendige Hintergrundbilder eine räumliche Tiefe zu verleihen.

Abbildung 17.14 Einige Funktionen des 3D-Desktops können durchaus nützlich sein – hier verhilft die Funktion »Scale« dem Nutzer über die Tastenkombination Super + W zu mehr Überblick auf dem vollen Bildschirm.

Die Entwicklung der dritten Dimension

Schon lange vor Microsoft haben sich Linux-Entwickler in den Jahren 1993 und 1994 mit 3D-Darstellungen beschäftigt. Es sollten allerdings noch fast drei Jahre vergehen, bevor die ersten Demonstrationen für Begeisterung sorgten. So zeigte Novell 1996 die ersten Demo-Videos und stellte compiz vor, einen ersten Fenstermanager oder, genauer gesagt, Composite-Manager, der dreidimensionale Effekte auf den Desktop zaubern konnte. In all den Jahren zuvor hatte der Fenstermanager nichts mit 3D-beschleunigter Hardware zu tun. Die Möglichkeiten moderner Grafikkarten wurden ausschließlich von 3D-Software und Spielen benötigt. Nun schien die Zeit reif zu sein, auch die für das Gestalten des Desktops zuständigen Fenstermanager mit einer hardware-beschleunigten 3D-Grafik auszustatten.

Unter den Anwendern war die Nachfrage nach einem 3D-Desktop riesig. Wie sonst ist es zu erklären, dass zahlreiche Distributionen bereits 2006 mit zuschaltbaren hardware-beschleunigten Effekten erschienen, obwohl die Entwickler wussten, dass die Stabilität noch zu wünschen übrig ließ? Das Team um Ubuntu wollte ebenfalls auf diesen Zug aufspringen und begann bereits kurz nach dem vollendeten ersten Entwicklungszyklus und dem Erscheinen der ersten LTS-Version »Dapper Drake« mit der Implementierung dieser Technik. In den Versionen »Edgy Eft« (Oktober 2006) und »Feisty Fawn« (April 2007) war die Implementierung noch fehlerbehaftet, aber zumindest bei der letztgenannten Version waren schon deutliche Fortschritte erkennbar. So gab es hier erstmals einen Menüpunkt Desktop-Effekte, zu finden unter System · Einstellungen · Desktop-Effekte.

Inzwischen gehört der 3D-Desktop zum Standard bei Ubuntu und wird seit der Version 7.10 »Gutsy Gibbon« automatisch aktiviert, wenn die 3D-Treiber installiert sind.

Abbildung 17.15 Die Effekte sind zahlreich, der Nutzen hingegen begrenzt. Dies gilt auch für den Würfel, auf dessen Oberfläche die Arbeitsflächen projiziert sind.

Technischer Aufbau

Für die Darstellung von hardware-beschleunigten 3D-Desktops und die Erzeugung sämtlicher Effekte müssen drei Komponenten aufeinander abgestimmt sein:

  • der Grafiktreiber
  • ein geeigneter X-Server
  • der Composite-Manager mit Fenstermanager

Alternatives Panel ähnlich OS X

Ein besonders schönes Panel ist der Avant-Window-Navigator, den Sie über die distributionseigenen Software-Kanäle installieren können. Nach der Installation finden Sie das Programm im GNOME-Menü unter Anwendungen · Zubehör · Avant Window Navigator. Im erscheinenden Panel haben Sie auf der linken Seite eine Verknüpfung zu den Einstellungen. Standardmäßig überdeckt das neue Panel das alte GNOME-Panel, sodass Sie Letzteres entfernen sollten. Dies geschieht, indem Sie an einer freien Stelle mit der rechten Maustaste den Punkt Dieses Panel löschen anklicken.

Wenn Sie später wieder den alten Zustand herstellen möchten, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine freie Stelle des oberen Panels und wählen Panel anlegen. Sofern sich die Leiste nicht automatisch am unteren Bildschirmrand ansiedelt, können Sie diese auch mit gedrückt gehaltener Maustaste an den richtigen Ort ziehen.

