Galileo Computing < openbook > Galileo Computing - Professionelle Bücher. Auch für Einsteiger.
Professionelle Bücher. Auch für Einsteiger.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Leitfaden
1 Die Wurzeln von Ubuntu
2 Was ist Ubuntu?
3 Die Versionen im Detail
4 Die Möglichkeiten der beiliegenden DVDs
5 Daten aus Windows sichern
6 Die Installation
7 Erste Schritte
8 Kubuntu und Xubuntu
9 Ubuntu mobil
10 Programme und Pakete installieren
11 Internet und E-Mail
12 Office
13 Grafik und Bildbearbeitung
14 Multimedia
15 Das Terminal
16 Programmierung und Design
17 Einrichtung der grundlegenden Hardware
18 Software- und Paketverwaltung
19 Architektur
20 Backup und Sicherheit
21 Desktop-Virtualisierung
22 Server-Installation
23 Sicherheit und Monitoring
24 Netzwerke
25 Server im Heim- und Firmennetzwerk
26 Der Server im Internet
27 Server-Virtualisierung mit KVM
28 Server-Virtualisierung mit Xen
29 Hilfe
30 Befehlsreferenz
Mark Shuttleworth
Glossar
Stichwort

Download:
- ZIP, ca. 34,8 MB
Buch bestellen
Ihre Meinung?

Spacer
<< zurück
Ubuntu GNU/Linux von Marcus Fischer
Das umfassende Handbuch, aktuell zu Ubuntu 10.04 LTS "Lucid Lynx"
Buch: Ubuntu GNU/Linux

Ubuntu GNU/Linux
5., aktualisierte und erweiterte Auflage, gebunden, mit 2 DVDs
1.104 S., 39,90 Euro
Galileo Computing
ISBN 978-3-8362-1654-8
Pfeil 14 Multimedia
Pfeil 14.1 Codecs
Pfeil 14.2 CDs und DVDs erstellen und brennen
Pfeil 14.2.1 Brasero
Pfeil 14.2.2 K3b
Pfeil 14.3 Audio
Pfeil 14.3.1 Rhythmbox – Vorbild iTunes
Pfeil 14.3.2 Verwaltung einer Musiksammlung
Pfeil 14.3.3 Austausch mit MP3-Playern – Ipod
Pfeil 14.3.4 Käuflicher Erwerb von Musik
Pfeil 14.3.5 Wiedergabe von CDs
Pfeil 14.3.6 Codieren von Audiomaterial
Pfeil 14.3.7 Bearbeitung von Audiodateien
Pfeil 14.4 Video
Pfeil 14.4.1 Totem
Pfeil 14.4.2 Xine
Pfeil 14.4.3 MPlayer
Pfeil 14.4.4 Dragon-Player
Pfeil 14.4.5 Der PC als Fernseher
Pfeil 14.4.6 DVDs ansehen
Pfeil 14.4.7 Anschluss eines Camcorders
Pfeil 14.5 Livestreams
Pfeil 14.5.1 Flash
Pfeil 14.5.2 Real-Player
Pfeil 14.6 Videoschnitt und -aufnahme
Pfeil 14.6.1 PiTiVi
Pfeil 14.6.2 DVBcut
Pfeil 14.6.3 Kino
Pfeil 14.7 Spiele
Pfeil 14.7.1 Windows-Spiele unter Ubuntu
Pfeil 14.7.2 Enthaltene Programme
Pfeil 14.7.3 Virtuelle Welten – SecondLife
Pfeil 14.7.4 Beispiel für eine Wine-Installation: World of Warcraft


Galileo Computing - Zum Seitenanfang

14.4 Video Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

Auch für die Freunde der bewegten Bilder ist gesorgt: Unter Ubuntu lässt sich eine Vielzahl von Multimedia-Playern installieren, die fast alle gängigen Videoformate wiedergeben können. Ein wenig problematisch ist die Unterstützung sogenannter proprietärer Formate wie z. B. Windows Media oder Apple Quicktime. Aber auch hier finden sich Mittel und Wege.


