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Galileo Computing - Professionelle Buecher. Auch fuer Einsteiger.
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Kompendium der Informationstechnik
 von Sascha Kersken
EDV-Grundlagen, Programmierung, Mediengestaltung
Buch: Kompendium der Informationstechnik
gp Kapitel 9 DTP und digitale Druckvorstufe
  gp 9.1 Satz, Layout und Typographie
    gp 9.1.1 Grundlagen der Typographie
    gp 9.1.2 Grundlagen der Gestaltung
  gp 9.2 Der DTP-Workflow
  gp 9.3 Elektronische Schriften
  gp 9.4 InDesign
    gp 9.4.1 Arbeitsoberfläche und Werkzeuge
    gp 9.4.2 Der InDesign-Arbeitsablauf
  gp 9.5 PDF und Acrobat
    gp 9.5.1 PDF-Dokumente erstellen
  gp 9.6 Zusammenfassung

gp

Prüfungsfragen zu diesem Kapitel (extern)

Kapitel 9 DTP und digitale Druckvorstufe

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– Blindtext aus dem 16. Jahrhundert

Die Herstellung von professionellen Layouts für den Druck von Werbemitteln, Zeitschriften oder Katalogen mit Hilfe von Computerprogrammen hat sich seit Ende der 80er-Jahre zu einem wesentlichen Aspekt der Computeranwendung entwickelt. Dieses Kapitel beschreibt die wichtigsten Bestandteile des professionellen DTP-Workflows.


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9.1 Satz, Layout und Typographie  downtop

Als Gutenberg vor gut 500 Jahren den Buchdruck mit beweglichen Lettern entwickelte, wurde zunächst versucht, die spezielle Ästhetik und Formensprache der mittelalterlichen Handschriften durch das neue Medium nachzuahmen. Erst allmählich entstanden bestimmte Formen der Satz- und Schriftgestaltung, die dieser neuen Art der Bücherherstellung eher entsprachen: Die Schriften wurden klarer und einfacher, das Seitenlayout insgesamt schmuckloser.

Bis auf gewisse Detailverbesserungen, die das Drucken schneller, einfacher und billiger gemacht haben, ist das grundlegende Verfahren bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein nicht prinzipiell verändert worden. Erst dann wurde durch die Erfindung der Fotosatztechnik der klassische Bleisatz nach und nach verdrängt, und erst in den 80er-Jahren hat das neu entwickelte Desktop Publishing oder kurz DTP begonnen, die Druckvorstufe zu revolutionieren. Zum ersten Mal wurde es möglich, alle Bestandteile eines Dokuments am selben Arbeitsplatz zu entwickeln; für Texterfassung, Satz, Layout, Grafik und Bildbearbeitung wurden jeweils spezielle Softwarekomponenten entwickelt.

Doch obwohl die Erstellung von Drucksachen mit solchen Programmen erheblich einfacher geworden ist, sollte man die Komplexität dieser Aufgabe trotzdem nicht unterschätzen. Denn nach wie vor sind Kenntnisse der Typographie und der allgemeinen Gestaltungsgesetze unerlässlich, um professionelle Layouts zu erstellen. Die wichtigsten dieser Grundlagen sollen in den folgenden Abschnitten vermittelt werden.


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9.1.1 Grundlagen der Typographie  downtop

Bereits vor fünf- bis sechstausend Jahren haben die Menschen aus vereinfachten, stilisierten Bildern die ersten Schriften entwickelt – Bilder- und Silbenschriften wie die noch heute gebräuchliche chinesische Schrift.

Entwicklung der Buchstabenschrift

Erst die Phönizier entwickelten vor gut 3000 Jahren eine Schrift, die nicht mehr Gegenstände abbildete, sondern Laute wiedergab – die 22 Konsonanten der phönizischen Sprache. Die Schrift der Phönizier ist der gemeinsame Vorfahr der hebräischen, arabischen und griechischen Schrift (was man heute am ehesten an den Namen der Buchstaben bemerkt, die Formen haben sich doch recht weit auseinander entwickelt).

In der griechischen Schrift wurden von Anfang an gleichberechtigte Zeichen für die Vokale hinzugefügt. Sie wird noch heute für die griechische Sprache und zum Teil in der Wissenschaft verwendet. Aus ihr wurde auch die lateinische Schrift entwickelt, die ihre heutige Form im Prinzip seit der Antike beibehalten hat.

Genauer gesagt wurden damals nur die Großbuchstaben eingesetzt; diese in Stein gehauenen Capitalis Monumentalis können bis heute in Museen bewundert werden. Die Kleinbuchstaben entstanden erst viel später, als sich bis zum 9. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung diverse Kursiv- und Handschrift-Schnitte zur Karolinger Minuskel weiterentwickelten. Die heutige Art der Verwendung der beiden Alphabete, nämlich die Stellung der römischen Kapitale am Wort- beziehungsweise Satzanfang und der Minuskel im Wortinneren, entstand zur Zeit der Renaissance. Da diese Kombination eine optimale Lesbarkeit von Text ergibt, hat sie sich – mit gewissen Variationen – bis heute gehalten.

Typographische Begriffe und Maßsysteme

Die meisten Begriffe der Typographie entstammen der Tradition des Bleisatzes, bei dem die einzelnen Zeichen als spiegelverkehrtes Gepräge aus einem eckigen Metallstab, dem Kegel, herausragen. Diese einzelnen Lettern werden auf eine Platte montiert und bilden so eine Druckseite, die eingefärbt und unter einer Druckerpresse auf eine Seite gedrückt wird. Echter Bleisatz wird heutzutage nur noch sehr selten eingesetzt. Bücher, die so entstehen, sind teure, aufwändig gestaltete Werke mit meist sehr niedriger Auflage.

Schriftgrößenmessung

Die eigentliche Schriftgröße ist die Kegelhöhe, das heißt die Gesamthöhe der Bleiletter. Gemessen wird sie in Punkt, allerdings gibt es verschiedene Versionen dieser Maßeinheit, die im Laufe der Typographiegeschichte als Bruchteile jeweils gängiger Maßeinheiten definiert wurden. Klassisch ist der so genannte Didot-Punkt (dd), 1784 von dem Franzosen François Didot definiert. 1 dd beträgt 0,376 mm (1973 abgerundet auf 0,375 mm). Heute wird – insbesondere im Zusammenhang mit der Arbeit am Computer – der DTP-Punkt (pt) verwendet. Er ist definiert als /72 Inch (1 Inch = 2,54 cm) und misst demnach 0,353 mm. Leicht abweichend ist der traditionelle amerikanische Pica-Point (ebenfalls pt), der /996 von 35 cm und damit etwa 0,352 mm beträgt. Natürlich fallen diese geringen Unterschiede nicht am einzelnen Zeichen oder an einer Zeile auf, können bei einer ganzen Seite aber durchaus eine Differenz von mehreren Zeilen ergeben.

