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Galileo Computing - Professionelle Buecher. Auch fuer Einsteiger.
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Kompendium der Informationstechnik
 von Sascha Kersken
EDV-Grundlagen, Programmierung, Mediengestaltung
Buch: Kompendium der Informationstechnik
gp Kapitel 4 Betriebssysteme
  gp 4.1 Entwicklung der Betriebssysteme
    gp 4.1.1 Die Geschichte von UNIX
    gp 4.1.2 PC-Betriebssysteme
  gp 4.2 Aufgaben und Konzepte
    gp 4.2.1 Allgemeiner Aufbau von Betriebssystemen
    gp 4.2.2 Prozessverwaltung
    gp 4.2.3 Speicherverwaltung
    gp 4.2.4 Dateisysteme
  gp 4.3 Linux
    gp 4.3.1 Arbeiten mit der Shell
    gp 4.3.2 Wichtige Systembefehle
    gp 4.3.3 Editoren
    gp 4.3.4 Grafische Benutzeroberflächen
    gp 4.3.5 Linux-Installation und -Konfiguration
  gp 4.4 Mac  OS X
    gp 4.4.1 Mit Aqua arbeiten
    gp 4.4.2 Systemkonfiguration
  gp 4.5 Mac  OS 9
    gp 4.5.1 Die Oberfläche von Mac  OS 9
    gp 4.5.2 Systemkonfiguration
  gp 4.6 Windows
    gp 4.6.1 Die verschiedenen Windows-Versionen
    gp 4.6.2 Die Windows-Benutzeroberfläche
    gp 4.6.3 Die Windows-Konsole
    gp 4.6.4 Windows-Konfiguration
  gp 4.7 Zusammenfassung

gp

Prüfungsfragen zu diesem Kapitel (extern)


Galileo Computing

4.5 Mac  OS 9  downtop

Als der Macintosh 1984 eingeführt wurde, waren die Anwender begeistert von der grafischen Benutzeroberfläche, die das Arbeiten einfach und komfortabel machte. Davon inspiriert, entwickelten nun alle Betriebssystemhersteller eigene grafische Oberflächen für ihre Systeme.

In den folgenden Jahren wurde der Komfort der Bedienoberfläche von Mac  OS weiter gesteigert. Technisch dagegen fand die letzte wirkliche Weiterentwicklung in den frühen 90er-Jahren statt, als die neuen PowerMac-Modelle mit dem modernen RISC-Prozessor PowerPC ausgestattet wurden statt mit den Motorola-68x00-Prozessoren der klassischen Macs. Aus Kompatibilitätsgründen wurden anfangs große Teile von Betriebssystem und Anwendungsprogrammen im Motorola-68K-Emulationsmodus ausgeführt, der alte Motorola-Prozessor wurde also per Software auf dem PowerPC nachgebildet.

Erst nach und nach wurden Funktionen durch Alternativen in »echtem« PowerPC-Code ergänzt. Die letzte Mac  OS-Version, die noch auf Nicht-PowerMacs lief, war 8.1. In Mac  OS 9 wird der 68K-Emulationsmodus überhaupt nicht mehr verwendet.

Technisch veraltet

Trotz dieser Neuerung bietet Mac  OS 9 noch immer keinen Speicherschutz und kein modernes Speichermanagement. Darüber hinaus wird lediglich das relativ instabile kooperative Multitasking verwendet: Jedes Programm entscheidet selbst, wie lange es die Rechenzeit des Prozessors benötigt, und gibt erst danach die Kontrolle an das System zurück. Wenn ein Programm in einer solchen Umgebung abstürzt, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass das gesamte System dadurch instabil wird – Sie sollten danach die Daten sämtlicher Programme speichern und das System neu starten.


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4.5.1 Die Oberfläche von Mac  OS 9  downtop

Mac  OS 9 ist das einzige verbreitete Betriebssystem, das nur eine GUI und keinerlei Kommandozeilenoberfläche besitzt. Die Oberfläche wird durch die alte Version des Finders bereitgestellt. Abbildung 4.2 zeigt eine Abbildung des Mac  OS-9-Desktops.


Abbildung 4.2   Die Arbeitsoberfläche von Mac  OS 9

Abbildung
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Die Oberfläche ist ein wenig anders aufgebaut als bei Mac  OS X, dennoch gibt es einige Gemeinsamkeiten: Die Menüleiste befindet sich ebenfalls fest am oberen Bildschirmrand, der Desktop (in der deutschen Version »Schreibtisch« genannt) und die Finder-Fenster funktionieren recht ähnlich. Der auffälligste Unterschied ist das fehlende Dock.