Galileo Computing - Zum Seitenanfang

14.4.1 Totem Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

Der Video-Player Totem ist die unter GNOME als Standard integrierte Lösung zur Wiedergabe einer Vielzahl multimedialer Materialien. Im Menü ist er übrigens schlicht als Video-Player geführt. Totem greift auf die gstreamer-Engine (Version 0.10.x) zurück. Es bietet sich die Installation folgender Pakete an:

  • gstreamer0.10-plugins-ugly – Plug-ins, die wegen ihrer Lizenz nicht standardmäßig installiert sein dürfen
  • gstreamer0.10-plugins-ugly-multiverseUgly-Plug-ins, die außerdem nicht von den Ubuntu-Entwicklern gewartet werden
  • gstreamer0.10-plugins-bad – Plug-ins, die noch nicht ganz ausgereift sind
  • gstreamer0.10-plugins-bad-multiverseBad-Plug-ins, die außerdem nicht von den Ubuntu-Entwicklern gewartet werden
  • gstreamer0.10-ffmpeg – Plug-ins für über 40 Formate wie z. B. MPEG, DivX, MPEG4, AC3 usw.
  • gstreamer0.10-pitfdll – für die Nutzung der w32codecs mit gstreamer
  • libquicktime1 – Plug-in für Quicktime-Dateien (MOV u. a.)

Eine besonders bequeme Möglichkeit, sämtliche Codecs »in einem Rutsch« zu installieren, bietet das Paket ubuntu-restricted-extras. Zur Wiedergabe von verschlüsselten DVDs sehen Sie bitte in Abschnitt 14.4.6, »DVDs ansehen«, nach.

Im Multimedia-Bereich hat sich in den letzten Ubuntu-Versionen viel getan. So wurde beispielsweise die Unterstützung für digitales Fernsehen stark verbessert. Der Video-Player Totem ist nun in der Lage, mehrere DVB-Tuner gleichzeitig zu nutzen, und die Unterstützung zahlreicher Infrarot-Fernbedienungen (mithilfe von LIRC) wurde erweitert.


Neue Visualisierungen für Totem und Rhythmbox

Die Programme Totem und Rhythmbox bieten genauso wie beispielsweise der Windows Media Player visuelle Effekte, die mehr oder weniger gelungene Animationen zur Musik einblenden. Allerdings ist die Auswahl bei einer Standardinstallation sehr eingeschränkt – Sie haben gerade die Wahl zwischen zwei verschiedenen Animationen. Sie können diesen Zustand ändern, indem Sie das Paket libvisual-0.4-plugins installieren.

Um in Totem die Art der Visualisierung auszuwählen, folgen Sie dem Menü Bearbeiten · Einstellungen. Unter dem Reiter Anzeige finden Sie den Punkt Visuelle Effekte. Hier haben Sie die Wahl zwischen unterschiedlichen Visualisierungstypen. In Rhythmbox aktivieren Sie einfach in der Werkzeugleiste die visuellen Effekte. Innerhalb der Visualisierung erscheint am unteren Rand eine Auswahlliste, wenn Sie Ihre Maus darüber bewegen.


Weiterhin beherrscht Totem jetzt auch die Darstellung von hochauflösenden YouTube-Videos und die Unterstützung von Untertiteln. Über die Seitenleiste können Sie per Dropdown-Menü zwischen den Ansichten Wiedergabeliste, Eigenschaften, BBC, Digital TV und Youtube wechseln. Auch das Suchen von Youtube-Videos ist direkt über Totem möglich. Zurzeit wird zumindest in Deutschland der Zugriff auf das BBC-Angebot noch nicht unterstützt.


Totem mit Tastenkombinationen bedienen

Sie können den Video-Player Totem auch über die Tastatur bedienen. So öffnen Sie beispielsweise einen Datei-Browser über die Tastenkombination Taste Strg + Taste O. Mit Taste P unterbrechen Sie die Wiedergabe eines Films oder Songs oder setzen diesen fort. Auch spulen können Sie mit den Pfeiltasten. Um innerhalb eines Films oder Songs zu springen, tippen Sie Taste N und Taste B. In den Vollbildmodus und zurück wechseln Sie mit Taste F. Auch die Lautstärke regeln Sie über das Keyboard: Taste Pfeil oben und Taste Pfeil unten.



Galileo Computing - Zum Seitenanfang

14.4.2 Xine Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

Xine ist ein unter der freien GPL-Lizenz stehender Multimedia-Player, der alle gängigen Containerformate (wie AVI, Ogg Media oder Matroska-Video), sowie viele verschiedene Video- und Audio-Codecs unterstützt. Selbstverständlich können auch Datenträger wie DVD oder CDs abgespielt werden. Neuerdings ist auch eine DVB-Wiedergabe möglich.