Nun geht es daran, die untere Leiste einzurichten. Die Eigenschaften (Ausrichtung, Größe, Hintergrund usw.) konfigurieren Sie über den gleichnamigen Menüpunkt des Kontextmenüs. Der Arbeitsflächenumschalter, der Button Desktop anzeigen, der Mülleimer und viele andere Applets verstecken sich hinter dem Punkt Zum Panel hinzufügen, den Sie ebenfalls über die rechte Maustaste erreichen. Um die Applets auf dem Panel nach Ihrem Geschmack auszurichten, fassen Sie die Symbole jeweils mit der mittleren Maustaste an und ziehen sie an die gewünschte Stelle.

Die Installation hat einen kleinen Schönheitsfehler: Nach jedem Neustart Ihres Rechners müssen Sie das Panel manuell starten. Dies können Sie aber leicht ändern, indem Sie das Panel zu den Startprogrammen hinzufügen. Dies erledigen Sie, indem Sie unter System · Einstellungen · Startprogramme ein neues Startprogramm definieren. Klicken Sie dort auf Hinzufügen, und tragen Sie in der Zeile Befehl avantwindow-navigator ein.


Abbildung 17.16 Der »Avant-Window-Navigator« ist an Flexibilität kaum zu überbieten.

Als erste Komponente brauchen Sie selbstverständlich eine Grafikkarte. Hierbei sollten alle neueren Karten keinerlei Probleme bereiten. Nehmen Sie allerdings davon Abstand, einer Karte, die älter als drei bis vier Jahre ist, diesen hardware-beschleunigten Desktop zuzumuten. Die Grafikkarte muss eine ausreichende 3D-Beschleunigung bieten; damit kommen wir um den Einsatz von proprietären Grafikkartentreibern nicht herum. Ubuntu hat die Installation dieser Treiber sehr vereinfacht. In diesem Zusammenhang wurde der Restricted Manager eingeführt, der Ihnen als Benutzer die Verwaltung der eingeschränkten Treiber erleichtern soll. Sie finden den Restricted Manager unter System · Systemverwaltung · Hardware-Treiber.

Manchmal werden diese eingeschränkten Treiber aber benötigt, um in den Genuss der neuen dreidimensionalen Effekte zu gelangen. Wenn Sie Besitzer einer Grafikkarte von NVIDIA oder ATI sind, dann sind Sie auf jeden Fall auf diese Treiber angewiesen. Als Besitzer eines Intel-Grafik-Chipsatzes kommen Sie wunderbar mit dem freien Treiber zurecht.

Der X-Server

Über der Schicht der Grafiktreiber befindet sich der X-Server. Der standardmäßig in Ubuntu enthaltene X-Server ist, wie bei den meisten anderen Distributionen, Xorg. Die schnelle Verbreitung von 3D-Desktops ist nicht zuletzt der zügigen und zuverlässigen Entwicklung von Xorg zu verdanken, die viel zum Gelingen der Desktop-Effekte beiträgt. Xorg hat seit der Version 7.1 viele für den 3D-Desktop nötige Funktionen integriert, so z. B. den Befehlssatz von AIGLX (Accelerated Indirect GLX) und insbesondere die dringend benötigte Funktion GLX_EXT_texture_from_pixmap. AIGLX ist eine vom Fedora-Projekt angestoßene Erweiterung des X-Servers, der dadurch Schritt für Schritt um 3D-beschleunigte Funktionen erweitert werden soll.

Falls Sie die 3D-Effekte auf dem Desktop nutzen möchten, sind allerdings Grafiktreiber erforderlich, die auf diese Funktion des X-Servers zugreifen können und die Funktion GLX_EXT_texture_from_pixmap implementiert haben. Dies ist z. B. bei den neueren Treibern von NVIDIA der Fall. Um zu sehen, ob der Treiber diese Erweiterung zur Verfügung stellt, hilft die Ausgabe von:

glxinfo | grep GLX_EXT_texture_from_pixmap

Die eigentlichen Effekte wie Transparenz und Dreidimensionalität werden durch Anwendungen erzeugt, die auf den X-Server zurückgreifen und damit die oberste Schicht darstellen.