Zu allem Überfluss gibt es auch noch traditionelle Namen für die wichtigsten Schriftgrößen, die im Bleisatz verwendet wurden und unter gestandenen Schriftsetzern noch heute gelten – allerdings werden sie in der Regel nicht mehr auf den Didot-Punkt, sondern auf den DTP-Punkt angewendet. In Tabelle 9.1 werden einige Beispiele für diese Maße zur besseren Übersicht im direkten Vergleich aufgeführt.


Tabelle 9.1   Vergleich verschiedener typographischer Maßsysteme

DTP Pica-Point Didot (neu) Didot (alt) mm Name
9 9,03 8,47 8,45 3,177 Bourgeois
10 10,03 9,41 9,39 3,53 Korpus
11 11,03 10,35 10,33 3,883 Rheinländer
12 12,03 11,3 11,27 4,236 Cicero
14 14,04 13,18 13,14 4,942 Mittel
9,97 10 9,39 9,36 3,52
11,97 12 11,26 11,23 4,224 1 Pica
10,62 10,65 10 9,97 3,75
12,75 12,78 12 11,97 4,5
10,65 10,68 10,03 10 3,76
12,78 12,81 12,03 12 4,512


Abbildung 9.1   Die wichtigsten typographischen Maßangaben auf einen Blick

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Die optische Größe, in der die Buchstaben verschiedener Schriften bei Einstellung einer Schriftgröße erscheinen, variiert beträchtlich, weil je nach Schrift bestimmte Bestandteile der Buchstaben mehr oder weniger betont werden. Maßeinheiten für die einzelnen, zum Teil in Abbildung 9.1 gezeigten Größenbestandteile sind folgende:

gp  Die bereits genannte Kegelhöhe definiert den gesamten Raum, den Zeichen einer Schrift überhaupt einnehmen könnten, einschließlich Ober- und Unterlängen.
gp  Die Versalhöhe bezeichnet die Höhe der Großbuchstaben.
gp  Die Mittellänge oder x-Höhe ist die Höhe eines Kleinbuchstabens ohne Unterlänge, insbesondere des kleinen x, da es in keiner Schrift Elemente besitzt, die über die Mittellänge hinausragen. Den Fuß der Mittellänge bildet die so genannte Grundlinie.
gp  Die Oberlänge ist der Raum von der Oberkante der Mittellänge bis zum höchsten Punkt von Kleinbuchstaben wie k oder d – in manchen Schriften ragen diese noch über die Versalhöhe hinaus.
gp  Die Unterlänge bezeichnet den Raum von der Grundlinie bis zur Unterkante von Kleinbuchstaben wie g oder y.
gp  Die Dickte ist die gesamte Breite, die das Druckbild eines Buchstaben einnimmt.

Weitere wichtige Maßangaben betreffen die Abstände zwischen den Buchstaben, Wörtern und Zeilen:

gp  Die Laufweite bezeichnet die Abstände der Buchstaben im Wort. Der standardmäßige Abstand wird als 0 bezeichnet; eine geringere oder höhere Laufweite wird in Prozent angegeben.
gp  Ausgleichungen der Laufweite bestimmter Buchstabenkombinationen werden als Unterschneidung (englisch Kerning) bezeichnet. Die Bezeichnung stammt daher, dass man früher an den Bleiblöcken ein Stück unter der eigentlichen Letter wegschneiden musste, um die Buchstaben näher aneinander rücken zu können. Hochwertige Computerschriften werden mit so genannten Kerning-Tabellen für alle denkbaren Verbindungen ausgeliefert; Satz- und Layoutprogramme wie InDesign oder QuarkXPress verwenden diese Ausgleichung.
gp  Um den Abstand zwischen Wörtern und anderen Elementen innerhalb der Zeile zu messen, wird das so genannte Geviert zugrunde gelegt: Ein Quadrat, bei dem die Breite gleich der Kegelhöhe der aktuellen Schriftgröße ist. In vielen DTP-Programmen können Abstände bis auf ein Tausendstel Geviert genau eingestellt werden.
gp  Der eigentliche Zeilenabstand (der numerische Zeilenabstand) wird von Grundlinie zu Grundlinie gemessen.
gp  Der optische Zeilenabstand ist der Abstand von der Grundlinie einer Zeile bis zur Mittellänge der darunter liegenden Zeile.
gp  Der Durchschuss bezeichnet den Leerraum zwischen der Unterlänge einer Zeile und der Oberlänge der nächsten. Satz ohne Durchschuss wird als kompress bezeichnet; der normale Zeilenabstand (auch splendid genannt) beträgt etwa 120% des Kompress-Zeilenabstands.

Einige weitere wichtige Fachbegriffe der Typographie bezeichnen die verschiedenen Bestandteile der Buchstaben selbst. Abbildung 9.2 enthält eine Übersicht über diese Komponenten und ihre Bezeichnungen.


Abbildung 9.2   Die verschiedenen Buchstabenteile und ihre Bezeichnungen

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Die Unterscheidung dieser Bestandteile ist wichtig, um die besonderen Merkmale der verschiedenen Schriftfamilien und Schriften beschreiben zu können.

Buchstaben und Alphabete

Es ist wichtig, zu verstehen, dass Druckschriften aufgrund ihrer Geschichte aus zwei separaten Alphabeten bestehen. Die Großbuchstaben, auch Kapitale, Majuskeln oder Versalien genannt, sind durch einfache Grundformen gekennzeichnet – sie alle lassen sich auf Kreis, Dreieck und Quadrat zurückführen. Text, der nur in Versalien gesetzt ist, wirkt aufgrund seiner Monotonie ermüdend und ist schlecht lesbar. Die Kleinbuchstaben, die auch Minuskeln oder Gemeine heißen, weisen abwechslungsreichere, komplexere Formen auf. Erst die Mischung der beiden Alphabete im Schriftbild sorgt für optimale Lesbarkeit.

Kapitälchen

Eine weitere spezielle Schriftform bilden die Kapitälchen. Es handelt sich nicht einfach um kleiner gesetzte Versalien, sondern um ein eigenes Alphabet aus Zeichen, die etwas breiter sind als gleich große Großbuchstaben und deren Strichstärken an die Minuskeln der entsprechenden Schriftart angepasst werden. Kapitälchen werden vor allem für Einleitungszeilen in Buchkapiteln oder zur Auszeichnung von Namen und anderen speziellen Begriffen eingesetzt.