Besonders interessant an Xine ist die Möglichkeit, den Ton während des Abspielens verschieben zu können. So lassen sich mit wenig Aufwand auch missglückte Aufnahmen betrachten, bei denen Ton und Bild asynchron laufen (was bei Mitschnitten am PC leicht passiert, z. B. wenn Ton- und Bildquelle verschiedene Zeitgeber haben oder der PC durch andere Programme die ungepufferten Daten nicht rechtzeitig auslesen und verarbeiten kann). Codecs für Xine sind in den Paketen libxine1-plugins und libxine1-all-plugins enthalten.


Den Xine-Player separat installieren

Der Xine-Video-Player ist neben dem MPlayer die Standard-Videolösung unter den meisten anderen Linux-Distributionen. Xine ähnelt den Programmen, die man von Windows her kennt, also z. B. PowerDVD. Sie installieren Xine über das Paket xine-ui. Falls Sie nicht alle Plug-ins über das bereits erwähnte Paket libxine1-all-plugins installieren möchten, empfiehlt sich die Installation der folgenden zwei Pakete:

    libxine1-plugins – für die MP3-Unterstützung
    libquicktime0 – für Quicktime-Dateien wie MOV

Für einen ersten Test besorgen Sie sich am besten einmal einen freien MPEG2-Trailer aus dem Internet, z. B. über Google mit dem Suchstring mpeg2 sample clip. Diesen können Sie nach dem Herunterladen dann mit

xine <Trailername>.mpg

starten; die Erweiterung und der Trailer-Name sind gegebenenfalls anzupassen. Alternativ können Sie natürlich auch eigene Clips starten, die Sie zuvor von Ihrer Digitalkamera auf den PC befördert haben. Xine gliedert sich in ein Ansichtsfenster und eine Bedienleiste, die frei verschoben werden kann (siehe Abbildung 14.18). Einzelne Segmente von MPEG2-Videos können übrigens recht einfach auf der Kommandozeile über

cat film1.mpg film2.mpg ... > film.mpg

zusammengefügt werden.


Abbildung 14.18 Der Multiformat-Player »Xine« – hier mit Richard Stallman

Möglichkeiten der Integration

Sie haben prinzipiell mehrere Möglichkeiten, Xine in Ihr System zu integrieren:

  • Totem-xine
    Sollte es auf Ihrem System Probleme mit der Gstreamer-Engine geben, so haben Sie die Möglichkeit, stattdessen das totem-xine-Modul einzusetzen. Dieses integriert die Funktionalität des xine-Video-Players in die Totem-Oberfläche. Achten Sie bei dieser Art der Installation darauf, dass Sie das Paket totem-gstreamer deinstallieren, da es ansonsten zu Konfigurationsfehlern kommen kann.
  • Kaffeine
    Kaffeine
    ist eine grafische Oberfläche für Xine, die die Bibliothek Qt nutzt.
  • GNOME-Integration
    Das Paket gxine bietet eine schöne Integration in die GNOME-Oberfläche. Es empfiehlt sich, die Plug-ins über das Paket gxineplugin zu installieren.
  • Separat
    Experten bevorzugen die oben bereits erwähnte Original-xine-Oberfläche (xine-ui), die Sie ebenso wie gxine im Menü Anwendungen · Unterhaltungsmedien finden. Xine integriert sich ebenfalls gut in die KDE-Oberfläche.

Im Übrigen basiert auch der KDE-Vorzeige-Audioplayer Amarok auf Xine.

Skins

Um das Aussehen des Players anzupassen, gibt es in dem Programm eine sehr nützliche Funktion. Durch einen Rechtsklick auf das Videofenster öffnet sich ein Popup-Fenster. Hier müssen Sie lediglich Settings · Skin Downloader anwählen, um neue Skins herunterzuladen. Ausgewählte Skins werden durch einen Klick auf Load installiert.


Videos und Bilder auf dem iPod

Bekanntermaßen lässt sich ein iPod nicht nur zum Abspielen von Audiodateien nutzen. Auch wenn die integrierten Displays oftmals ziemlich klein sind, ist es dennoch kein Problem, auf ihnen auch Videos darzustellen. Videos werden hierbei im mp4-Format übertragen. Am einfachsten gelingt dies mit dem KDE-Programm Amarok. Das Video müssen Sie lediglich per Drag & Drop in die Transfer-Queue ziehen und anschließend übertragen. Wenn Ihre Videos nicht im mp4-Format vorliegen, können Sie diese vorher mit dem Programm Avidemux konvertieren.

