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Galileo Computing - Professionelle Buecher. Auch fuer Einsteiger.
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Kompendium der Informationstechnik
 von Sascha Kersken
EDV-Grundlagen, Programmierung, Mediengestaltung
Buch: Kompendium der Informationstechnik
gp Kapitel 4 Betriebssysteme
  gp 4.1 Entwicklung der Betriebssysteme
    gp 4.1.1 Die Geschichte von UNIX
    gp 4.1.2 PC-Betriebssysteme
  gp 4.2 Aufgaben und Konzepte
    gp 4.2.1 Allgemeiner Aufbau von Betriebssystemen
    gp 4.2.2 Prozessverwaltung
    gp 4.2.3 Speicherverwaltung
    gp 4.2.4 Dateisysteme
  gp 4.3 Linux
    gp 4.3.1 Arbeiten mit der Shell
    gp 4.3.2 Wichtige Systembefehle
    gp 4.3.3 Editoren
    gp 4.3.4 Grafische Benutzeroberflächen
    gp 4.3.5 Linux-Installation und -Konfiguration
  gp 4.4 Mac  OS X
    gp 4.4.1 Mit Aqua arbeiten
    gp 4.4.2 Systemkonfiguration
  gp 4.5 Mac  OS 9
    gp 4.5.1 Die Oberfläche von Mac  OS 9
    gp 4.5.2 Systemkonfiguration
  gp 4.6 Windows
    gp 4.6.1 Die verschiedenen Windows-Versionen
    gp 4.6.2 Die Windows-Benutzeroberfläche
    gp 4.6.3 Die Windows-Konsole
    gp 4.6.4 Windows-Konfiguration
  gp 4.7 Zusammenfassung

gp

Prüfungsfragen zu diesem Kapitel (extern)

Kapitel 4 Betriebssysteme

Für uns ist Linux die größte Bedrohung; bei UNIX sind wir Angreifer, bei Linux der, der attackiert wird.
– Steve Ballmer, Microsoft

Damit Anwendungsprogramme auf Computern laufen können, ist ein Betriebssystem erforderlich. Dieses Kapitel beschreibt die theoretischen und praktischen Grundlagen dieser Systeme.

Betriebssysteme erfüllen vor allen Dingen die folgenden Aufgaben:

gp  Prozessmanagement. Die Ressourcen des Computersystems müssen zwischen den verschiedenen laufenden Programmen und Systemaufgaben verteilt werden. Zu diesem Zweck werden die einzelnen Aufgaben als so genannte Prozesse ausgeführt, die vom Betriebssystem als übergeordnetem Steuerprozess verwaltet werden.
gp  Speichermanagement. Obwohl Computersysteme heutzutage über einen vergleichsweise großen Arbeitsspeicher verfügen, finden dennoch oftmals nicht alle Programme und Daten auf einmal Platz darin. Das Speichermanagement sorgt dafür, dass immer die gerade benötigten Speicherinhalte zur Verfügung stehen, ohne dass die Programmierer der Anwendungssoftware sich sonderlich darum kümmern müssten.
gp  Steuerung und Abstraktion der Hardware. Computersysteme sind hochgradig modular aufgebaut; jede Aufgabe kann durch viele verschiedene Geräte unterschiedlicher Hersteller erledigt werden. Betriebssysteme lösen dieses Problem durch den Einsatz der so genannten Gerätetreiber, die die Steuerlogik für bestimmte Hardware enthalten. Vor dem Programmierer werden die konkreten Einzelheiten bestimmter Geräte verborgen, weil es vollkommen unzumutbar wäre, beim Schreiben eines Anwendungsprogramms auf die Besonderheiten hunderter möglicher Geräte einzugehen.
gp  Ein- und Ausgabesteuerung. Computerprogramme sind auf die Eingabe von Daten angewiesen, ihre Benutzer erwarten die Ausgabe von Ergebnissen. Betriebssysteme steuern die Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Ein- und Ausgabekanälen wie Tastatur und Bildschirm, Datenträgern oder Netzwerken.
gp  Dateiverwaltung. Programme und Daten müssen auf einem Computer dauerhaft gespeichert werden, weil der Arbeitsspeicher zu klein ist und vor allem, weil sein Inhalt beim Ausschalten verloren geht. Aus diesem Grund werden Daten in Form von Dateien auf Datenträgern wie Festplatten, CDs oder Disketten gespeichert. Die Logik der Dateiverwaltung wird in Form so genannter Dateisysteme vom Betriebssystem zur Verfügung gestellt, damit alle Programme auf dieselbe Art und Weise darauf zugreifen.
gp  Bereitstellen der Benutzeroberfläche. Ein Spezialfall der Ein- und Ausgabesteuerung besteht im Bereitstellen der Benutzeroberfläche. Das Betriebssystem selbst und alle Programme müssen mit dem Benutzer kommunizieren, um nach dessen Wünschen Aufgaben zu erledigen. Es existieren zwei verschiedene Arten von Benutzeroberflächen: Die dialogorientierte Konsole ermöglicht das dialogbasierte Arbeiten; Benutzer geben per Tastatur Befehle ein und erhalten Antworten. Die Grafische Benutzeroberfläche ermöglicht dagegen die intuitive Erledigung von Aufgaben über das Aktivieren von Schaltflächen, Menüs und Symbolen mit der Maus. So gut wie alle modernen Betriebssysteme besitzen unterschiedlich leistungsfähige Varianten beider Arten von Oberflächen.