Auch der kursive Schriftschnitt ist in Wirklichkeit eine separat entwickelte Schrift. Die Unterschiede können Sie vor allem am kleinen f oder am ß bemerken: Diese Zeichen besitzen in der kursiven Form vieler Schriften eine Unterlänge. Wenn von einer Schrift keine kursive Variante vorhanden ist, stellen manche Textverarbeitungs- oder Layoutprogramme einfach die »normale« Schrift schräg. Diese Schrift wird als oblique bezeichnet und sollte nur in begründeten Ausnahmefällen verwendet werden.

Ligaturen

Eine Gruppe von Sonderzeichen innerhalb der einzelnen Schriftschnitte bilden schließlich die Ligaturen: Es handelt sich um die Zusammenziehung zweier hintereinander liegender Buchstaben. Einige historische Ligaturen sind inzwischen zu eigenständigen Zeichen geworden, beispielsweise das ß (eine Ligatur aus S und Z), das & (eine verschnörkelte Form des lateinischen Wortes et) oder Zeichen wie Æ und æ.

Einige andere Ligaturen sind weniger auffällig, waren aber dennoch schon in den Setzkästen der Bleisetzer als eigenständige Zeichen vorhanden; es handelt sich um die Kombinationen ff, fi und ft. Wichtig ist allerdings, dass diese Zeichen nur dann als Ligaturen geschrieben werden, wenn sie zur gleichen Silbe gehören. Beispielsweise wird ff in dem Wort »schaffen« als Ligatur geschrieben, in »Auffahrt« dagegen nicht. Gute Layoutprogramme besitzen entweder einen integrierten Wortkatalog zur Unterscheidung dieser Fälle oder eine Funktion zur manuellen Umstellung zwischen Ligatur und zwei separaten Buchstaben.

In allen fließtexttauglichen Druckschriften weisen die Buchstaben unterschiedliche Breiten auf – der Fachbegriff für eine solche Schrift heißt Proportionalschrift. Das Gegenstück bilden die nichtproportionalen Festbreiten- oder Schreibmaschinenschriften. Der manchmal verwendete Ausdruck »dicktengleiche Schrift« ist nicht ganz korrekt, weil zwar jedes Zeichen denselben Platz auf dem Druckbogen einnimmt, die Dickten selbst aber durchaus verschieden sein können. Schreibmaschinenschrift sieht in den meisten Fällen unharmonisch aus und ist schlechter lesbar als Proportionalschrift. Dennoch wird sie gerade in letzter Zeit gern in der Werbung eingesetzt. In diesem Buch und in anderen EDV-Fachpublikationen wird Festbreitenschrift für Programmlistings eingesetzt, weil das korrekte Untereinanderschreiben der Zeichen bei ihnen eine Bedeutung hat.

Ziffern

Die nächste Gruppe von Zeichen einer Schrift bilden die Ziffern. Es gibt zwei verschiedene Arten von Ziffern in Druckschriften:

gp  Die Majuskelziffern beginnen alle auf der Grundlinie und weisen dieselbe Höhe auf wie Großbuchstaben. Anders als die Buchstaben besitzen sie in jeder Schrift identische Breiten, weil sie in Rechnungen oder Tabellen oft exakt ziffernweise untereinander gesetzt werden.
gp  Die selteneren Mediäval- oder Minuskelziffern werden dagegen mit Ober- und Unterlängen versehen, weisen verschiedene Höhen auf und besitzen unterschiedliche Breiten. Sie sind besonders gut für den Satz von Zahlen im Fließtext geeignet, weil sie sich harmonischer in das Schriftbild einfügen. Mediävalziffern sind nicht für alle Schriften verfügbar, meist werden sie nur mit den so genannten Expert-Zeichensätzen besonders hochwertiger und teurer Schriftarten geliefert.

Die verschiedenen Schriftfamilien

Da Drucksachen zu vielen verschiedenen Anlässen angefertigt werden müssen, ist es praktisch, dass es unzählige unterschiedliche Schriften gibt, die jeweils für einen anderen Zweck geeignet sind und völlig verschiedene Stimmungen oder Werte zum Ausdruck bringen können. Grundverschiedene Schriftstücke wie eine Boulevardzeitung, eine Werbeanzeige für einen Lifestyle-Artikel oder eine Todesanzeige können ihre volle Wirkung erst entfalten, wenn das Gesamtlayout durch die passende Schrift unterstrichen wird. Es gehört zum Handwerk eines Schriftsetzers, die geeignete Schrift für die jeweilige Gelegenheit auszuwählen und in den Rahmen eines passenden Layouts zu setzen.

Die Schriftfamilien unterscheiden sich aufgrund vieler formaler und ästhetischer Kriterien voneinander. In Deutschland existiert eine DIN-Norm, die alle verfügbaren Schriften in elf Gruppen unterteilt. Abbildung 9.3 zeigt ein Beispiel für jede der ersten zehn Gruppen.