Für Bilder eignet sich das Werkzeug GPixPod hervorragend. Den Mountpoint und das Modell Ihres iPods stellen Sie unter Edit · Preferences ein. Die Bedienung aller drei Programme, die in den Paketquellen enthalten sind, ist selbsterklärend.



Galileo Computing - Zum Seitenanfang

14.4.3 MPlayer Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

Ein weiterer universeller Player ist die Software MPlayer, die sich insbesondere in Form eines Plug-ins auch sehr gut in Verbindung mit der Wiedergabe von Videos in einem Browser nutzen lässt. Zur Installation des MPlayers wählen Sie folgende Pakete aus:

  • mplayer
  • gecko-mediaplayer, das Plug-in für auf Gecko basierende Browser wie Firefox und Epiphany

Außerdem ist das Paket gnome-mplayer verfügbar, das eine besser an den GNOME-Desktop angepasste Oberfläche bietet. Wenn Sie einen Video-Encoder benötigen, so können Sie auch noch das Paket mencoder installieren. Ob der Player korrekt als Plug-in in den Browser integriert wurde, erfahren Sie durch die Eingabe von about:plugins in der Eingabezeile des Browsers.


DivX und XviD

Zur Wiedergabe von DivX-Material müssen Sie die kommerziellen Bibliotheken von www.divx.com installieren. Andererseits gibt es auch eine Open-Source-Alternative in Form des XviD-Codecs, der DivX in puncto Qualität und Leistungsfähigkeit in nichts nachsteht. Man beachte das Wortspiel DivX « XviD. Den Original-DivX-Codec für Linux können Sie von www.divx.com/divx/linux herunterladen. Das Paket muss entpackt werden. Anschließend wechseln Sie in das entpackte Verzeichnis und führen den Installer via

sudo ./install.sh

aus. Dadurch werden die DivX-Bibliotheken in das System integriert. Für eine reversible Installation empfiehlt sich das Paket checkinstall. Für die Wiedergabe und Erzeugung von XviD-Material benötigen Sie das Paket libxvidcore4.



Galileo Computing - Zum Seitenanfang

14.4.4 Dragon-Player Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

War in früheren Kubuntu-Versionen noch Kaffeine der Standard-Video-Player, wurde es mit Kubuntu 8.10 durch den minimalistischen Dragon-Player ersetzt. In ihm wurde auf viele Funktionen verzichtet, die nicht vorrangig dem Abspielen von Videodateien dienen. So ist es z. B. bei der Wiedergabe von DVDs nicht möglich, gezielt einzelne Kapitel anzuwählen.

Abbildung 14.19 Der »Dragon-Player«, Kubuntus minimalistischer Standard-Video-Player


Galileo Computing - Zum Seitenanfang

14.4.5 Der PC als Fernseher Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

Durch die Einführung der TV-Ergänzungskarte mutierte der PC vom braven Arbeitstier zur Multimedia-Zentrale. Im Moment koexistieren in Deutschland das klassische analoge Fernsehen sowie die neue Digitaltechnik DVB (Digital Video Broadcasting). Beide Varianten lassen sich unter Ubuntu betreiben.

Seit Ubuntu 10.04 »Lucid Lynx« können Sie DVB-T-Kanäle unter Ubuntu mit dem Standardplayer Totem (hier muss unter Bearbeiten · Plugins der GNOME DVB Daemon aktiviert werden) sowie unter Kubuntu weiterhin mit dem zur Grundausstattung gehörenden Kaffeine (siehe Abbildung 14.21) scannen. Der Vorteil von Totem und Kaffeine an dieser Stelle ist, dass man keine Kanalkonfigurationsdatei benötigt, sondern einfach nach allen empfangbaren Kanälen scannen kann. Nach der Installation des Pakets totem-plugins-dvb-daemon starten Sie Totem neu. Über Datei · Watch TV starten Sie den Einrichtungsassistenten.

Im folgenden Dialogfenster haben Sie die Möglichkeit, das zu konfigurierende Gerät sowie die Region auszuwählen, in der Sie sich befinden. Nach erfolgreichem Scan (siehe Abbildung 14.20) können Sie die gewünschten Kanäle Ihrer Senderliste hinzufügen. Bisherige Totem-Versionen sowie der VLC-Player benötigen eine fertige Kanalliste.