Wenn Sie dieses Kapitel durcharbeiten, lernen Sie viel über das Design und die Funktionsweise moderner Betriebssysteme. Außerdem werden mehrere aktuelle Betriebssysteme praktisch vorgestellt. Konkret wird auf Windows XP Professional, Linux und Mac  OS X eingegangen, das völlig anders konzipierte Mac  OS 9 wird zusätzlich kurz angesprochen.

Einen Aspekt der Betriebssysteme lernen Sie in diesem Kapitel noch nicht kennen, weil an dieser Stelle jeder Bezug dazu fehlen würde: Die Netzwerkfunktionen der Betriebssysteme werden erst in Kapitel 14, Netzwerkanwendung, beschrieben. Die Netzwerkfähigkeit ist zwar ein wichtiger Aspekt aller modernen Betriebssysteme, aber diese Reihenfolge der Darstellung ist wichtig, um nicht bestimmte Konzepte mehrmals beschreiben zu müssen.


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4.1 Entwicklung der Betriebssysteme  downtop

In diesem Abschnitt wird kurz die Entstehung und Weiterentwicklung der Betriebssysteme nachgezeichnet. Betriebssysteme im heutigen Sinn wurden erst erforderlich, als Menschen begannen, direkt mit Computern zu kommunizieren.

Die allerersten Computersysteme der 40er und 50er-Jahre wurden über Schalter und Steckverbindungen programmiert. Dem einzigen Programm, das zu einer bestimmten Zeit auf dem Computer lief, standen sämtliche Ressourcen ungeteilt zur Verfügung. Diese Ressourcen waren den Programmierern unmittelbar bekannt, es musste keine Abstraktion der Hardwareressourcen stattfinden. Solche Rechner besaßen überhaupt kein Betriebssystem.

Als die Lochkarten Einzug in die Rechenzentren hielten, war es üblich, dass ein Programmierer dem Operator den mit Hilfe eines mechanischen Geräts gestanzten Kartenstapel übergab. Die Programmierer selbst bekamen den eigentlichen Computer möglicherweise nicht einmal zu Gesicht, weil nur die mit weißen Kitteln bekleideten Operatoren das »Allerheiligste« betreten durften. Der Operator war dafür verantwortlich, den Inhalt des Lochkartenstapels in den Computer einzulesen, und händigte dem Programmierer einen Stapel Endlospapier mit den Ergebnissen aus, falls das Programm keine Fehler enthielt.

Erst in den 60er-Jahren wurden bestimmte, häufig verwendete Programmteile oder Hilfsmittel wie Interpreter für höhere Programmiersprachen auf Magnetbändern statt auf Lochkarten abgespeichert. In der ersten Zeit waren wieder die Operatoren dafür zuständig, das richtige Band einzulesen, um die Programmlochkarten eines bestimmten Programmierers korrekt zu verarbeiten.