Rechts oben in der Menüleiste, neben der Uhrzeit, befindet sich der Programmumschalter, der zumindest einen Teil der Funktionalität des Docks erfüllt. Sie können damit zwischen den verschiedenen laufenden Programmen wechseln und sie ein- und ausblenden. Wenn Sie mit der Maus daran ziehen, können Sie den Umschalter »abreißen« und ständig offen an einer beliebigen Stelle des Bildschirms ablegen.

Finder-Befehle

Zwei wichtige Tastenkürzel des Finders sind ebenfalls anders als in der neuen Version: Einen neuen Ordner legen Sie mit (Apfel) + (N) an, einen Alias mit (Apfel) + (M). Die Symbol- und die Listenansicht von Ordnern funktionieren wie bei Mac  OS X. Die Spaltenansicht wird dagegen nicht angeboten, dafür gibt es eine zusätzliche Ansicht der Elemente als Buttons, die per Einzelklick aktiviert werden können. Zwischen diesen Optionen können Sie im Menü Darstellung des Finders hin- und her wechseln.

In der alten Mac  OS-Oberfläche sind die Fenster-Bedienelemente anders angeordnet als unter Aqua. Links oben befindet sich der Button zum Schließen; rechts oben liegen die Schaltflächen zum Minimieren beziehungsweise zum Wechseln der Größe. Das Minimieren blendet den Inhalt eines Fensters außer der Titelleiste aus.

Wenn Sie ein Finder-Fenster an seiner Titelleiste ganz an den unteren Bildschirmrand ziehen, wird es dort permanent angedockt und kann durch einen einfachen Klick auf- und zugeklappt werden. Mit den Fenstern von Anwendungsprogrammen klappt dies leider nicht.

Ein weiteres Bedienelement auf dem Desktop ist die Kontrollleiste. Sie enthält Kurzbefehle für einige häufig genutzte Einstellungen wie beispielsweise die Lautstärke, die Monitorauflösung oder die Farbtiefe. Mit gedrückter (ALT)-Taste können sie sie an eine andere Position verschieben.

Einen völlig anderen Aufbau als bei Mac  OS X besitzt das Apple-Menü: Es enthält nicht nur festgelegte Optionen wie den Zugriff auf benutzte Programme und Dokumente, sondern Sie können dort zusätzlich beliebige Aliase unterbringen. Der Inhalt des Menüs befindet sich im Verzeichnis Apple-Menü im Systemordner. Der Systemordner enthält sämtliche Bestandteile des Betriebssystems und befindet sich auf der Festplatte oder dem sonstigen Datenträger, von dem das System gestartet wurde – erkennbar ist dieser Datenträger daran, dass er sich ganz rechts oben auf dem Desktop befindet.

Auch ansonsten verhält sich die Datei- und Verzeichnisordnung ein wenig anders als unter dem neuen Betriebssystem: Es gibt keinen gemeinsamen Verzeichnisbaum wie unter UNIX, jeder Datenträger bildet seine eigene Verzeichnishierarchie. Das Trennzeichen für Pfade ist nicht der Slash, sondern ein Doppelpunkt – allerdings bekommen Sie ihn relativ selten zu Gesicht, da vollständig ausgeschriebene Pfadangaben in einer grafischen Oberfläche nicht so häufig vorkommen. Die maximale Länge für Dateinamen beträgt hier nur 31 Zeichen.


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4.5.2 Systemkonfiguration  toptop

Statt des einheitlichen Systemeinstellungen-Dialogs bietet Mac  OS 9 einzelne Programme, die als Kontrollfelder bezeichnet werden. Diese befinden sich im gleichnamigen Unterordner des Systemordners, ein schneller Zugriff ist über das Apple-Menü möglich.

Das wichtigste Kontrollfeld ist Erweiterungen ein/aus: Treiber und bestimmte Funktionen, die über die Basiskonfiguration von Mac  OS 9 hinausgehen, werden als Systemerweiterungen zur Verfügung gestellt und befinden sich ebenfalls in einem Ordner dieses Namens. Dieser Dialog bietet die Möglichkeit, zu konfigurieren, welche Erweiterungen und welche Kontrollfelder beim nächsten Systemstart und in Zukunft gebootet werden sollen.