Abbildung 14.20 DVB-Kanäle mit »Totem« scannen


Kaffeine für DVB-T verwenden

Auch für GNOME-Nutzer ist Kaffeine interessant, da hiermit das Nutzen einer DVB-T-Karte sehr einfach ist. Es ist keine manuelle Konfiguration nötig. Unter dem Menüpunkt Fernsehen · Kanäle können Sie die DVB-T-Kanäle Ihrer Region scannen lassen. Die gefundenen Kanäle lassen sich dann auswählen und zu Ihrer Kanalliste hinzufügen. Diese finden Sie unter dem Reiter Fernsehen in der Kaffeine-Standardansicht. Dort gibt es auch den Button Sofortaufnahme, mit dem Sie das Programm eines ausgewählten Kanals aufnehmen können. Kaffeine beherrscht auch das Einrichten von Timern für die Aufnahme: Nutzen Sie hierfür die Verwaltung unter Fernsehen · Recording Schedule · Neu.


Abbildung 14.21 Echtes Multitalent: »Kaffeine« – auch das Aufnehmen und Ansehen von DVB-T ist kein Problem.


Galileo Computing - Zum Seitenanfang

14.4.6 DVDs ansehen Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

Egal, ob auf dem Notebook im Zug oder zu Hause: Sicher wollen Sie hin und wieder eine DVD ansehen. Das ist mit Ubuntu natürlich problemlos machbar. Einige Dinge müssen Sie dabei jedoch beachten. Welche das sind, lesen Sie in den folgenden Abschnitten.

Unverschlüsselte DVDs sind problemlos abspielbar

Aus lizenzrechtlichen Gründen gibt es einige (überwindbare) Hürden beim Abspielen von DVDs unter Linux. Grundsätzlich besteht das Problem darin, dass mit den »Bordmitteln« lediglich das Abspielen von unverschlüsselten DVDs möglich ist. Das selbst gedrehte Urlaubsvideo, das von der Digitalkamera auf den DVD-Datenträger befördert wurde, entspricht allemal den rechtlichen Anforderungen. Und: Es gibt teilweise auch unverschlüsselte DVDs im Handel; eine Liste derartiger Medien wird mehr oder weniger sporadisch unter www.videolan.org/freedvd.html geführt.

Gehen wir also davon aus, dass Sie über eine unverschlüsselte DVD verfügen. Legen Sie diese in das DVD-Laufwerk ein, und starten Sie Xine über Multimedia · xine. Durch Anklicken der Schaltfläche DVD wird der DVD-Navigator gestartet, mit dem Sie durch das Menü der eingelegten DVD navigieren können. Prinzipiell ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks, mit welcher der bereits vorgestellten Anwendungen Sie Ihre DVD anschauen – auch der spartanisch wirkende Totem ist zur DVD-Wiedergabe in der Lage.

Verschlüsselte DVDs

Um verschlüsselte DVDs (also die meisten handelsüblichen Filme) legal ansehen zu können, müssen Sie auf proprietäre, kostenpflichtige Software zurückgreifen. Inzwischen können Sie zwischen mehreren Alternativen wählen. Im Folgenden möchte ich Ihnen drei solcher Programme kurz vorstellen.

PowerDVD Linux

Zunächst einmal gibt es das unter Windows-Nutzern sehr beliebte und weit verbreitete Programm PowerDVD der Firma CyberLink nun auch in einer Linux-Variante. Diese können Sie(u. a) direkt über den Online-Shop auf der Canonical-Seite beziehen (http://shop.canonical.com). Der Wermutstropfen dieser Variante: Zurzeit funktioniert diese Lösung nur auf 32-Bit-Systemen.

Ab Ubuntu 8.04 können Sie PowerDVD Linux einsetzen. Sie benötigen allerdings außerdem noch die OpenGL-Grafikunterstützung, die neuere Grafikkarten auf jeden Fall bieten. Für ATI- und NVIDIA-Grafikkarten müssen Sie noch den entsprechenden proprietären Grafiktreiber installieren. Dies erledigen Sie per Aufruf das Assistenten unter System · Systemverwaltung · Hardware-Treiber. Anschließend können Sie im Online-Shop die PowerDVD-Linux-Software herunterladen und installieren. Übrigens: Unter http://vault.canonical.com können Sie die Software noch einmal herunterladen, falls Sie z. B. Ubuntu erneut installieren müssen. Wenn Sie PowerDVD Linux auf einem weiteren Rechner nutzen möchten, müssen Sie dafür ebenfalls eine Lizenz erwerben.