Automatisierung von Operator-Aufgaben

Allmählich wurden übergeordnete Steuerprogramme eingeführt, die in der Lage waren, auf Lochkarten mit speziellen Meta-Befehlen zu reagieren, welche nicht zum Programm selbst gehörten, sondern organisatorische Informationen enthielten. Auf diese Weise konnten einige der Aufgaben von Operatoren automatisiert werden, sodass die Steuerprogramme als Operating Systems bezeichnet wurden – noch heute das englische Wort für Betriebssystem. Diese allerersten Systeme ermöglichten die automatisierte Abarbeitung mehrerer Lochkartenstapel; diese Form der Verarbeitung wird deshalb als Stapelverarbeitung (englisch batch processing) bezeichnet.

»Richtige« Betriebssysteme, wie sie bis heute verwendet werden, wurden allerdings erst eingeführt, als die Dialogverarbeitung entwickelt wurde. Seit Mitte der 60er-Jahre wurden immer mehr Rechenzentren mit Terminals ausgestattet. Ein Terminal (wegen seiner fehlenden eigenen Rechenfähigkeiten auch »dummes Terminal« genannt) ist eine Ein- und Ausgabeeinheit, die direkt am Arbeitsplatz eines Programmierers steht und mit dem eigentlichen Computer verbunden ist.

Das Betriebssystem muss die Eingabe des Benutzers in den Computer transportieren und die Antwort des Computers an das Terminal zurückmelden. Die besondere Herausforderung für die Entwickler der frühen Betriebssysteme bestand darin, die Benutzer mehrerer Terminals zeitgleich zu bedienen. Die damaligen Computersysteme waren nämlich erheblich zu selten und zu teuer, um einem einzelnen Benutzer sämtliche Ressourcen zu überlassen.

Timesharing

Aus dieser Anforderung entwickelte sich das so genannte Timesharing-Verfahren, das die Anfragen mehrerer Benutzer scheinbar gleichzeitig verarbeitet, indem es die Rechenzeit in kleine Einheiten (Zeitscheiben oder time slices) unterteilt und den Anforderungen der einzelnen Benutzer der Reihe nach zuweist. Aus diesem grundsätzlichen Prinzip entwickelte sich beispielsweise das moderne Multitasking, das die Ausführung mehrerer Programme auf demselben Rechner ermöglicht. Außerdem wurden allmählich Mechanismen eingeführt, um die Arbeit verschiedener Benutzer im Speicher des Rechners voneinander zu trennen – die Grundlagen der Zugriffsrechte, der persönlichen Anmeldung und des Speicher- und Ressourcenmanagements wurden entwickelt.

Die ersten Timesharing-Betriebssysteme wurden für einzelne Computer und ihre Anwender in Universitäten und anderen großen Institutionen entwickelt. Eines der wenigen frühen Beispiele, die relativ bekannt geworden sind, ist das am MIT (Massachusetts Institute of Technology) entwickelte ITS (Incompatible Timesharing System) – es wurde von Richard M. Stallman mitentwickelt, dem Begründer der Idee der freien Software. Außerdem wurden einige seiner Fähigkeiten später in UNIX aufgenommen.

MULTICS

Der erste Versuch, ein kommerzielles Timesharing-System zu schreiben, erfolgte Ende der 60er-Jahre: Die Bell Laboratories, das Entwicklungszentrum der US-Telefongesellschaft AT&T, arbeitete mit einigen anderen Firmen an einem System namens MULTICS. Die Idee war, viele hundert Terminals an einem für damalige Verhältnisse recht mächtigen Rechner anzuschließen. Leider wurde MULTICS erst viel später fertig gestellt, als es kaum noch jemanden interessierte.


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4.1.1 Die Geschichte von UNIX  downtop

Einige Ideen von MULTICS inspirierten jedoch Ken Thompson von den Bell Labs dazu, mit der Arbeit an einem eigenen Betriebssystem zu beginnen – anfangs war es als Einzelplatzsystem geplant und wurde auf einem PDP-7-Kleincomputer von Digital Equipment (DEC) entwickelt, der verglichen mit der für MULTICS verwendeten Maschine nicht besonders leistungsfähig war. Thompson und sein späterer Mitstreiter Dennis Ritchie nannten ihr Betriebssystem in einer Anspielung auf MULTICS »Unics«; später wurde daraus UNIX. Die ursprünglich nicht geplante Mehrbenutzer-Fähigkeit wurde übrigens sehr schnell nachgerüstet, nachdem die ersten Versionen von UNIX gut funktionierten.