Diese Anwendungen sind:

  • der Composite-Manager, der für sämtliche Effekte verantwortlich ist, und
  • der Fenstermanager, der die Fensterverwaltung und das Zeichnen der Fensterrahmen organisiert.

Compiz

Das Mittel der Wahl für diese letzte Schicht des Aufbaus ist compiz. Compiz ist ein Composite-Manager, der den durch OpenGL beschleunigten X-Server XGL oder die OpenGL-beschleunigte X-Erweiterung AIGLX verwenden kann und damit für die dreidimensionalen Effekte verantwortlich zeichnet. Im Gegensatz zu anderen Composite-Managern ist compiz nicht nur ein solcher, sondern gleichzeitig auch ein Window-Manager, d. h., er kümmert sich auch um das Zeichnen von Fensterrahmen, Titelleisten, Minimier- und Maximierschaltflächen etc.


Noch mehr Desktop-Effekte

Wenn Ihnen die normalen Desktop-Effekte zu bieder sind und die wackelnden Fenster Sie zu einem müden Gähnen verleiten, dann werden Sie die erweiterten Einstellungsmöglichkeiten des Pakets compizconfig-settings-manager lieben:

sudo apt-get install compizconfig-settings-manager

Sie erreichen die Einstellungsmöglichkeiten über System · Einstellungen · CompizConfig Einstellungs-Manager. Im Übrigen gibt es auch eine vereinfachte Version dieses Verwaltungswerkzeugs, das Sie über sudo apt-get install simple-ccsm installieren. Beide Werkzeuge finden Sie nach der Installation unter System · Einstellungen · (Einfacher) CompizConfig Einstellungs-Manager.


Da compiz dem ICCCM-Standard entspricht, kann er hierzu den Window-Manager der Desktop-Umgebung wie z. B. Metacity bei GNOME oder KWin bei KDE ersetzen. Des Weiteren ist es modular aufgebaut. Alle Effekte, aber auch grundlegende Dinge wie die Möglichkeit, Fenster zu verschieben oder ihre Größe zu ändern, sind als Plug-ins realisiert. Hierdurch ist compiz leicht erweiterbar.

Das technische Prinzip eines Composite-Managers ist theoretisch einfach. Er schiebt einfach einen Zwischenschritt zwischen dem Rendern und dem Darstellen eines Fensters auf dem Desktop ein. In diesem Zwischenschritt wird für jedes darzustellende Fenster ein Abbild im Speicher der Grafikkarte erzeugt.

Diese zwischengespeicherten Abbilder werden durch OpenGL mit den gewünschten Effekten gerendert und dann durch den Composite-Manager zu einem sichtbaren Desktop zusammengefügt. Die Anwendungen bekommen von dieser Prozedur nichts mit und profitieren somit ohne Leistungseinbuße von diesen Hardware-Eingriffen.


Integrierte Desktop-Effekte

Metacity, der Fenstermanager von GNOME, besitzt einen eigenen Composite-Manager. Dieser ermöglicht dreidimensionale Effekte ohne zusätzlichen Ballast wie Compiz. Die Effekte sind aber »GNOME-like«,d. h. sehr schlank nach dem Motto »So wenig wie möglich, so viel wie nötig«.

So beschränkt sich Metacity zumeist darauf, ausgiebig Gebrauch von Alpha-Blending zu machen. Die auffälligsten Neuerungen sind ein Schatten um Fenster, die Echtzeitvorschau, wenn mittels Taste Alt + Taste Tab zwischen Fenstern umgeschaltet wird, und Transparenzeffekte.