Fluendo-DVD-Player

Eine Alternative, die auch Nutzern von 64-Bit-Systemen das rechtlich einwandfreie Abspielen kopiergeschützter DVDs erlaubt, ist der Fluendo-DVD-Player. Dieser kann als Binär- oder .deb-Paket für die 32-Bit- oder 64-Bit-Architektur über verschiedene Shops (beispielsweise http://www.fluendo.com/shop/category/end-user-products/ oder http://ixsoft.de/) heruntergeladen werden. Neben den, mit dem Kauf der Player-Software erworbenen, für das Abspielen von DVDs notwendigen Codecs können weitere Codecs über die Herstellerfirma erworben werden.

Die Bedienung ist weitgehend selbsterklärend, die gängigen Funktionen wurden bereits im Zusammenhang mit den Standardplayern besprochen. Interessant, vor allem für die Fernreisenden, dürfte die Funktion zur Änderung des Regionalcodes sein. Diese können Sie über den Menüpfad DVD Player · Preferences · Region erreichen. Wenn Sie möchten, dass der Fluendo-DVD-Player automatisch gestartet wird, sobald Sie eine DVD einlegen, müssen Sie dies in den Nautilus-Einstellungen festlegen. Klicken Sie in einem Nautilus-Fenster auf Bearbeiten ·Einstellungen · Datenträger. Aus dem Dropdown-Menü unter Video-DVD wählen Sie die Option Mit anderer Anwendung öffnen... aus. In dem sich daraufhin öffnenden Dialogfenster klicken Sie auf das Kreuz neben Benutzerdefinierten Befehl benutzen und tragen im Textfeld fluendo-dvd ein. Nach einem Klick auf Hinzufügen und dann auf Schließen haben Sie die neue Einstellung gespeichert.

LinDVD

Das dritte Programm, das ich Ihnen vorstellen möchte, heißt LinDVD und kommt von der Firma Intervideo (gehört seit 2006 zu Corel), die auch das bekannte Windows-Programm WinDVD vertreibt. Zurzeit wird es in Deutschland nur über Reseller (beispielsweise http://shop.linuxland.de/store/an99/AN99-L01-DE/de, https://www.pseudonym.org/software/lindvd.html und http://ixsoft.de/cgi-bin/web_store.cgi?ref=Products/de/IVLINDVDBU.html) sowie in Verbindung mit Hardware vertrieben. Dies können beispielsweise Billiggrafikkarten sein, bei denen in der Bestellung darauf hingewiesen wird, dass diese möglicherweise defekt sein und Sie daher auch per Hinweis im Kommentarfeld auf die Mitlieferung der Grafikkarte verzichten können ;-).

Bevor Sie LinDVD nutzen können, müssen Sie das Paket libstdc++6 installieren. Die eigentliche Installation verläuft nicht über die Paketverwaltung, sondern manuell über das Verschieben des Programmordners und das Anlegen einiger Verknüpfungen. Außerdem muss eine Lizenzdatei nach /usr/lib/libivi$reseller.so verschoben werden, da LinDVD ansonsten nur als Demoversion startet. Achtung: Der Text $reseller hängt davon ab, bei welchem Reseller Sie Ihre LinDVD-Version gekauft haben und muss daher von Ihnen angepasst werden. Den letzten Schritt, das Anlegen einer Verknüpfung auf dem Desktop, können Sie natürlich auch weglassen.

sudo mv lindvd /opt/LinDVD
sudo ln -s /opt/LinDVD/lindvd /usr/local/bin/lindvd
sudo ln -s /opt/LinDVD/libivi$reseller.so /usr/lib/libivi$reseller.so
sudo ldconfig
sudo cp /opt/LinDVD/skins/common/LinDVD.xpm /usr/share/pixmaps
ln -s /opt/LinDVD/skins/common/LinDVD.desktop ~/Desktop/LinDVD.desktop

Sie können sogar Skins, die Sie noch von WinDVD 3 besitzen, für LinDVD weiterverwenden.