Eines der wichtigsten Designmerkmale des Betriebssystems UNIX ist seine Modularität: Jeder einzelne Befehl und jeder Bestandteil des Systems kann einzeln ausgetauscht werden, ohne das Gesamtsystem ändern zu müssen. UNIX wurde zunächst in der Maschinensprache der PDP-7 programmiert. 1971 entwickelten Dennis Ritchie und Brian Kernighan dann die Programmiersprache C, in der UNIX schließlich neu geschrieben wurde. Da C-Compiler bald für verschiedene Computersysteme verfügbar waren, fand UNIX schnell Verbreitung.

Eine kommerzielle Verbreitung von UNIX war zu Anfang nicht möglich. Da AT&T in den 70er-Jahren noch das US-Telekommunikationsmonopol innehatte, durfte das Unternehmen keine Geschäfte in anderen Branchen wie etwa dem Computerbereich tätigen. Deshalb wurden Lizenzen für den UNIX-Quellcode unter sehr lockeren Bedingungen an Universitäten vergeben. Das ist der Grund, warum die Grundlagen des Betriebssystemaufbaus bis heute vornehmlich am Beispiel von UNIX und seinen Nachfolgesystemen gelehrt werden.

BSD kontra System V

Die aktivste aller Universitäten, die den UNIX-Quellcode erhielten, war die University of California in Berkeley. Die dortigen Programmierer erweiterten das ursprüngliche UNIX und brachten schließlich eine eigene Version heraus, die Berkeley System Distribution (BSD). Als AT&T schließlich in den 80er-Jahren doch noch die Lizenz erhielt, UNIX kommerziell zu vertreiben, hatten sich die AT&T-Version, genannt System V, und die BSD bereits erheblich auseinander entwickelt. Zudem wurde die Berkeley University verpflichtet, sämtliche Bestandteile des AT&T-UNIX aus der BSD zu entfernen.

Seitdem ist jede kommerzielle und jede freie UNIX-Version eine mehr oder weniger starke Mischung aus BSD- und System-V-Features. Allerdings haben System V und BSD wieder zahlreiche Fähigkeiten voneinander übernommen, sodass es nicht immer ganz leicht ist, sie auseinander zu halten.

Heute existiert eine Vielzahl unterschiedlicher UNIX-kompatibler Betriebssysteme. Dazu gehören kommerzielle Systeme wie Sun Solaris, IBM AIX, HP UX und freie Varianten wie etwa Linux oder FreeBSD. Eine Sonderstellung nimmt Apples neues Betriebssystem für Macintosh-Rechner ein: Mac  OS X löst das technisch vollkommen veraltete Mac  OS 9 ab. Es basiert auf einer Version der BSD, der Betriebssystemkern Darwin ist Open-Source-Software und läuft auf verschiedenen Plattformen. Die grafische Benutzeroberfläche Aqua ist dagegen eine kommerzielle Eigenproduktion von Apple und funktioniert bisher nur auf PowerMacs.

Der POSIX-Standard

Die Mindestanforderung dessen, was ein UNIX-System leisten muss, ist in einem Standard namens POSIX (Portable Operating System Interface) festgeschrieben. Allerdings werden von einem »richtigen« UNIX heute auch einige weitere Quasi-Standards verlangt, die nicht im POSIX-Standard festgelegt sind. Am wichtigsten ist dieser Standard für Programmierer. Wenn Sie ein Programm POSIX-konform schreiben, können Sie davon ausgehen, dass es sich unter jeder beliebigen UNIX-Version kompilieren lässt.

Anfang der 90er-Jahre sah es übrigens bereits fast so aus, als würde UNIX nicht mehr lange überleben: Die verschiedenen Varianten entwickelten sich zunehmend auseinander; auf dem Desktop dominierte Microsoft Windows, während Server für die immer häufiger eingesetzten PC-Netzwerke vor allem unter Novell Netware betrieben wurden.

Zwei wichtige Umstände haben UNIX gerettet und machen es heute, über 30 Jahre nach seiner Entwicklung, zu einem der gefragtesten Betriebssystemkonzepte: Der eine Grund ist die immense Ausbreitung des Internets, dessen wichtigste Konzepte unter UNIX entwickelt wurden. Der zweite Anlass für die Verbreitung von UNIX ist die Erfolgsgeschichte des freien Betriebssystems Linux, das 1991 von dem finnischen Informatikstudenten Linus Torvalds entwickelt wurde und inzwischen das Betriebssystem mit dem größten jährlichen Wachstum ist.