Diese Funktionalität kann nützlich sein, um nicht mehr verwendete Gerätetreiber zu entfernen oder um Probleme zu beseitigen. Mitunter startet das System wegen eines Gerätedefekts oder eines Treiberkonflikts nicht, sondern gibt noch vor dem Start eine Fehlermeldung aus und stürzt ab. Mac  OS-9-Fehlermeldungen sind numerisch und meist nicht besonders hilfreich. Wenn Sie das System gar nicht erst starten können, hilft oft Folgendes: Starten Sie den Computer mit gedrückter (Shift)-Taste. Halten Sie (Shift) so lange gedrückt, bis Sie die Meldung »Erweiterungen deaktiviert« erhalten. Nun startet das Betriebssystem völlig ohne Systemerweiterungen. Mit Erweiterungen ein/aus können Sie nun nacheinander die verdächtigen Geräte oder Treiber deaktivieren, bis das System wieder normal startet. Den schuldigen Treiber müssen Sie anschließend aktualisieren, wenn ein defektes Gerät schuld war, ist allerdings eine Reparatur fällig.

Weitere Kontrollfelder ermöglichen beispielsweise die folgenden Einstellungen: Monitore regelt die Bildschirmeigenschaften; File Exchange bietet diverse Optionen für das Öffnen von Windows-Datenträgern und -Dateien; Apple-Menü-Optionen steuert den Aufbau des Apple-Menüs und Erscheinungsbild das Aussehen des Schreibtischs, der Fenster und anderer Bedienelemente.

Speichereinstellungen

Ein weiteres wichtiges Kontrollfeld ist Speicher. Hier wird vor allem der virtuelle Speicher aktiviert, falls zu wenig echtes RAM vorhanden ist. Beachten Sie, dass der Wert, den Sie für den virtuellen Speicher einstellen, nicht die zusätzlich auf der Festplatte bereitgestellte Menge bezeichnet, sondern die Summe aus RAM und Zusatzspeicher. Wenn Sie beispielsweise 256 MB RAM besitzen – für aktuelle Mac-Anwendungen erheblich zu wenig –, dann bedeutet der automatisch eingestellte Wert 257, dass nur ein einziges Megabyte von der Festplatte dazugenommen wird! Mindestens den doppelten Wert sollten Sie hier also einstellen; unter 512 MB können Sie wahrscheinlich kaum vernünftig arbeiten.

Unter Apple-Menü • Über diesen Computer erhalten Sie Informationen über die aktuelle Speicherauslastung. Für jedes laufende Programm wird der Speicherbereich angezeigt, der ihm insgesamt zur Verfügung steht. Der Balken darin bedeutet die aktuelle Auslastung. Der Wert »größter freier Block« bezeichnet den maximal freien Speicherbereich, der am Stück vorliegt. Einem Programm, das Sie als nächstes starten, kann höchstens diese Menge an Speicher zugewiesen werden.

Jedes Programm hat unter Mac  OS 9 mit anderen Worten eine fest zugeteilte Speichermenge, genannt Speicherpartition; es kann trotz der Verwendung des virtuellen Speichers nicht dynamisch mehr Speicher anfordern. Wie viel Speicher einem Programm zur Verfügung gestellt werden soll, können Sie allerdings einstellen: Klicken Sie das Icon eines Programms an, das zurzeit nicht läuft, drücken Sie die Tastenkombination (Apfel) + (I) und wählen Sie im erscheinenden Dialog die Einstellung Speicher (oder wählen Sie direkt Ablage • Informationen • Speicher aus dem Menü des Finders). Abbildung 4.3 zeigt den entsprechenden Dialog für das Programm Macromedia FreeHand.


Abbildung 4.3   Einstellung der Speicherzuteilung für ein Programm am Beispiel von Macromedia FreeHand

Abbildung
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An dieser Stelle werden drei Werte angezeigt, zwei davon können Sie ändern: Die empfohlene Größe ist ein vom Hersteller geschätzter Wert, mit dem das Programm in den meisten Fällen gut funktionieren müsste. Die minimale Größe ist die kleinste zur Verfügung stehende Speichermenge, mit der das Programm überhaupt noch startet. Die bevorzugte Größe bezeichnet dagegen den maximalen Wert, den das Programm in Anspruch nimmt, wenn es kann. Sie sollten zunächst die bevorzugte Größe auf einen Wert einstellen, der um etwa 20 bis 30 Prozent größer ist als die empfohlene Größe, und anschließend die minimale Größe mindestens auf die empfohlene (die umgekehrte Reihenfolge ist nicht möglich, weil die minimale Größe die bevorzugte nicht überschreiten darf).

Wenn Sie diese Werte nicht anpassen, laufen Sie Gefahr, Ihre wertvolle Arbeit zu verlieren. Wenn einem Programm der Speicher ausgeht, beginnt es, sich merkwürdig zu verhalten. Mitunter stürzt es mit »Fehler 1« oder »Fehler 2« ab; manchmal können Sie auch einfach die zurzeit bearbeitete Datei nicht mehr speichern.

  

Einstieg in PHP 5

Einstieg in Java

C von A bis Z

Einstieg in C++

Einstieg in Linux

Einstieg in XML

Apache 2




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