Abbildung 9.3   Beispiele für die ersten zehn DIN-Schriftgruppen

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gp  Gruppe I: Venezianische Renaissance-Antiqua. Die Schriften dieser Gruppe sind das Vorbild für alle modernen Druckschriften. Sie wurden im 15. Jahrhundert entwickelt und sehr früh in Bleilettern für den Buchdruck gegossen. Gekennzeichnet ist diese Gruppe durch große Ober- und Unterlängen, ausgeprägte Serifen und geringe Unterschiede der Strichstärke, die Achsen der Buchstaben sind insgesamt leicht nach links geneigt. In den meisten Schriften der Gruppe I besitzt das kleine e einen schrägen Querstrich. Beispiele für Schriften dieser Gruppe sind Trajanus oder Guardi.
gp  Gruppe II: Französische Renaissance-Antiqua. Diese etwas später entwickelten Schriften fallen vor allem dadurch auf, dass die Oberlängen der Kleinbuchstaben meist etwas höher ragen als die Versalien. Anders als bei der venezianischen Renaissance-Antiqua sind die Serifen etwas abgerundet. Zu dieser Gruppe gehören Schriften wie Garamond, Palatino oder Bembo.
gp  Gruppe III: Barock-Antiqua. Bei diesen Schriften sind die Strichstärken unterschiedlicher als bei den Varianten der Renaissance-Antiqua. Die Serifen der Kleinbuchstaben sind oft unten senkrecht und oben schräg. Zur Gruppe III zählen beispielsweise die Schriften Baskerville oder Concorde.
gp  Gruppe IV: Klassizistische Antiqua. Diese Gruppe zeigt besonders starke Unterschiede in den Strichstärken, die Serifen sind fast waagerecht. Zu dieser Gruppe gehören etwa Walbaum oder Bodoni.
gp  Gruppe V: Serifenbetonte Linear-Antiqua. Diese Gruppe bezeichnet modernere Antiqua-Formen, die seit dem 19. Jahrhundert entwickelt wurden. Bei diesen Schriften sind alle Strichstärken so gut wie identisch; die Serifen sind gerade und nicht abgerundet. Da sie dieselbe Stärke aufweisen wie die Grundstriche, erscheinen sie besonders betont. Zu dieser umfangreichen Schriftgruppe zählen unter anderem die Schriften Rotation, Clarendon oder Serifa.
gp  Gruppe VI: Serifenlose Linear-Antiqua. Die Gruppe fasst alle serifenlosen Antiqua-Schriften zusammen. Serifenlose Schriften wurden aus verschiedenen Formen der klassischen Antiqua abgeleitet, sodass die Schriften dieser Gruppe recht unterschiedlich aussehen. Elegante und gut lesbare Schriften wie Frutiger, Syntax oder Meta gehören ebenso dazu wie die etwas langweilige Helvetica oder die besonders geradlinige Futura.
gp  Gruppe VII: Antiqua-Varianten. Diese Gruppe versammelt alle Antiqua-artigen Schriften, die in keine andere Gruppe passen. Es handelt sich vornehmlich um Schmuck- und Headline-Schriften. Die meisten Schriften der Gruppe sind nicht für Fließtext geeignet. Es gibt unzählige Beispiele für dieser Gruppe, bekannt sind etwa die Schriften Arnold Böcklin (die Lieblingsschrift aller Antiquitätenhändler) oder Stencil.
gp  Gruppe VIII: Schreibschriften. Diese Gruppe umfasst sämtliche Schreibschriften, die jemals in Bleilettern gegossen oder zu Computerzeichensätzen gemacht wurden. Beispiele sind KünstlerScript oder Zapf Chancery.
gp  Gruppe IX: Handschriftliche Antiqua. Diese Gruppe versammelt Antiqua-Schriften, die nicht ganz Schreibschrift, aber auch keine richtigen Druckschriften sind; sie liegt etwa zwischen den Formen der Gruppen VII und VIII. Beispiele sind Comic Sans, Momberg oder Mistral.
gp  Gruppe X: Gebrochene Schriften. In dieser Gruppe sind sämtliche Varianten der Frakturschrift und verwandte Formen wie die Gotische und die Schwabacher versammelt. Während die Fraktur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als »Paralleluniversum« der Schriftkultur existierte, ließ ihre Bedeutung nach dem 2. Weltkrieg stark nach. Heute werden fast nur noch die Titel mancher Tageszeitungen in solchen Schriften gesetzt. Einige Schriften der Gruppe X sind Fraktur, Old English Text oder San Marco.
gp  Gruppe XI: Fremde Schriften. Die letzte Gruppe umfasst sämtliche nicht lateinischen Schriftzeichen wie Chinesisch, Arabisch, Hebräisch, Kyrillisch oder Griechisch. Die Gruppe bemüht sich nicht um eine Unterscheidung der verschiedenen Schriftsysteme oder Schriftarten, sondern steht einfach für »Sonstiges«.

Auswahl von Schriften

Ein typischer Anfängerfehler beim Erstellen von Dokumenten ist die Verwendung zu vieler verschiedener Schriften oder von Schriften, die nicht zusammenpassen. Es gibt zwei gängige Möglichkeiten, ein Dokument typographisch vernünftig zu setzen:

gp  Eine Schriftfamilie verwenden. Wenn Sie sich für eine gut ausgebaute Schriftfamilie entscheiden, stehen Ihnen genügend verschiedene Schnitte für die verschiedenen Textauszeichnungen wie Überschriften, Fließtext, betonte Wörter oder Zitate zur Verfügung. Es besteht keine Notwendigkeit, mehrere Schriftarten zu verwenden. Zu einer voll ausgestatteten Schriftfamilie gehören mindestens drei verschieden fette Zeichensätze in normal und kursiv, darüber hinaus sollten auch echte Kapitälchen verfügbar sein.
gp  Eine Schrift für Überschriften, eine weitere für Fließtext. Diese Vorgehensweise kommt relativ häufig zum Einsatz. Besonders oft wird eine Serifenschrift für Fließtext und eine serifenlose für Überschriften verwendet. Wenn Sie diese Variante wählen, müssen Sie darauf achten, dass die gewählten Schriften sich genügend stark voneinander unterscheiden. Zwei Schriften aus derselben Gruppe oder mit sonstigen auffälligen Ähnlichkeiten werden im direkten Nebeneinander als unharmonisch empfunden.

Beachten Sie aber, dass dies lediglich Faustregeln sind. Selbstverständlich gibt es begründete Ausnahmen, in denen zum Beispiel drei verschiedene Schriften verwendet werden können. Im Grunde ist es mit der Typographie wie mit jedem Handwerk: Wenn Sie es neu erlernen, müssen Sie zunächst sämtliche wichtigen Regeln studieren und sich daran halten. Wenn Sie später mit sehr viel praktischer Übung genügend Erfahrung gesammelt haben, können Sie sich im Einzelfall Gedanken darüber machen, ob das Brechen einer bestimmten Regel sinnvoll sein könnte.

Kürzer gesagt: Das solide Handwerk hält sich an die Regeln, das echte Kunstwerk interpretiert sie dagegen freier oder definiert sie bei Bedarf neu. Das ist etwas ganz anderes als das Verhalten von Anfängern, die Regeln missachten, weil sie ihnen nicht bekannt oder nicht geläufig sind.

Mikrotypographie

An dieser Stelle werden einige wichtige Regeln zusammengefasst, die beim Setzen von Text zu beachten sind. Die Vorgaben für den Satz einzelner Zeichen werden als Mikrotypographie bezeichnet. Viele dieser Regeln sind DIN-genormt, andere sind dagegen einfach Konvention. In der vorliegenden Form gilt die Liste vor allem für deutschen Text, für andere lateinisch geschriebene Sprachen können leicht abgewandelte Regeln gelten.

gp  Die Satzzeichen Punkt und Komma stehen unmittelbar am vorigen Wort. Dahinter folgt ein normaler Wortabstand.
gp  Andere Satzzeichen wie Doppelpunkt oder Fragezeichen halten ein wenig Abstand zum vorigen Zeichen (allerdings viel weniger als einen ganzen Wortabstand); auch hinter diesen Satzzeichen folgt ein gewöhnlicher Wortabstand.
gp  Der Trennstrich (Divis) ist ein sehr kurzer Strich. Bei Wort- oder Silbentrennungen steht er eng am vorderen Wort. Als Bindestrich verbindet er beide Wörter ohne Abstand.
    Beispiele: Trenn- und Bindestriche; Friedrich-Schiller-Str.
       