Nicht jede Grafik-Hardware unterstützt Compositing zuverlässig, weshalb diese Funktion derzeit standardmäßig abgeschaltet und nicht in den Einstellungen sichtbar ist. Wenn Sie sicher sind, dass Ihre Grafik-Hardware Compositing unterstützt, können Sie es über das Ausführen des Befehls

gconftool-2 -s --type bool \
/apps/metacity/general/compositing_manager true

vom Ausführen-Dialog einschalten oder den entsprechenden Schlüssel im Konfigurationseditor setzen. Um Compositing abzuschalten, setzen Sie den Schlüssel auf false:

gconftool-2 -s --type bool \
/apps/metacity/general/compositing_manager false


Compiz: Im Zuge der Entwicklung von XGL wurde mit Compiz ein erster, experimenteller Composition Manager entwickelt, der die neuen Möglichkeiten von XGL demonstriert. Eine wichtige Besonderheit von Compiz ist, dass es neben der Compositing-Funktionalität gleichzeitig auch als Windowmanager fungiert, d. h., Compiz kümmert sich auch um das Zeichnen von Fensterrahmen, Titelleisten, Minimier- und Maximierschaltflächen etc.


Konfiguration der Desktop-Effekte

Sie finden die Konfiguration der Desktop-Effekte über System · Einstellungen · Erscheinungsbild. Im letzten Reiter finden Sie die Visuelle Effekte (Desktop-Effekte). Alternativ können Sie an einer beliebigen Stelle auf dem Desktop mit der rechten Maustaste klicken und dann auf Hintergrund der Arbeitsfläche ändern klicken.

Abbildung 17.17 Die Desktop-Effekte lassen sich in »Compiz« nahezu beliebig erweitern.


Screenlets – Widgets für den Desktop

Apple und Microsoft haben sie schon standardmäßig: die Widgets, kleine und moderne Kontroll- und Informationsanzeigen auf dem Desktop. Aber Linux hinkt hier nicht hinterher. Das Zauberwort heißt hier Screenlets. Diese Screenlets lassen sich unter Ubuntu mit minimalem Aufwand installieren:

sudo apt-get install screenlets

Nach der Installation starten Sie den Screenlets Manager über Anwendungen · Zubehör · Screenlets. Hier klicken Sie doppelt auf das gewünschte Widget oder wählen dieses über das Anwendungsmenü Anwendungen · Sonstige aus. Sie erhalten viele weitere Tipps auf der Internetseite www.screenlets.org.


Abbildung 17.18 Mithilfe des »Screenlets Managers« können Sie auf einfache Weise Widgets installieren.

Desktop-Effekte unter Kubuntu

Auch für Kubuntu-Nutzer stehen nun Desktop-Effekte ohne weitere Klimmzüge zur Verfügung. KDE setzt dabei allerdings nicht auf Compiz, sondern bringt diese Effekte selbst mit.

Standardmäßig sind alle Effekte deaktiviert, Sie können diese aber einfach über den Unterpunkt Erscheinungsbild & Verhalten · Arbeitsfläche in den Systemeinstellungen (zu erreichen über den Reiter Favoriten im K-Menü) aktivieren und konfigurieren. Zunächst setzen Sie in der folgenden Übersicht einen Haken bei Arbeitsflächeneffekte aktivieren. Anschließend stehen Ihnen die bis dahin ausgegrauten Optionen auf vier Reitern zur Verfügung.

Würfel-Effekt

Besonders beliebt ist es, den Wechsel der Arbeitsfläche über das Rotieren eines Würfels zu visualisieren, dessen Seiten jeweils eine Arbeitsfläche darstellen. Aktivieren Sie hierzu im Reiter Allgemein die Optionen Effekt für den Fensterwechsel: 3D-Fenstergalerie und Effekt für den Arbeitsflächenwechsel: Arbeitsflächen-Würfel.

Aktive Bildschirmecken

Aktive Bildschirmecken können mit verschiedenen Aktionen belegt werden, die ausgeführt werden, sobald Sie den Mauszeiger in die entsprechende Ecke bewegen. Die Einstellungen verteilen sich hier auf zwei Orte: einerseits auf den zweiten Reiter Bildschirmecken; hier können Sie für jede der vier Ecken sowie für die vier Seitenmitten eine Aktion festlegen. Das Auslöseverhalten können Sie andererseits von der Übersicht aus im Reiter Erweitert unter Arbeitsfläche · Fenstereigenschaften · Aktive Arbeitsflächenränder festlegen.



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