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4.1.2 PC-Betriebssysteme  toptop

Eine völlig andere Entwicklungslinie im Bereich der Betriebssysteme begann mit der Entwicklung der Personal Computer seit Mitte der 70er-Jahre. Auf das Timesharing und den Mehrbenutzerbetrieb wurde bei den ersten Versionen von PC-Betriebssystemen zugunsten der Performancesteigerung zunächst völlig verzichtet.

Apple II: BASIC-Oberfläche

Der erste weit verbreitete PC war der von Steve Jobs und Steve Wozniak 1977 entwickelte Apple II. Er besaß die Möglichkeit, an einer wenig komfortablen Konsole BASIC- und System-Befehle einzutippen. Wurde einem Befehl eine Zeilennummer vorangestellt, dann wurde er Teil eines im Arbeitsspeicher abgelegten Programms, das beispielsweise mittels RUN gestartet und über LIST auf dem Bildschirm angezeigt werden konnte. Befehle ohne Zeilennummer wurden dagegen unmittelbar ausgeführt.

Dieses Konzept wurde in den 80er-Jahren von unzähligen Homecomputern wie dem Commodore C64, dem Atari 800XL oder dem Sinclair ZX81 und ZX Spectrum nachgeahmt. Diese in das ROM eingebauten BASIC-Editoren und -Interpreter lassen sich allerdings nicht als vollwertige Betriebssysteme bezeichnen.

CP/M

Das erste »richtige« Betriebssystem für Personal Computer wurde von Gary Kildall entwickelt. Es hieß CP/M (Control Program for Microcomputers). Im Vergleich zu den bereits weit fortgeschrittenen Betriebssystemen für Großrechner und Kleincomputer war es ziemlich primitiv, hatte aber mehrere Vorteile: Es lief auf zwei verschiedenen zu jener Zeit weit verbreiteten Prozessorplattformen, dem Intel 8080 und dem Zilog Z80. Außerdem besaß es eine Dateiverwaltungsfunktion für Diskettenlaufwerke und konnte über verschiedene Konsolenbefehle gesteuert werden.

1981 kam dann der IBM PC auf den Markt, der bald zum erfolgreichsten Personal Computer wurde. IBM wollte ein CP/M-ähnliches Betriebssystem für diesen Rechner haben. Gary Kildall war jedoch nicht bereit, IBMs Verschwiegenheitserklärungen zu unterschreiben. Deshalb wandten sie sich an die junge Firma Microsoft, die in Seattle arbeitete und Programmiersprachen-Pakete für verschiedene PCs produzierte. Bill Gates fand bei einem Unternehmen namens Seattle Computer Products einen halbfertigen CP/M-Nachbau namens QDOS – »Quick and Dirty Operating System«. Angeblich kaufte Bill Gates alle Rechte an diesem System für 50.000,- $.

MS-DOS

Microsoft verbesserte das System und lieferte es an IBM. Unter dem Namen MS-DOS (Microsoft Disk Operating System) wurde es mit jedem IBM-PC und den später erscheinenden kompatiblen Geräten ausgeliefert. Auf diese Weise entstand das bis heute andauernde Kerngeschäft von Microsoft, denn weltweit wird fast jeder neue PC mit einem Microsoft-Betriebssystem ausgeliefert.

Grafische Benutzeroberflächen

CP/M, MS-DOS und einige andere Versuche besaßen allesamt nur eine Konsole, keine grafische Benutzeroberfläche. Dabei war diese bereits seit 1968 als Designstudie von Douglas Engelbart entwickelt worden. Im Forschungszentrum Xerox PARC wurde sie etwa Mitte der 70er-Jahre fertig gestellt. Allerdings waren die Manager von Xerox nicht in der Lage, die Entwicklungen der PARC-Forscher zu verstehen und zur Marktreife zu bringen. Erst Anfang der 80er-Jahre besichtigte Steve Jobs von Apple das PARC und verliebte sich auf den ersten Blick in die grafische Oberfläche. Daraufhin erschien im Jahr 1983 der teure Flop Apple Lisa; 1984 kam schließlich der Macintosh auf den Markt. Beide waren mit Maus und grafischer Oberfläche ausgestattet.