gp  Der Gedankenstrich ist in deutschen Texten ein Halbgeviert lang. Die Abstände zu den Wörtern davor und dahinter sind etwas geringer als der normale Wortabstand. Derselbe Strich kann auch bei Zahlen als Ersatz für das Wort »bis« stehen und wird dann ohne Abstand geschrieben.
    Beispiele: Einerseits – andererseits; 5–7 Sätze.
       
gp  Anführungszeichen werden im Deutschen durch „Gänsefüßchen“ dargestellt (›99‹ unten, ›66‹ oben). Manchmal – wie in diesem Buch – werden auch »französische Anführungszeichen« gesetzt, weil sie sich in gedruckte Texte harmonischer einfügen. Die Bezeichnung »französische Anführungszeichen« ist insofern verkehrt, als sie in deutschen Texten mit der Spitze nach innen stehen, in französischen dagegen andersherum: « Qu’est-ce que c’est? ».
    Die "geraden Anführungszeichen", die in diesem Buch in Programmlistings eingesetzt werden, haben in normalen Texten übrigens nichts zu suchen.
       
gp  Bei Zahlen können je drei Stellen von rechts an durch einen Punkt voneinander getrennt werden. Dezimalstellen werden durch ein Komma abgetrennt.
    Beispiel: 3.157.250 oder 2.123,99 EUR.
       
gp  Telefonnummern werden laut DIN-Norm von rechts an in Zweiergruppen geschrieben, der Abstand zwischen den Gruppen kann dabei reduziert werden. Dasselbe gilt für die Vorwahl. Die Vorwahl wird von der Telefonnummer durch einen Schrägstrich getrennt oder steht in Klammern.
    Beispiele: 5 67 89 01; 0 40 / 2 34 56 78 oder 01 72 / 6 12 34 56.
       
gp  Postleitzahlen und Jahreszahlen dürfen nicht unterteilt werden.
    Beispiele: 50668 Köln oder 2003.
       

Zeile und Absatz

Der gesamte Bereich, den der Text auf einer Druckseite einnimmt, wird als Satzspiegel bezeichnet. Wie der Satzspiegel auf der Seite platziert werden kann, wird im nächsten Unterabschnitt erläutert. An dieser Stelle geht es zunächst einmal um den Textfluss selbst, um das Setzen von Zeilen und Absätzen.

Jedes Textverarbeitungs- oder Layoutprogramm beherrscht heutzutage den automatischen Zeilenwechsel, der immer dann stattfindet, wenn ein Wort über den rechten Rand des Satzspiegels hinausragen würde. Wahrscheinlich erscheint Ihnen dieser Umstand selbstverständlich, weil Sie es gewöhnt sind, mit solcher Software zu arbeiten.

Früher war das aber völlig anders. Bei der Schreibmaschine bestand die einzige Kontrolle für das Zeilenende aus der »Glocke«, die einige Zeichen vor dem Erreichen des rechten Randes ertönte, sodass man sich meist noch rechtzeitig für einen Zeilenumbruch oder eine Silbentrennung entscheiden konnte. Und in klassischen Texteditoren scrollte der Text üblicherweise einfach nach links weg, wenn man rechts zu viele Zeichen eingab.

In modernen Programmen gibt es dagegen drei verschiedene Arten, eine neue Zeile zu beginnen:

gp  Der bereits erwähnte automatische Wortumbruch findet statt, wenn der rechte Zeilenrand überschritten wird.
gp  Der Absatzwechsel, in den meisten Programmen hervorgerufen durch die große (Enter)-Taste im alphanumerischen Block der Tastatur, erzeugt einen neuen Absatz.
gp  Der einfache Zeilenwechsel innerhalb eines Absatzes (auch weiche Zeilenschaltung genannt) wird in InDesign, QuarkXPress oder Microsoft Word durch die Tastenkombination (Shift) + (Enter) erzeugt.

Typische Fehler bei Zeilen und Absätzen Im professionellen Desktop Publishing müssen Sie sich die weit verbreitete Textverarbeitungsunsitte abgewöhnen, einen einfachen Zeilenwechsel durch einmaliges Drücken von (Enter) und einen neuen Absatz durch zweimaliges Drücken zu erzeugen. Der volle doppelte Zeilenabstand ist als Absatztrennung viel zu groß (Faustregel: höchstens das Anderthalbfache des normalen Zeilenabstands). Die unterschiedlichen Abstände, die für gewöhnliche Absätze und vor oder nach Überschriften benötigt werden, werden in Layoutprogrammen über die Definition von Absatzformaten eingestellt. Auch andere Absatzkennzeichnungen wie zum Beispiel Einzüge können dort definiert werden. Für ein und denselben Absatz sollte übrigens auch dann eine gemeinsame Einstellung möglich sein, wenn ein erzwungener Zeilenwechsel darin vorkommt. Da (Enter) aber einen neuen Absatz erzeugt, können die beiden getrennten Absätze nicht mehr automatisch in einem formatiert werden. Ein weiterer, sogar noch schlimmerer Fehler besteht darin, Fließtextzeilen durch manuelle Zeilenwechsel abzuschließen. In diesem Fall spielt es keine Rolle, ob Absatzwechsel oder weiche Zeilenschaltungen verwendet werden, es ist in beiden Fällen verkehrt. Das merken Sie aber möglicherweise erst viel später beim Hinzufügen oder Entfernen von Text, vielleicht auch erst dann, wenn Sie zufällig die Breite des Satzspiegels oder die Schriftgröße ändern. Plötzlich sitzen die erzwungenen Umbrüche nicht mehr am jeweiligen Zeilenende, sondern irgendwo mitten in den jeweiligen Zeilen, weil zusätzlich automatische Zeilenwechsel hinzugekommen sind. Die einzigen Textarten, bei denen jede Zeile durch einen manuellen Zeilenwechsel abgeschlossen wird, sind Gedichte oder schmucklose Auflistungen.