Totem und DVDs

Mit dem Standard-Videoplayer Totem ist es problemlos möglich, unverschlüsselte DVDs anzusehen. Bei verschlüsselten DVDs aber – dies betrifft die überwiegende Zahl aller DVDs – streikt das Programm und gibt eine Fehlermeldung aus. Dies bedeutet allerdings nicht, dass es unmöglich wäre, eine solche DVD zur Mitarbeit zu bewegen. Es fehlt lediglich der Codec libdvdcss, den Sie beispielsweise von der Seite des Projektes VideoLan herunterladen können. Unter der Adresse

finden Sie ein Debian-Paket, das Sie mittels Doppelklick installieren können. Zum Zeitpunkt der Drucklegung war dies die Version 1.2.10. Der rechtliche Status dieses Codecs ist umstritten, sodass ich Ihnen den Gebrauch dieses Codecs aus rechtlichen Gründen nicht empfehlen kann. Mit einem der eben genannten Programme (PowerDVD, Fluendo, LinDVD) sind Sie aber auf der sicheren Seite.


Korrekter Pfad bei Xine

Sollte beim Betätigen des DVD-Buttons nichts passieren, so müssen Sie untersuchen, ob der Pfad zum Wiedergabegerät korrekt definiert wurde. Xine verfügt über ein breites Spektrum von Konfigurationsmöglichkeiten, die Sie durch Anklicken des Schraubenschlüsselsymbols in der linken unteren Fensterhälfte erreichen. Im Untermenü gui muss zunächst der Erfahrungslevel eingestellt werden. Wer vollen Zugriff auf sämtliche Optionen haben möchte, wählt an dieser Stelle den Modus Expert bzw. Master of the known universe aus und bestätigt die Auswahl mit Anwenden. Im Untermenü media kann dann schließlich der Pfad auf das korrekte Device gesetzt werden, beispielsweise /dev/dvd.


Eine große Datei in zwei kleine zerlegen

Mit dem Befehl split können Sie sehr große Dateien in mehrere kleine aufteilen, sodass Sie diese dann beispielsweise auf mehrere CDs brennen können. Dies macht Sinn, wenn Sie beispielsweise eine 1,2 GB große Datei nicht auf eine DVD (Fassungsvermögen 4,4~GB) brennen möchten. Mit dem folgenden Befehl wird die Datei Datei in einzelne Dateien mit einer jeweiligen Größe von 650 MB aufgeteilt:

split -b 650m <Datei>

Mit dem Befehl cat können Sie diese einzelnen Dateien wieder zusammenfügen:

cat x* ><großeDatei>

DMA aktivieren

Für CD/DVD-Brenner bzw. für die Wiedergabe von Video-DVDs ist es wichtig, dass der DMA (Direct Memory Access) bei den entsprechenden Laufwerken aktiviert ist. Bei älteren Ubuntu-Versionen erfolgte dies nicht automatisch. Die Maintainer wollten ganz einfach sichergehen, dass das System auf jeglicher Hardware läuft. Bei aktuellen Ubuntu-Versionen sollte DMA kein Problem mehr darstellen.

Fakt ist, dass sowohl das Brennen als auch das Wiedergeben von DVDs ohne aktivierten DMA große Probleme bereiten kann, da in diesem Fall der Prozessor sämtliche Steueraufgaben für das Laufwerk übernehmen muss.

Sehen Sie sich nun einmal die Situation auf Ihrem System an. Zunächst sollten Sie herausfinden, unter welcher Device-Bezeichnung Ihr optisches Laufwerk eingebunden ist:

dmesg | grep CD
hda: PLEXTOR DVD-ROM PX-130A, ATAPI CD/DVD-ROM drive
hdb: _NEC DVD_RW ND-3520A, ATAPI CD/DVD-ROM drive

hdparm

Im vorliegenden Fall befindet sich ein DVD-Laufwerk unter /dev/hda sowie ein DVD-Brenner unter /dev/hdb. Nun testen Sie mit dem Befehl hdparm (ausgeführt als Administrator), ob sich der DMA bei beiden Laufwerken aktivieren lässt:

sudo hdparm -d1 /dev/hda
/dev/hda:
 setting using_dma to 1 (on)
 using_dma    =  1 (on)

Funktioniert das, dann können die Einstellungen bereits während des Systemstarts vorgenommen werden. Zu diesem Zweck editieren Sie die Datei /etc/hdparm.conf folgendermaßen (in diesem Fall wurde bei den oben identifizierten Laufwerken der DMA aktiviert):

# Auszug aus /etc/hdparm.conf
/dev/hda  {
   dma = on
}
/dev/hdb  {
   dma = on
}

Sollte das System beim Start unerwartet hängen bleiben, so kann das daran liegen, dass das hdparm-Skript während des Bootens zu früh aktiviert wird.