Auf den IBM-PCs hielt die grafische Benutzeroberfläche erst Jahre später Einzug. Da der Macintosh einen gewissen, wenn auch anfangs noch keinen überwältigenden Erfolg hatte, beschloss Bill Gates, dass auch der PC ein Graphical User Interface (GUI) erhalten sollte. 1990 erschien schließlich die erste brauchbare Version von Microsoft Windows; zunächst als grafischer Aufsatz für MS-DOS.

Ebenfalls im Jahr 1990 wurde der Prozessor Intel 80386 eingeführt. Es handelte sich um den ersten 32-Bit-Prozessor der Intel-Baureihe. Der IBM PC/AT und kompatible Geräte anderer Hersteller wurden bald damit ausgestattet. Ärgerlicherweise war MS-DOS jedoch ein reines 16-Bit-Betriebssystem, das bestimmte eingebaute Fähigkeiten des 386ers wie Speicherschutz, Multitasking und die Adressierung von mehr Arbeitsspeicher nicht nutzen konnte.

Windows

In dieser Situation wurde bei IBM ein neues Betriebssystem konzipiert. Das 32-Bit-System OS/2 sollte zusammen mit dem neuartigen PC-System PS/2 verkauft werden. Dieses Computersystem sollte durch patentierte, inkompatible Schnittstellen die Hersteller IBM-kompatibler PCs ausbooten. Die Programmierung von OS/2 wurde zunächst in Zusammenarbeit mit Microsoft in Angriff genommen. Schließlich gerieten die beiden Firmen jedoch in Streit, weil IBM Windows nicht unterstützen wollte und voll auf OS/2 setzte. Letztendlich setzte sich Windows als wichtigstes PC-Betriebssystem durch. Dennoch besitzt OS/2, dessen bisher letzte Version Warp 4 im Jahr 1996 erschien, einige hervorragende Konzepte.

Microsoft blieb dagegen noch jahrelang bei DOS als Betriebssystem und Windows als grafischer Erweiterung, wobei DOS jedoch allmählich zum Windows-Starter verkam und Windows – zumindest teilweise – mit 32-Bit-Fähigkeiten ausgestattet wurde. Parallel entwickelte Microsoft ein völlig neues Betriebssystem namens Windows NT (New Technology). Als Chefentwickler konnte Microsoft David Cutler gewinnen, der das Betriebssystem VMS für die legendären VAX-Rechner von DEC entwickelt hatte. 1993 erschien die erste Version, die aufgrund der Windows-3.0-Benutzeroberfläche als Windows NT 3.0 bezeichnet wurde.

1995 kam Windows 95 auf den Markt, die Privatkunden-Version eines 32-Bit-Windows-Systems mit modernisierter grafischer Oberfläche. Unter der Oberfläche war es noch immer ein DOS-Betriebssystem, das die Windows-Oberfläche startete. Allerdings waren die meisten 32-Bit-Errungenschaften nun auch in Windows 95 verfügbar, beispielsweise auch die sehnsüchtig erwarteten langen Dateinamen. 1996 wurde Windows NT 4.0 eingeführt, das die neue Oberfläche von Windows 95 auch in der NT-Welt einführte.

Erst das 2001 eingeführte Windows XP brachte schließlich auch in der Privatkunden-Welt den Umstieg auf NT-Technologie. Das System wird in einer Home- und einer Professional-Version angeboten. Dazwischen erschienen noch zwei Nachfolger von Windows 95 namens Windows 98 beziehungsweise Windows Me (Millenium Edition), das ursprünglich Windows NT 5.0 genannte System kam 1999 als Windows 2000 auf den Markt. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Windows-Versionen werden weiter unten noch genauer erläutert.

Der 386-PC war neben der Entwicklung der Windows-Familie auch der Anlass für Linus Torvalds, das Betriebssystem Linux zu entwickeln. Er war ein wenig enttäuscht von den eingeschränkten Möglichkeiten des zu Lehrzwecken entwickelten abgespeckten UNIX-Systems Minix und wollte auf keinen Fall Windows benutzen. Aus diesem Grund begann er mit der Entwicklung seines eigenen Systems.

  

Einstieg in PHP 5

Einstieg in Java

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Einstieg in XML

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