Eine wichtige Eigenschaft von Absätzen ist die Ausrichtung. Insgesamt lassen sich vier verschiedene Arten der Absatzausrichtung unterscheiden:

gp  Linksbündige Ausrichtung: Das erste Zeichen jeder Zeile beginnt auf der linken Seite exakt an derselben Stelle, die Zeichen sind bündig am linken Rand des Satzspiegels ausgerichtet. Auf der rechten Seite gibt es einen wechselnden Zeilenfall (Flattersatz).
gp  Rechtsbündige Ausrichtung: Bei dieser Variante stehen die Zeichen am rechten Rand bündig auseinander, auf der linken Seite ist der Zeilenanfang dagegen variabel.
gp  Zentrierte Ausrichtung: Beim zentrierten Satz werden die Zeilen an einer mittleren Achse untereinander ausgerichtet. Von der Mittelachse aus gemessen besitzt also jede Zeile dieselbe Länge nach links wie nach rechts.
gp  Blocksatz: Alle Zeilen eines Absatzes besitzen dieselbe Länge. Dies wird durch einen Ausgleich der Zeichen- und Wortabstände ermöglicht. Die Silbentrennung sorgt dafür, dass es weniger Zeilen mit allzu großen Lücken gibt.

Die beiden gängigsten Arten der Absatzausrichtung sind linksbündiger Satz und Blocksatz. Dabei sollte die linksbündige Ausrichtung vor allem für Briefe und andere kürzere Dokumente verwendet werden. Auch bei einem besonders kurzen Satzspiegel, zum Beispiel bei mehrspaltigem Satz, kann linksbündiger Satz angebracht sein, weil sich sehr kurze Zeilen trotz effizienter Silbentrennung nicht gut aufteilen lassen.

Blocksatz

Blocksatz ist die bevorzugte Satzvariante für Bücher, Zeitschriften und andere Massendrucksachen. In Tageszeitungen wird trotz der recht kurzen Spalten ebenfalls Blocksatz eingesetzt. Dies ermöglicht relativ eng nebeneinander stehende Spalten, weil die Spaltengrenzen auf beiden Seiten gut erkennbar sind.

Damit Blocksatz vernünftig aussieht und keine allzu großen Lücken aufweist, ist bei größeren Textmengen eine gut funktionierende automatische Silbentrennung erforderlich. Inzwischen verfügen die verschiedenen Programme über Trennalgorithmen, die nur sehr wenige Fehler machen. Dennoch gehört es zu Ihrer Sorgfaltspflicht, selbst bei umfangreichen Texten alle durchgeführten Silbentrennungen auf Korrektheit zu überprüfen, denn immer wieder gibt es Fremdwörter, besonders seltene Wörter oder einzelne Sätze in Fremdsprachen, für die in einem Layoutprogramm keine Trennregeln vorhanden sind.

Sie sollten auch darauf achten, dass nicht zu viele aufeinander folgende Zeilen durch Trennstriche abgeschlossen werden. Die meisten Programme können Sie so einstellen, dass sie automatisch einen vernünftigen Wert für maximal erlaubte aufeinander folgende Trennungen einhalten; eine sehr häufige Wahl sind drei Zeilen.

Im Übrigen ist es eine gute Idee, in längere Wörter von vornherein optionale Trennstriche einzufügen. Dieses spezielle Zeichen ist nur dann sichtbar, wenn es sich als Trennstrich verwenden lässt. In InDesign wird der optionale Trennstrich durch die Tastenkombination (STRG) + (Shift) + (–) erzeugt (Mac: (Apfel) + (Shift) + (-)). In Word und QuarkXPress wird (STRG) + (–) (Windows) beziehungsweise (Apfel) + (–) (Mac) verwendet.

Zeilenfall

Beim linksbündigen Flattersatz müssen Sie darauf achten, dass der Zeilenfall (die unterschiedlichen Zeilenlängen) sich an bestimmte Vorgaben hält:

gp  Mehr als zwei aufeinander folgende Zeilen sollten nach Möglichkeit nicht gleich lang sein.
gp  Eine über mehrere Zeilen gleichmäßig anwachsende oder abfallende Zeilenlänge (Treppeneffekt) sollte vermieden werden. Überhaupt sollten Sie alle rhythmischen Abfolgen vermeiden, die beabsichtigt aussehen könnten – solche Zeilenfolgen sind der Lyrik beziehungsweise der konkreten Poesie vorbehalten.
gp  Viel zu kurze Zeilen, die durch ein sehr langes Wort entstehen, das nicht mehr in die Zeile passt, sollten ebenfalls nicht verwendet werden. Hier schafft, wie beim Blocksatz, die Silbentrennung Abhilfe.

Rechtsbündiger und zentrierter Satz sollten nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden. Rechtsbündig werden in normalen Dokumenten nur ganz wenige, spezielle Informationen gesetzt: Ort und Datum zu Beginn eines Briefes oder Orientierungshilfen in Form der aktuellen Absatzüberschrift am Kopf oder am Fuß einer rechten Druckseite. Ansonsten ist rechtsbündiger Text eigentlich nur für Schriften geeignet, die von rechts nach links geschrieben werden, zum Beispiel Hebräisch oder Arabisch.

Zentrierter Satz kann vereinzelt auf speziellen Schmuckseiten mit wenig Text verwendet werden, zum Beispiel für ein Motto oder eine Widmung in einem Buch. Diese Satzform wurde in den Anfangstagen des World Wide Web inflationär auf Webseiten eingesetzt, gehört aber auch dort nur in Ausnahmefällen hin. In manchen Zeitschriften oder Büchern werden Absatzüberschriften zentriert gesetzt – zu manchen, in der Regel eher traditionellen Layouts passt das gut.

Hurenkinder und Schusterjungen

Im Zusammenhang mit Absätzen müssen Sie zusätzlich auf ein ganz anderes Problem achten: Es sieht sehr unästhetisch aus, wenn die erste Zeile eines neuen Absatzes am Fuß einer Spalte oder Seite steht (im Setzerjargon ein »Schusterjunge«) oder wenn die letzte Zeile des Absatzes allein in der nächsten Spalte oder auf der nächsten Seite landet (»Hurenkind« genannt).

Dieses Problem ist so verbreitet, dass die meisten Programme einen speziellen Schutz davor anbieten: Sie können bei der Definition von Absatzformaten dafür sorgen, dass eine bestimmte Mindestzahl von Zeilen eines Absatzes automatisch zusammengehalten wird. Der Absatz wandert also im Zweifelsfall eher komplett in die nächste Einheit, als dass weniger Zeilen als die angegebene Mindestzahl allein bleiben.

Eine ähnliche Schwierigkeit bereiten übrigens Überschriften. Natürlich gehört eine Überschrift über den Absatz, den sie betitelt, und nicht für sich allein auf die vorige Seite. In guten Layout- oder Textverarbeitungsprogrammen können Sie deshalb auch einstellen, dass ein Absatz mit dem darauf folgenden oder mit dem vorigen zusammenbleiben soll.