Der Zeitpunkt der Aktivierung kann folgendermaßen hinausgeschoben werden:

sudo mv /etc/rcS.d/S07hdparm /etc/rcS.d/S21hdparm

Bei manchen Systemen genügt auch diese Verzögerung nicht: Von Zeit zu Zeit hängt sich bei Aktivierung des DMA das System beim Booten auf. Die Lösung: Aktivieren Sie den DMA über ein Skript im Ordner /etc/autostart. Dazu müssen Sie dann allerdings die Änderungen in /etc/hdparm.conf wieder rückgängig machen. Die Datei zur Aktivierung des DMA selbst sieht folgendermaßen aus:

# Datei /etc/autostart/hdparmstart
hdparm -d1 /dev/hda
hdparm -d1 /dev/hdb

Nach diesem Vorbild können Sie im Übrigen beliebige Startdateien anlegen.


Galileo Computing - Zum Seitenanfang

14.4.7 Anschluss eines Camcorders topZur vorigen Überschrift

Moderne digitale Camcorder verfügen über eine IEEE1394-Schnittstelle, auch FireWire genannt. Ubuntu entdeckt derartige Geräte unmittelbar nach dem Anschließen und Einschalten. Folgende Meldungen erscheinen im Syslog:

sudo tail -f /var/log/messages
ieee1394.agent[10196]:  raw1394: loaded successfully
ieee1394: raw1394:   /dev/raw1394 device initialized
ieee1394.agent[10196]:   dv1394: loaded successfully

Die Datenübertragung zwischen Kamera und PC kann mit dem Kommandozeilen-Tool dvgrab getestet werden. Installieren Sie zunächst das Paket dvgrab. Dadurch wird das zusätzliche Paket libquicktime installiert. Testen Sie den Transfer einer Videosequenz von der Kamera mit:

sudo dvgrab testfilm

Die Aufzeichnung wird durch Eingabe von Taste Strg + Taste C beendet. Nun sollte sich im aktuellen Verzeichnis ein Filmausschnitt mit dem Namen testfilm001.avi befinden. Diesen können Sie mit einem Standard-Video-Player begutachten, vorausgesetzt, dieser ist in der Lage, das Digitalvideoformat zu decodieren. Dies schaffen in jedem Fall Programme wie Xine oder der MPlayer. Für den Schnitt von digitalem Video bietet sich das Programm kino an.



Ihr Kommentar

Wie hat Ihnen das <openbook> gefallen? Wir freuen uns immer über Ihre freundlichen und kritischen Rückmeldungen.






<< zurück
  Zum Katalog
Zum Katalog: Ubuntu GNU/Linux

Ubuntu GNU/Linux
Jetzt bestellen


 Ihre Meinung?
Wie hat Ihnen das <openbook> gefallen?
Ihre Meinung

 Buchempfehlungen
Zum Katalog: Linux






 Linux


Zum Katalog: OpenVPN






 OpenVPN


Zum Katalog: LPIC-1






 LPIC-1


Zum Katalog: Debian GNU/Linux






 Debian GNU/Linux


Zum Katalog: Shell-Programmierung






 Shell-Programmierung


Zum Katalog: Webserver einrichten und administrieren






 Webserver einrichten
 und administrieren


Zum Katalog: VirtualBox






 VirtualBox


Zum Katalog: IT-Handbuch für Fachinformatiker






 IT-Handbuch für
 Fachinformatiker


 Shopping
Versandkostenfrei bestellen in Deutschland und Österreich
InfoInfo




Copyright © Galileo Press 2010
Für Ihren privaten Gebrauch dürfen Sie die Online-Version natürlich ausdrucken. Ansonsten unterliegt das <openbook> denselben Bestimmungen, wie die gebundene Ausgabe: Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten einschließlich der Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.


[Galileo Computing]

Galileo Press, Rheinwerkallee 4, 53227 Bonn, Tel.: 0228.42150.0, Fax 0228.42150.77, info@galileo-press.de