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9.1.2 Grundlagen der Gestaltung  toptop

Neben der bisher behandelten korrekten Verwendung von Zeichen und Abständen sowie dem richtigen Umgang mit Schrift gibt es eine Reihe von Grundregeln für die Gestaltung von Dokumenten und anderen Drucksachen. Diese Regeln betreffen unter anderem die Flächenaufteilung, die Abgrenzung verschiedener Bereiche voneinander oder den Umgang mit Farben, Rahmen und Linien. Selbstverständlich gibt es auch bei Beachtung der wichtigsten Gestaltungsprinzipien viele unterschiedliche kreative Möglichkeiten.

Das Papierformat

Beim Platzieren von Text, Bildern und Schmuckelementen auf einer Druckseite ist es sehr wichtig, sie entsprechend der gewünschten Aussage zu verteilen. Spannung oder Ruhe, Dynamik oder Statik werden durch unterschiedliche Flächenaufteilungen erzielt. Von Bedeutung sind dabei nicht nur die Bereiche, die mit Inhalten gefüllt werden, sondern auch diejenigen, die aus Kontrastgründen frei bleiben.

Die Aufteilung der Fläche beginnt bereits bei der Auswahl des Papierformats: Verschiedene Blattgrößen und -proportionen und die Entscheidung zwischen Hoch- und Querformat transportieren schon für sich eine bestimmte Aussage oder Stimmung und bilden vor allem den Rahmen für die spätere Platzierung der Inhaltselemente.

DIN-Papierformate

Für Briefe und andere Bürodokumente gibt es eigentlich nur eine Wahl: das Standardformat DIN A4. Seine Größe ist 210 x 297 mm; das Seitenverhältnis aller Formate der DIN-Formatreihe A beträgt 1:Ö2 (etwa 1:1,4143), was als recht harmonisch und ausgewogen empfunden wird. Diese Dokumentformate basieren zwar auf der deutschen Norm DIN 476, sind aber inzwischen international gebräuchlich. Die Formatreihe A beginnt mit A0, das 841 x 1.189 mm groß ist. Jedes weitere Format ist genau ein halber Bogen des vorherigen; bei A8 beträgt die Größe nur noch 52 x 74 mm. Weitere DIN-Formatreihen sind übrigens B für Umschläge und C für Verpackungen. Tabelle 9.2 zeigt eine Übersicht über die einzelnen Formate der DIN-Reihen.


Tabelle 9.2   Übersicht über die wichtigsten DIN-Papierformate in mm

Format A (Papierbögen) B (Umschläge) C (Verpackungen)
0 841 x 1.189 1.000 x 1.414 917 x 1297
1 594 x 841 707 x 1.000 648 x 917
2 420 x 594 500 x 707 458 x 648
3 297 x 420 353 x 500 324 x 458
4 210 x 297 250 x 353 229 x 324
5 148 x 210 176 x 250 162 x 229
6 105 x 148 125 x 176 114 x 162
7 74 x 105 88 x 125 81 x 114
8 52 x 74 62 x 88 57 x 81

Andere Papierformate, die nicht in das DIN-Schema passen, sind zum Beispiel das traditionelle amerikanische Briefformat US-Letter (etwas kürzer als A4) oder das international gebräuchliche Scheckkartenformat 86 x 54mm.

Auch für Tageszeitungen gibt es einige festgelegte Formate:

gp  Berliner Format: 315 x 470 mm
gp  Rheinisches Format: 360 x 530 mm
gp  Nordisches Format: 400 x 570 mm

Als sehr harmonisch werden nach der klassischen Gestaltungslehre alle Formate empfunden, die auf dem goldenen Schnitt basieren, dem bereits seit der Antike bekannten 5:8-Format (umgerechnet 1:1,618). Dieses Verhältnis wird nicht besonders häufig für Seitenformate eingesetzt, aber dafür umso öfter für die Proportionen verschiedener Elemente auf der Druckseite.

Anordnung von Elementen

Gleiche Elemente, die auf den verschiedenen Bereichen einer Druckseite angeordnet werden, werden von Betrachtern nicht an jeder Stelle als gleich groß empfunden. Das rechte untere Viertel wird als besonders »schwer« oder betont wahrgenommen, das linke obere dagegen als »leicht«. Der Grund für diese spezielle Wahrnehmungsverschiebung ist die seit frühester Kindheit eingeübte Gewohnheit, Zeilen von oben nach unten und Buchstaben von links nach rechts zu lesen; der Text »fällt« förmlich nach rechts unten.

Der Kontrast wird deutlich, wenn Sie sich gedruckte Dokumente aus anderen Schreibkulturen ansehen: Eine arabische oder japanische Zeitschrift wirkt nicht nur wegen der völlig unterschiedlichen Schriftzeichen »anders«, sondern auch wegen der Schreibrichtung von rechts nach links, die zu einer umgekehrten Flächenaufteilung führt. Für europäische Leser wirkt eine Anordnung von Elementen auf der Diagonalen von links oben nach rechts unten harmonisch. Die umgekehrte Diagonale wird eher als spannungsgeladen wahrgenommen. Für Leute, die das Lesen von rechts nach links gewöhnt sind, ist es dagegen genau umgekehrt.

Optische Mitte

Aus demselben Grund wird bei einer Seite zwischen der tatsächlichen und der optischen Mitte unterschieden. Letztere liegt etwa 10% höher als die tatsächliche Mitte. Auch der Satzspiegel wird meistens etwas weiter oben auf der Seite platziert, der obere Rand ist niedriger als der untere.

Wie die einzelnen Bestandteile auf der Seite verteilt werden, hängt letztlich von ihrer absoluten und relativen Größe und vom Verwendungszweck ab. Die folgende Aufzählung enthält einige grundlegende Angaben für wichtige Kategorien von Printmedien:

gp  Bei Romanseiten ist es verhältnismäßig einfach – es müssen lediglich der Satzspiegel und eine Seitenzahl platziert werden. Aber bereits dafür gibt es viele verschiedene Möglichkeiten: Die Seitenzahl kann oben oder unten stehen, jeweils in der Seitenmitte oder bündig am Außenrand des Satzspiegels und so weiter.
gp  Fachbücher enthalten neben dem Satzspiegel auch Abbildungen, Tabellen und (im speziellen Fall eines EDV-Buchs wie diesem) Programmlistings. Strukturhilfen wie hierarchisch gegliederte Überschriften und Marginalien sorgen für mehr Übersicht. Die Aufteilung der Elemente kann ziemlich geradlinig erfolgen, wie im vorliegenden Band. Für manche Fachgebiete bietet sich dagegen eine aufgelockertere Verteilung an – beispielsweise für die Bände der Reihe Galileo Design, die aufgrund ihrer Thematik schon fast Bildbände sind.
gp  Zeitschriften sind je nach Themenbereich und Zielgruppe sehr unterschiedlich ausgestattet. Beispielsweise ist der Satz von Nachrichtenmagazinen und Fachzeitschriften relativ schlicht und übersichtlich, während es in Unterhaltungszeitschriften oft ziemlich turbulent zugeht – der Satzspiegel wird oft durch außer der Reihe angeordnete Elemente aufgelockert.
gp  Tageszeitungen besitzen ein sehr klares und übersichtliches Satzbild, das nur wenige Überraschungen bringt. In der Regel sind sie mit sechs bis acht Spalten ausgestattet; Überschriften überspannen die gesamte Spaltenzahl eines Artikels, Abbildungen oft mehrere Spalten. Bestimmte Sonderartikel werden durch Rahmen oder farbliche Hinterlegung hervorgehoben. Diese Grundregeln gelten sowohl für seriöse Tagsezeitungen als auch für Boulevardblätter; Letztere sind lediglich erheblich bildlastiger.
gp  Kataloge, Broschüren und Verkaufsprospekte liegen etwa in der Mitte zwischen Zeitschrift und Werbeanzeige. Es sollte darauf geachtet werden, den Betrachter nicht durch zu viel Text zu erschlagen; eine aufgelockerte und abwechslungsreiche Anordnung von Text und Bildern ist wichtig. Dies wird allerdings bei schnell produzierten Massenwerbezetteln als Aufforderung missverstanden, ein völliges Durcheinander von Bildern, schlecht zuzuordnenden Beschriftungen und oft unpassenden grafischen Schmuckelementen zu produzieren.
gp  Werbeanzeigen müssen sich von allen Print-Layouts die meiste Mühe geben: Alle anderen Drucksachen werden zunächst wegen ihres Inhalts gelesen, die Werbung möchte dagegen auch dann auf sich aufmerksam machen, wenn der Inhalt Sie eigentlich nicht interessiert. Deshalb ist der Anspruch bei der Auswahl passender Bilder oder Schriften und bei der Aufteilung der verschiedenen Bestandteile auch viel größer als bei den restlichen Printmedien. Hinzu kommt, dass auf einer relativ großen Fläche relativ wenig Inhalt harmonisch und geschmackvoll verteilt werden muss.

Umfließen von Elementen

Bei der Anordnung von Bildern und Schmuckelementen, die nicht die gesamte Spalten- oder Satzspiegelbreite einnehmen, ist die Frage wichtig, welche Art des Umfließens gewählt werden soll. Dieser Begriff bezeichnet das Verhalten von Text, der um ein Bild herum platziert wird. Der Text kann entweder das Begrenzungsrechteck des Bildes oder dessen Kontur umfließen, und das einseitig oder beidseitig. Wenn Sie die Kontur eines Bitmap-Bildes für das Umfließen kennzeichnen möchten, müssen Sie sie mit einem Beschneidungspfad versehen.

Eine weitere interessante Variante für die Platzierung von Bildern oder Grafiken ist der Anschnitt: Das Bild beginnt ohne Beachtung des Seitenrandes unmittelbar an der Kante einer Seite, ein Teil des Inhaltes wird dabei weggelassen. Diese Art der Bilddarstellung sorgt für eine gewisse Dynamik und Auflockerung des Layouts, ist aber nicht für alle Arten von Bildern geeignet: Ein Personenporträt oder die explizite Abbildung eines Objekts, von dem ein Artikel handelt, sollten in der Regel nicht im Anschnitt stehen. Eine gute Wahl ist der Anschnitt dagegen etwa für weitläufige Panoramen, die Darstellung dynamischer Vorgänge oder für manche grafischen Schmuckelemente wie Pfeile und Linien.

Rahmen, Linien, Pfeile und Schmuckelemente

Neben den bereits beschriebenen Texten und Bildern kann eine weitere Art von Objekten in einem Print-Layout platziert werden. Rahmen dienen der Abgrenzung von Bereichen mit besonderer Bedeutung. Eine vergleichbare Art der Hervorhebung ist übrigens die farbliche Hinterlegung, die an dieser Stelle ebenfalls behandelt wird. Linien können vielfältige Beziehungen zwischen Objekten herstellen, den Raum aufteilen, Spannung, Dynamik oder Ordnung schaffen. Pfeile sind eine Steigerung der Linie, weil sie in eine bestimmte Richtung weisen. Schließlich gibt es noch zahlreiche Arten von Schmuckelementen wie Punkte, Sterne oder Ornamente. Auch Initiale, also stark betonte Anfangsbuchstaben von Absätzen, gehören dazu.

Rahmen und Linien

Bei Rahmen ist besonders darauf zu achten, dass die Form des gewählten Rahmens zum Inhalt passt. Allzu leicht erreichen Sie einen Todesanzeigen- oder Ausschneidecoupon-Effekt. In den meisten Fällen ist ein dünner, gerader, einfacher Rahmen völlig ausreichend. Spezielle Schmuckrahmen passen nur für besondere Dokumente wie zum Beispiel Urkunden. In einem durchschnittlichen Layout sollten Sie ohnehin eher einen farbig hinterlegten Kasten bevorzugen. Bei diesem müssen Sie allerdings wiederum auf genügend Kontrast zur Schriftfarbe achten, damit die Lesbarkeit nicht beeinträchtigt wird.

Linien werden oft regulär im Layout eingesetzt, um den oberen oder unteren Rand des Satzspiegels von Kopf- oder Fußzeilen abzutrennen oder um Zwischenüberschriften nach oben und unten abzugrenzen. Darüber hinaus können sie auf vielfältige Weise außer der Reihe benutzt werden, um auf spezielle Inhalte hinzuweisen oder um besondere Elemente zu verbinden oder zu trennen. Eine noch stärkere Wirkung erzielen in diesem Zusammenhang Pfeile, mit denen Sie allerdings sparsam umgehen sollten.

Die Bedeutung von Ornamenten ist im modernen Layout erheblich zurückgegangen. Funktionale Schmuckelemente wie Punkte oder besondere Aufzählungszeichen sind dagegen recht häufig anzutreffen. Beachten Sie, dass solche besonderen Elemente möglicherweise zu viel Aufmerksamkeit auf sich lenken, sie sollten also nur dort eingesetzt werden, wo etwas speziell betont wird. Ähnliches gilt für Initiale: Sie passen gut in kunstvoll aufgemachte Bücher, beispielsweise bestimmte Romane oder Bildbände, oder in das Satzbild hochwertiger, seriöser Zeitschriften. In schlichten, schmucklosen, funktionalen Layouts sind sie dagegen fehl am Platz.






  

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